Wirtschaftspolitische Positionen 2026 der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin

6 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Verwaltung zukunftsfähig aufstellen Eine leistungsfähige Verwaltung ist ein zentraler Standortfaktor für Investitionen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Bürokratische Belastungen müssen spürbar und dauerhaft reduziert werden, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, indem Verfahren vereinfacht, standardisiert und messbar entlastet werden. Förderprogramme sind verständlich zu bündeln, digital zugänglich zu machen und so auszugestalten, dass Mittel schnell und wirksam bei den Unternehmen ankommen. Die Verwaltung ist konsequent nutzerorientiert, digital und medienbruchfrei aufzustellen; analoge Prozesse dürfen nicht lediglich digital abgebildet, sondern müssen grundlegend neu gedacht werden. Genehmigungs-, Planungs- und Vergabeverfahren müssen rechtssicher, transparent und deutlich beschleunigt werden, insbesondere bei Infrastruktur- und Investitionsvorhaben. Datenschutz ist wirksam, risikoorientiert und beratungsstark zu vollziehen, damit Rechtssicherheit geschaffen und Digitalisierung ermöglicht wird. Insgesamt muss Bürokratieabbau als aktive Standortpolitik verstanden und systematisch umgesetzt werden – nach dem Prinzip einfach, digital und einmal. Die Wettbewerbsfähigkeit Mecklenburg-Vorpommerns hängt zunehmend von tragfähigen, langfristigen Kooperationen über Verwaltungs- und Landesgrenzen hinweg ab. Überregionale Wirtschafts- und Verflechtungsräume – insbesondere die Metropolregion Hamburg sowie nord- und nordeuropäische Partnerschaften – sind strategisch, verbindlich und ressourcengestützt zu nutzen. Die norddeutsche Zusammenarbeit ist systematisch zu vertiefen, um gemeinsame Stärken in Schlüsselbranchen zu bündeln und Zukunftsthemen koordiniert voranzubringen. Innovations- und Umsetzungskompetenzen müssen stärker gemeinsam organisiert werden, etwa durch eine dauerhaft verankerte norddeutsche Innovationsagentur. Überregionale Cluster und vernetzte Wertschöpfungsketten erhöhen Sichtbarkeit, beschleunigen Innovationen und erschließen neue Wachstumsfelder. Kooperation ist damit kein Zusatz, sondern ein zentraler Hebel für wirtschaftliche Stärke, Resilienz und internationale Anschlussfähigkeit. Kooperationen strategisch gestalten 9 10 Finanzierung verbessern Eine leistungsfähige Wirtschaft benötigt verlässliche, praxisnahe und gut zugängliche Finanzierungsstrukturen in allen Unternehmensphasen. Öffentliche Förder- und Finanzierungsinstrumente müssen vereinfacht, digitalisiert und stärker auf die tatsächlichen Bedarfe von Unternehmen ausgerichtet werden – insbesondere auch für kleine und kleinstbetriebliche Strukturen. Gleichzeitig ist der Zugang zu privatem Kapital systematisch zu verbessern, um Gründungen, Wachstum und Unternehmensnachfolgen nachhaltig zu ermöglichen. Öffentliche Mittel sollten gezielt als Hebel wirken, um privates Beteiligungs- und Risikokapital zu mobilisieren. Für Startups braucht es neben der Frühphase verlässliche Scale-up-Finanzierungen, die Wachstum und Marktdurchdringung ermöglichen. Unternehmensnachfolgen sind finanziell und strukturell abzusichern, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how in der Region zu halten. Insgesamt gilt: Finanzierungspolitik muss schneller, transparenter und mutiger werden, damit Zukunftsinvestitionen nicht an Strukturen scheitern. 8

RkJQdWJsaXNoZXIy MTkyOTU0Ng==