Der Landkreis Ludwigslust-Parchim soll nicht nur Vorreiter der Energiewende sein, sondern ein attraktiver Standort für Investitionen, Lebensqualität und nachhaltigem Wachstum. Welche Rahmenbedingungen fordern Sie von der zukünftigen Politik auf Bundes- und Landesebene ein, insbesondere auch in Bezug auf das Industriepolitische Konzepte in MV? Die Zukunft des Landkreises Ludwigslust-Parchim ist eng mit dem Erfolg der Energiewende, der Schaffung eines robusten Investitionsklimas und der Förderung der Lebensqualität verbunden. Indem wir gemeinsam mit der Politik und anderen Stakeholdern an der Umsetzung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien sowie Netz- und Infrastrukturausbau, arbeiten, können wir nachhaltiges Wachstum und Wohlstand in unserer Region fördern. Um Ludwigslust-Parchim als Investitionsstandort zu stärken, fordern wir von der zukünftigen Politik auf Bundes- und Landesebene folgende Rahmenbedingungen: Sicherung der stabilen und resilienten Daseinsversorgung - Bezahlbarkeit und Finanzierbarkeit sicherstellen. Eine verlässliche, kosteneffiziente und umweltfreundliche Energieversorgung ist entscheidend. Für die Medien Strom, Gas, Wasser und Wärme sind die zentralen Herausforderungen zur Durchführung der Transformation zur Klimaneutralität identifiziert. Die Anforderungen an Investitionen und Transformation der Infrastruktur sind bei allen Medien gleich hoch. Ohne weiterführende Anpassungen des Ordnungsrahmens wird es nur schwer gelingen, Transformation, Bezahlbarkeit und Finanzierbarkeit in Einklang zu bringen. Förderung von Innovationen: Wir bitten um die Etablierung von Förderprogrammen für innovative, nachhaltige Technologien und Digitalisierung. Diese sollten sowohl Forschung und Entwicklung unterstützen als auch die Implementierung in der Industrie vorantreiben. Klare Rahmenbedingungen für Netzbetreiber - Massive regulatorische und finanzielle Unsicherheit bei Infrastrukturentwicklung: Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist essenziell. Wir fordern Investitionen in Verkehrs- und Kommunikationssysteme, um die Erreichbarkeit unserer Region zu verbessern. Es ist es entscheidend, frühzeitig belastbare Finanzierungsstrategien zu entwickeln, zu verbessern und alternative Finanzierungsformen aktiv zu prüfen. Auch wir sehen die hohen Investitionsvolumina für Strom-, Gas- und Wärmenetze bis weit in die 2030er Jahre, welche zunehmend die Finanzierungsfähigkeit vieler kommunaler Unternehmen überfordert. Lebensqualität und nachhaltiges Wachstum: Der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität sind für die Ansiedlung neuer Unternehmen sowie „Startups“ wichtig. Grüner Wohnraum: Mit einhergehenden Klimaveränderungen sollte die Politik Initiativen ergreifen, um Wohnraum zu schaffen, der ökologischen Standards entspricht und gleichzeitig den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Bildung und Fachkräfte: Wir müssen dringend das Bildungssystem stärken und gezielte Weiterbildungsangebote schaffen, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Dies gelingt aber nicht nur mit der Schaffung eines Praxislerntages, wenn dieser allein in die Hände der Unternehmen gelegt wird, ohne Wertausgleich. Und zum Schluss sollte das industriepolitische Konzept für Mecklenburg-Vorpommern klare Ziele verfolgen. Wir benötigen Anreize für Unternehmen, sich in verschiedenen Branchen anzusiedeln, um die Abhängigkeit von einzelnen Industriezweigen zu reduzieren. Für die Umsetzung der Investitionen braucht es Rückhalt – durch öffentliche Sicherheitsleistungen und gezielte Förderprogramme. Fühlen Sie sich als Energieversorger hierbei ausreichend unterstützt? Als Versorgungsunternehmen erkennen wir die grundlegende Unterstützung durch den Landkreis, die Städte und den Bund an. Die bereitgestellten Mittel und Rahmenbedingungen für die praktische Umsetzung unserer Projekte reichen nicht aus. Besonders in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen benötigen wir einen stärkeren finanziellen Rückhalt, um die angestrebten Investitionen in Wärmeversorgung und Strominfrastruktur erfolgreich realisieren zu können. Zu den spezifischen Bereichen: 1. Öffentliche Sicherheitsleistungen: Die anstehenden Investitionen erfordern gezielte Förderungen. 2. Verlässliche Förderstrukturen: Die Schaffung klarer Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten, um Projekte effizient umsetzen zu können. 3. Klar definierte Finanzierungsverantwortung: Eine transparente Aufteilung der Verantwortlichkeiten hilft uns, Risiken besser zu managen und unsere Aufgaben effektiv zu erfüllen. Die Energie- und Wärmewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und Stadtwerke leisten ihren Beitrag, können die finanziellen Risiken jedoch nicht allein tragen. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Start des sogenannten Deutschlandfonds Zum Abschluss noch ein Blick auf das aktuelle Weltgeschehen. Rücken nicht gerade die geopolitischen Verwerfungen mehr Unabhängigkeit bei Energie und Rohstoffen und mehr Resilienz in der Versorgung in den Vordergrund und damit auch der eingeschlagene Weg und das Geschäftsmodell der Stadtwerke? Wir sehen die Notwendigkeit, unsere Versorgungsstrukturen resilienter zu gestalten, um auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren zu können. Wir setzen auf Kooperationen mit lokalen und regionalen Partnern, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. In einer zunehmend digitalen Welt müssen wir sicherstellen, dass unsere Systeme robust und geschützt sind, um unseren Kunden und Partnern Vertrauen bieten zu können. Vielen Dank für das Gespräch! Titelthema 15 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
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