Bilder: AdobeStock IHK ZU SCHWERIN Annett Reimer 0385 5103-213 reimer@schwerin.ihk.de MERCOSUR – der Begriff taucht derzeit häufig in den Medien auf. Aber was steckt eigentlich hinter dieser Abkürzung? Und was bedeutet ein Handelsabkommen mit dieser Region für die Wirtschaft? Mercosur steht für die spanische Bezeichnung „Mercado Común del Sur“, was im deutschen so viel bedeutet wie „Gemeinsamer Markt des Südens“. Gemeint ist der Zusammenschluss der südamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zu einem gemeinsamen Markt. Gemeinsam bilden diese Länder fast die Hälfte der Wirtschaftskraft Südamerikas ab. Der Mercosur wurde 1991 gegründet und hat die soziale, politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der Mitgliedsländer zum Ziel. Dieser gemeinsame Markt ist als Zollunion mit einem gemeinsamen Außenzolltarif konzipiert. WICHTIGER MARKT MIT HÜRDEN Mercosur ist der zehntwichtigste Handelspartner der EU und der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Ein Großteil der deutschen Exporte in die Region geht nach Brasilien, gefolgt von Argentinien. Die EU-Staaten sind insbesondere Lieferant von Industriewaren. Mercosur liefert hingegen Rohstoffe und Agrarprodukte, ist aber auch zunehmend als Lieferant von grüner Energie und Wasserstoff von Bedeutung. Derzeit entfallen auf rund 85 Prozent der EU-Ausfuhren in den Mercosur Abgaben. So erhebt Mercosur auf wichtige deutsche Exportprodukte hohe Zölle von bis zu 35 Prozent, darunter Autos und Autoteile, Kleidung, Maschinen, Chemikalien oder Pharmazeutika. Auch entstehen EU-Unternehmen für die Einhaltung der Mercosur-Vorschriften und Regelungen teils erhebliche Kosten, wenn diese von internationalen Standards abweichen. EU-MERCOSUR ABKOMMEN – WENIGER ZÖLLE, MEHR HANDEL Bereits seit Jahrzehnten wird zwischen der EU und den Mercosur-Staaten über ein Freihandelsabkommen verhandelt, um den gegenseitigen Handel zu erleichtern. Im Dezember 2024 wurde dieses Abkommen (EMPA = EU-Mercosur Partnership Agreement) von beiden Seiten unterzeichnet. Derzeit läuft der Prozess der Zustimmung durch die EU-Mitgliedstaaten, die Voraussetzung ist, damit das Abkommen in Kraft treten kann. Mit dem EU-Mercosur-Abkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt. Mehr als 715 Millionen Einwohner auf beiden Seiten des Atlantiks erwirtschaften ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung. Mit dem Handelsabkommen würden Mercosur-Staaten voraussichtlich rund 90 Prozent der EU-Importe aus dem Industriebereich liberalisieren. Insbesondere der Abbau der bisher hohen Zölle auf Autos und Autoteile, Maschinen, chemische Produkte, Arzneimittel sowie Bekleidung und Schuhe dürfte den EU-Export künftig ankurbeln. Darüber hinaus könnte der EU-Nahrungsmittelsektor von einem Abbau hoher Zölle profitieren. Für diese Branchen gelten teilweise Übergangsfristen. Im Gegenzug würde das Handelsabkommen die Zölle auf rund 90 Prozent der in die EU exportierten Mercosur-Waren schrittweise beseitigen. Besonders umstritten sind dabei landwirtschaftliche Waren. Darunter zum Beispiel Rind- und Geflügelfleisch, Zucker, Honig und Reis – diese sollen teilweise durch Kontingente liberalisiert werden. Im Dezember 2025 einigten sich EU-Rat und Parlament auf eine S c h u t z - klausel-Verordnung, um den EU-Agrarsektor vor plötzlichen, schädlichen Einfuhren aus den MERCOSUR-Staaten zu schützen, die das Abkommen gefährden könnten. Diese Regeln ermöglichen eine rasche Wiedereinführung von Zöllen bei konkreten sensiblen Agrargütern, um Preisdumping zu verhindern und die heimische Landwirtschaft zu schützen. WIE GEHT’S WEITER? Das EU-Mercosur-Abkommen ist noch nicht in Kraft. Seit Abschluss der Verhandlungen im Dezember 2024 läuft der Ratifizierungsprozess, der die Zustimmung aller 27 EUMitgliedstaaten beinhaltet. Der Handelsteil des Abkommens (iTA = interims Handelsabkommen) kann jedoch bereits nach Zustimmung des EU-Rats- und Parlaments in Kraft treten, was eine vorläufige Anwendung dieses Handelsteils bereits 2026 bzw. 2027 ermöglichen könnte, um die vereinbarten Zollsenkungen nutzen zu können. Das Inkrafttreten des gesamten EMPA-Abkommens wird voraussichtlich länger dauern. WICHTIG FÜR EUROPA Handelsabkommen MERCOSUR International 41 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
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