IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 01/02 2026

Bild: IHK/info@paperheroes.de Viola Bortsch, Geschäftsführerin der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow GmbH, haben wir zur Zukunft der Energieversorgung in diesem Versorgungsgebiet befragt. Sie ist Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Schwerin sowie im IHK-Regionalausschuss Ludwigslust-Parchim und engagiert sich als Mentorin für Frauen. Was bedeutet der zum Ende des letzten Jahres geschlossene Wärmeliefer- und Infrastrukturvertrag mit der ALBA für die regionale Energieversorgung im Landkreis Ludwigslust-Parchim? Die Stadtwerke Ludwigslust-Grabow haben einen wichtigen Schritt zur Sicherstellung der regionalen Wärmeversorgung unternommen. Die Entscheidung, mit einer Müllverbrennungsanlage zusammenzuarbeiten, ist Teil unseres Engagements für die Daseinsvorsorge in unserer Region. Die Kooperation ermöglicht die von konventionellem Erdgas unabhängige Wärmeversorgung in Ludwigslust. Dies steht im Einklang mit dem bundesweiten Ziel, bis 2045 den Ausstieg aus Gas zu vollziehen und unseren CO2-Ausstoß signifikant zu reduzieren. Das Projekt steht im Zeichen einer starken Partnerschaft: Auf dem Gelände der Thermischen Abfall Verwertung (TAV) errichtet ALBA Nord in enger Abstimmung mit den Stadtwerken einen Wärmetauscher, über den künftig die von der TAV ausgekoppelte Wärme direkt an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow geliefert wird. Nach aktueller Planung steht die erneuerbare Wärmeenergie den Bürgern und Industriebetrieben in Ludwigslust ab dem 01.03.2028 zur Verfügung. Insgesamt ermöglicht das Projekt eine Einsparung von rund 10.400 Tonnen CO2 pro Jahr.  IM INTERVIEW Voller Energie Wie stellt sich nach über einem Jahr die Bilanz mit dynamischen Stromtarifen für die Stadtwerke dar? Wird dieses Versorgungsangebot von Ihren Kunden angenommen und welche Vorteile bietet es für den Netzbetrieb? Wir haben das Jahr offensiv mit der Einführung des dynamischen Tarifes genutzt. Zum einen hat Deutschland die höchsten Strompreise der Welt. Die vielen kleinen Netzbetreiber und die hohe Anzahl der Marktakteure beleben zwar den Markt, bergen allerdings auch territoriale Unterschiede. Zum Zweiten verteuert Greenwashing, durch den Kauf von Herkunftsnachweisen, die Preise. Der Markt um die Erzeugung hat zudem eine andere Dynamik erreicht, sodass wir uns diesen Herausforderungen in Anlehnung an die Kundenbedürfnisse stellen müssen. Deshalb sehen wir die Einführung des dynamischen Tarifs, den die Stadtwerke gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz ab dem 01.01.2025 anbieten mussten, als den richtigen Schritt an. Wenn Verbraucher die günstigen Preise zu bestimmten Zeiten nutzen, können sie nicht nur ihre Energiekosten optimieren, sondern auch die Belastung des Stromnetzes zu Spitzenzeiten verringern. Besonders innovatives Kundenklientel, das eigene Energieversorgungsanlagen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie moderne Heiztechnologien (z.B. Wärmepumpen) nutzt, zeigt großes Interesse. Im gewerblichen Bereich, wo Energiekosten eine bedeutende Rolle spielen, kann der dynamische Tarif signifikante Einsparungen ermöglichen. Dies geschieht durch optimierte Nutzung von Maschinen und Ressourcen. 14  Titelthema Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026

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