Bild: IHK Wie schneidet die Landesregierung in MV ab? Matthias Belke: Die Wirtschaftskammern suchen den Dialog mit der rot-roten Landesregierung. Wir würden aber andere und vor allem mehr Schwerpunkte für wirtschaftliche Prosperität dieses Landes setzen. Nach 35 Jahren ist das Land an der einen oder anderen Stelle vorangekommen. Wir haben in Westmecklenburg das Glück, dass etwa die Ernährungswirtschaft gut funktioniert und stabil durch die Corona-Krise gekommen ist. Doch auch diese Branche steht vor großen Herausforderungen. Den Unternehmen machen immer mehr Regularien aus Brüssel zu schaffen, die auch von den Politikern gesteuert werden, die aus dem eigenen Land kommen. Wie hilft dabei die Europaabgeordnete aus MV, Sabrina Repp? Matthias Belke: Es ist immer sehr begrüßenswert, wenn sehr junge Menschen wie Frau Repp sich für solche großen Aufgaben bereit erklären. Doch wo sind eigentlich die Erfahrungswerte für so hochkomplexe Themen wie Land- oder Ernährungswirtschaft? Das hört sich so an, als würden Sie sich in Brüssel nicht so gut vertreten fühlen. Matthias Belke: Frau Repp ist als EU-Abgeordnete aus MV aktiv und sichtbar. Wir wünschen uns aber einen noch intensiveren Dialog mit ihr zu Wirtschaftsthemen. Was erwarten Sie vom Land? Lisa Haus: Mehr Unterstützung zur Verbesserung der Infrastruktur im Land, beim Breitbandausbau auch der Start-up-Förderung und in der Bildungspolitik. Es braucht beispielsweise eine bessere Ausstattung der berufsbildenden Schulen, mehr Digitalisierung, neue Lernkonzepte. Matthias Belke: Ein aktuelles Thema, bei dem ich nicht erkennen kann, dass die Druckpunkte für Unternehmen gesehen werden, sind die Ladenöffnungszeiten. Das aktuelle Öffnungszeitgesetz führt dazu, dass zum Beispiel in Wismar viele Sonn- und Feiertage freigegeben sind, aber an dem für den Handel so wichtigen ersten Adventssonntag nicht geöffnet werden kann. Zudem wird die neue Öffnungszeitenverordnung (vormals „Bäderregelung“) von der Gewerkschaften verdi beklagt und wir wissen nicht, wie es mittelfristig mit den erweiterten Sonn- und Feiertagsöffnungsmöglichkeiten in den touristischen Orten weitergehen wird. Das kann nicht sein. Ich glaube nicht, dass immer wieder die Notwendigkeit der Ladenöffnung auch am Sonntag erklärt werden muss. Angesichts der weiter schrumpfenden Agilität des Handels und der Bedeutung für die Vitalität der Stadtzentren haben wir die Zeit nicht mehr. Sie fordern von der Landesregierung, andere Schwerpunkte zu setzen. Vor Jahren wurde in MV das Industriekonzept auf den Weg gebracht. Wie steht es um die Umsetzung? Matthias Belke: Das ist ein wunder Punkt. Es wird viel darüber geredet. Im Ergebnis besteht die Umsetzung aber nach fünf Jahren in Treffen von zwei oder drei Workshops. Mit Verlaub, das ist zu wenig. Was muss bis zur Landtagswahl noch passieren? Matthias Belke: Sehr viel. Wir können nicht wichtige Themen, die die Wirtschaft umtreiben – wie beispielsweise die Energiepreise oder auch die Ansiedlung weiterer Unternehmen und auch großer Rechenzentren im Land – für das nächste Jahr in den Dornröschenschlaf versetzen. Die Politik hat schon verstanden, in welcher Situation die Wirtschaft steckt. Aber es fehlt an den konkreten Umsetzungsschritten. Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus Standortpolitik 9 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
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