Bilder: Magazin der IHK zu Schwerin 01 | 02 | 2026 VOLLER ENERGIE Viola Bortsch Geschäftsführerin der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow GmbH Es braucht einen radikalen Schnitt 08 Ausbildungsstart 2026 34 Handelsabkommen MERCOSUR 41 WIKO Wirtschaftskompass Westmecklenburg
www.industrie-zukunft.de Westmecklenburg als Teil der Metropolregion Hamburg kann auch In|du|strie! Leben und Arbeiten im Urlaubsland Nr. 1 ist hier Wirklichkeit! Mit der Akzeptanzoffensive In|du|strie Gemeinsam. Zukunft. Leben. will die Industrie in dem östlichen Teil der Metropolregion Hamburg auf sich und auf die guten Standortbedingungen aufmerksam machen. Westmecklenburg kann auch In|du|strie: Mit den Unternehmen vor Ort, für Fach- und Führungskräfte und für Investoren. Entdecke das du zur Industrie in Westmecklenburg! | |
Bilder: Rubrik 1 Wertschöpfung mit Substanz Bild: info@paperheroes.de IHK Direkt 0385 5103 111 Der schnelle Weg zur IHK. Die größte Wertschöpfung erfolgt durch eine leistungsfähige Industrie. Produzierende Unternehmen beauftragen wiederum regionale und überregionale Zulieferbetriebe und Dienstleistungen. Durch einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf werden Beschäftigung, Wohlstand und soziale Sicherheit erreicht. Zudem unterstützen zahlreiche Betriebe das gesellschaftliche Leben auf solchen Feldern wie Sport, Kultur und auch im karitativen Bereichen massiv. Gerade in bewegten Zeiten ist es umso bedeutsamer, die Wirtschaftspolitik auf die zentralen Eckpfeiler der Volkswirtschaft auszurichten. Nichts ist wichtiger als klare Leitplanken und Perspektiven. Schlingerkurse, fehlende Visionen und Meilensteine darüber, wie Zukunft gestaltet werden kann, sind ein schlechter Ratgeber! Das gilt im Kern für alle Branchen, ist aber für die Industrie essentiell. Investitionsentscheidungen im produzierenden Bereich sind langfristige Entscheidungen und werden durch Gewinne in der Zukunft refinanziert. Fehlt diese Perspektive, werden Investments gestreckt oder bleiben aus. Genau diese Erkenntnis zieht sich aber wie ein roter Faden durch die Konjunkturbeobachtungen der letzten Jahre. Viele Unternehmen warten ab und stehen sprichwörtlich auf der Investitionsbremse. Was ist zu tun? Die Antwort hierauf kann einfach formuliert werden: Mit dem „Industriepolitischen Konzept MV 2030“ liegt alles auf dem Tisch! Im Jahr 2021 wurden die zehn Top-Themen mit den zahlreichen Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Die gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaft formulierte Zukunftsvision hat nichts von ihrer Aktualität verloren! Demnach sollten weitere Investitionen im Bereich der sauberen Industrie erfolgen, möglichst in der Fläche und vielfach grün. Die Handlungsempfehlungen zeigen in der Breite auf, welche Hausaufgaben vor allen Beteiligten liegen, um auch in Zukunft den Konjunktur- und Wirtschaftsmotor Industrie am Laufen zu halten. „Gemeinsam.Zukunft.Leben“ war das Motto der Industrieimage-Kampagne und wurde 2017 mit dem ersten Industrie-Kongress der drei Industrie- und Handelskammern in der Hansestadt Wismar nach außen getragen. Nach zahlreichen weiteren jährlichen Kongressen, gilt dieses Motto mehr denn je: Die Zeitenwende betrifft direkt und indirekt auch die Industrie in Mecklenburg-Vorpommern. Die Politik auf Bundes- und Landesebene ist noch mehr gefordert: Die Industriepolitik ist vielschichtiger geworden, muss im Kern intensiver berücksichtigen: Mehr Resilienz, aber auch mehr Aufträge sind gefordert. Und hierfür bedarf es einer Umsetzung der vielen Handlungsempfehlungen, um die Chancen auf ein auskömmliches Wirtschaften zu verbessern. Die neuen Herausforderungen aus der Zeitenwende und den Erwartungen aus dem Industriepolitischen Konzept schließen sich nicht aus und stehen nicht im Gegensatz! Industriestandorte sind erkennbar im Wandel. Unter dem Leitmotiv „Zeitenwende: Sicherheits- und Verteidigungsindustrie als Chance“ rückten die IHKs bewusst aktuelle industriepolitische Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen in den Mittelpunkt – von der Umsetzung des Strategiekonzeptes „Industrieland MV 2030“ über neue Wertschöpfungsketten im Kontext der Gesamtverteidigung bis hin zur Frage, wie Unternehmen ihre Resilienz stärken können. Die Wirtschaft ist anpassungsfähig, weil sie es muss! Mehr denn je sind jedoch politische Entscheidungen nötig, um unseren Unternehmen jetzt die besten Bedingungen für die gemeinsamen Aufgaben zu schaffen! Die Agenda dazu ist bekannt: Zehn wichtige Handlungsfelder, die genau deswegen endlich umzusetzen sind! Lisa Haus Hauptgeschäftsführerin Die Industriepolitik ist vielschichtiger geworden, muss im Kern intensiver berücksichtigen: Mehr Resilienz, aber auch mehr Aufträge sind gefordert. Editorial Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
21 40 WAS GILT IN 2026? Um sicherzustellen, dass das Auslandsgeschäft problemlos funktioniert, ist es wichtig, gesetzliche und regulatorische Änderungen zu kennen und zu berücksichtigen. MARITIME INDUSTRIE EUROPAS Die maritime Industrie ist ein tragender Pfeiler der europäischen Wirtschaftskraft. Fast jedes Industrieprodukt – vom Auto bis zur Windturbine – ist auf maritime Wertschöpfung angewiesen. Inhalt STANDORTPOLITIK 07 A 14-Nordverlängerung 08 Es braucht einen radikalen Schnitt 10 Starke Frauen 11 Gewerbeflächen-Monitoring 12 Gesundheitswirtschaft TITELTHEMA 14 Voller Energie 16 Energiewende möglich machen 18 Darlehen in Millionenhöhe EXISTENZGRÜNDUNG & UNTERNEHMENSFÖRDERUNG 19 EU-Schwellenwerte 19 Neue Teamleiterin 20 OZ-Existenzgründerpreis 20 Saubere Sache 21 Maritime Industrie Europas 22 Zukunftsthemen und klare Impulse 23 Treppenlift-Spezialist 24 Mehr Resilienz und Aufträge 26 Schweriner Luftfahrtunternehmen 27 Konkreter Nutzen für Unternehmen 28 KI erreicht die Praxis 28 Technisches Tüfteln mit System 29 Digitalisierung 30 Nachfolger suchen Unternehmen 31 Arbeitswelt im Wandel AUS- & WEITERBILDUNG 32 Super-AZUBI kommt aus Schwerin 34 Ausbildungsstart 2026 35 Bundeswehr-Wirtschaft 35 IHK-Berufsbildungsausschuss 36 Berufsorientierung 36 Der IHK-Regionalausschuss INNOVATION & UMWELT 37 Forschungskosten absetzen 38 Innovationspreisverleihung 2024 39 Physik ersetzt Chemie INTERNATIONAL 40 Was gilt in 2026? 41 Handelsabkommen MERCOSUR RECHT & STEUERN 42 Unternehmen in Verantwortung 42 Amtliche Bekanntmachungen 42 Keine Vergütung für KI-Gutachten 43 Schweriner Sachverständigen-Runde 43 Sachverständigenwesen 44 Produktbezeichnungen 2 Inhalt Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
07 A 14-NORDVERLÄNGERUNG Die A 14-Nordverlängerung gilt als eines der größten Infrastrukturprojekte in Ostdeutschland: Seit dem Beschluss des Bundestags im Jahr 2004 wird die Autobahn zwischen den Kreuzungen Magdeburg und Schwerin schrittweise geschlossen. Die Gesamttrasse erstreckt sich über rund 155 Kilometer durch Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und umfasst zehn Anschlussstellen sowie zusätzliche Rast- und Parkanlagen. MEHR RESILIENZ UND AUFTRÄGE Am 12. Dezember 2025 fand in der IHK zu Schwerin der Industrie-Kongress Mecklenburg-Vorpommern der IHKs in MV statt — wieder einmal ein deutliches Zeichen dafür, dass Industrie und wirtschaftliche Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern Hand in Hand gehen. SUPER-AZUBI KOMMT AUS SCHWERIN Die Schoeller Allibert GmbH mit Sitz in Schwerin/ Sacktannen feiert einen besonderen Erfolg – so war das Unternehmen für nachhaltige Kunststofflösungen mit einem seiner Auszubildenden zur DIHKBestenehrung nach Berlin eingeladen. 32 24 Inhalt 3 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: IHK Reem Alabali Radovan hat im Rahmen ihres Antrittsbesuchs als Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ihren „Aktionsplan Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“ vorgestellt. Sie möchte KMU bei ihrem Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützen. Zudem ging es um die Themen Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten sowie die im Koalitionsvertrag vereinbarte Abschaffung des nationalen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes. AKTIONSPLAN „STARKE PARTNERSCHAFTEN FÜR EINE ERFOLGREICHE WIRTSCHAFT WELTWEIT“ In drei Bereichen stellt das BMZ sein Engagement für die wirtschaftliche Zusammenarbeit neu auf: I. Mehr Dialog zwischen Wirtschaft und Entwicklungspolitik und frühzeitige Einbindung bilden den ersten Schwerpunkt. So sollen unter anderem im Vorfeld von Regierungsverhandlungen mit strategisch wichtigen Partnern Wirtschaftsvertreter konsultiert werden – wie Verbände, Handelskammern oder auch einzelne Unternehmen - Wirtschaftliche Kooperation wird standardmäßig Thema in bilateralen Regierungsverhandlungen sein. II. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem Abbau struktureller Hemmnisse. Die Chancen deutscher Unternehmen bei Vergaben der Entwicklungszusammenarbeit sollen erhöht werden - durch hohe Qualitätskriterien in Ausschreibungsverfahren, durch fairere Wettbewerbs- und durch bessere Kooperationsbedingungen. Indem Unternehmen in die Projektentwicklung relevanter Investitionen einbezogen werden, können Entwicklungspolitik und Wirtschaft besser an einem Strang ziehen. Die Expertise und das Know-how der deutschen Wirtschaft stärken die Entwicklungspolitik in den Partnerländern. III. Die gezielte Förderung und Unterstützung deutscher Unternehmen bilden den dritten Schwerpunkt. Dabei nimmt das BMZ insbesondere den Mittelstand in den Blick. Wo deutsche und europäische Unternehmen besondere Versorgungs- und Investitionsinteressen haben, nimmt das BMZ kritische und strategische Rohstoffe stärker in den Fokus. Dabei setzt das BMZ auf einen Win-WinAnsatz der zeigt, dass Entwicklungspolitik im Sinne der Partnerländer und im Sinne Deutschlands ist. Den kompletten Aktionsplan „Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“ finden Sie online auf der Internetseite des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung https://www.bmz.de/de/starke-partnerschaften-269800. Vom 20. bis 24. April 2026 findet in Hannover die runderneuerte Weltleitmesse der produzierenden Industrie statt. Die HANNOVER MESSE 2026 setzt dabei auf klare Strukturen, gezielten Austausch und neue Formate, die Orientierung schaffen, Dialog fördern und Business voranbringen. Eine neue Themenarchitektur sollen Synergien eröffnen und den Wandel der Industrie in seiner ganzen Breite erlebbar machen. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin begleitet den Firmengemeinschaftsstand des Landes Mecklenburg-Vorpommern seit vielen Jahren. Im Verbund mit dem CIM Technologie-Zentrum Wismar e.V., das auch 2026 wieder als Standorganisator auftritt, hat sich eine starke Kooperation gebildet, die den Unternehmen auf dem Gemeinschaftsstand nicht nur eine bestmögliche Präsentationsfläche, sondern auch ein interessantes und abwechslungsreiches Programm bietet. CIM-Geschäftsführer Dr. Jan Wagner blickt auf die runderneuerte Messe: "Wir sind gespannt, wie das neue Messekonzept funktionieren wird. Außerdem freuen wir uns auf das Partnerland Brasilien und die geplanten Events auf unserem Gemeinschaftsstand, mit denen wir unseren ausstellenden Firmen noch mehr Vorteile und Möglichkeiten zur Vernetzung bieten wollen.“ Mit dem Tag der Industrie bringen die IHKs in MV am 22. April 2026 Studierende unter anderem aus Wismar und Rostock mit den ausstellenden Unternehmen aus MV auf der Messe zusammen. Für die Studierenden ergibt sich dabei die Gelegenheit die Vielfalt der Unternehmenslandschaft kennenzulernen und zu erleben, wie diese sich in einem internationalen Umfeld präsentieren. Wenn Sie die Hannover Messe besuchen möchten, sprechen Sie uns an. Gerne kümmern wir uns um die Bereitstellung von Tickets und empfangen Sie auf dem MV-Gemeinschaftsstand in Halle 26. ANTRTITTSBESUCH Bundesministerin besucht IHK FIRMENGEMEINSCHAFTSSTAND UND TAG DER INDUSTRIE MV auf Hannover Messe IHK ZU SCHWERIN Stefanie Richter 0385 5103-201 s.richter@schwerin.ihk.de IHK ZU SCHWERIN Dr. Wolf-Rüdiger Knoll 0385 5103-208 knoll@schwerin.ihk.de 4 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bilder: Florian Kracht; Barbara Arndt Im Wismarer Holzhafen, konkret in einer der Ideenschmieden des TGZ, steht eine Sensation. Die verbirgt sich in einer Art Container mit einem Quadratmeter Grundfläche und 1,30 Meter Höhe, dem LidarCUBE. Dieser ist wiederum vollgepackt mit Top-Technologien inklusive KI und Speicher. Dazu gehören drei (Laser-) Augen, die bis in 100 Kilometer Höhe sehen können. Das Ganze ist dazu angetan, dem Wetter jedwede Überraschungsmomente zu nehmen. Durch umfassende meteorologische Echtdaten, rund um die Uhr verfügbar, möchte das Start-up LiCuSpace die Arbeitsweise und -sicherheit in verschiedensten Branchen revolutionieren. Mit einer Art Wetterbericht? 3D-WETTERDATEN „Nein, wir machen keine Vorhersagen, wir liefern die Wetterdaten für viele relevante Bereiche. Wir wollen im Datenraum alle Lücken füllen, und zwar immer in 3D. So etwas gibt es nirgendwo anders“, sagt Sami Yabroudi, Lead Engineer Manufacturing. Um zu verstehen, was in dem 2021 von Helmut Gutzmann gegründeten Unternehmen geschaffen wurde, lohnt der Vergleich zur bisherigen Erfassung von Wetterdaten. Bodenstationen, aber auch Wettersatelliten, Radarstationen, Flugzeuge und Bojen, generieren die notwendigen Informationen. Weitere Daten aus der Höhe kommen insbesondere von Radiosonden, die an Wetterballons von 16 deutschen Standorten aufsteigen. „Aus diesem Input berechnen Modelle die Vorhersagen bislang – rückblickend“, erklärt Sami Yabroudi. KI ON BOARD Das Team aus Wismar erfasst Rohdaten mittels der besagten LidarCUBEs und einer ganzen Gerätefamilie auf differenziertere Weise. Kernelement ist ein optoelektronisches System, ein Laser mit Detektoren. Dieser verlässt den Cube unfassbar schnell wechselnd über drei Teleskope in die Atmosphäre – bestenfalls bis zum Beginn des Weltalls. Das aus großer Höhe zurückgeworfene Licht (Photonen) gibt Auskunft über die Beschaffenheit wetterrelevanter Aspekte wie Windgeschwindigkeit, Temperatur und Dichte. Hinzu kommen Messrechner, Klimatisierung, ein Kamerasystem zur Himmelsbeobachtung und Zustandsüberwachung. Eine Wetterstation für den Remote-Betrieb und eine Kamera zur Überwachung ergänzen die Ausstattung. „Das wichtigste Element ist LiCuBrain – eine völlig neuartige KI-Lösung für gleich mehrere Zwecke: Sie verbessert die Messdatenqualität, führt perspektivisch alle Daten zuzüglich der am Markt etablierten Geräte zusammen und erweist sich als lernendes System am lokalen Standort. Künftige Geräte profitieren von diesem Wissen. Und genau diesen Ansatz verfolgen aktuell nur wir“, beschreibt der Technische Herstellungsleiter die Innovation. „Wir denken LidarGeräte neu, und zwar aus Kundensicht. Dem sind die Messgeräte nicht wichtig, sondern verlässliche, korrekte Daten.“ Diese nutzen Flughäfen für sichere und umsatzfördernde Abfertigung. Landwirtschaft, Energiesektor, Raumfahrt oder Katastrophenmanagement können ihre jeweiligen Aktivitäten präziser steuern. Die neue Technologie, so Sami Yabroudi, habe einen Stellenwert wie die Einführung von iPhone oder Google. „Wir haben bereits international Interesse geweckt.“ Ganze 16 Innovationen sind zum Schutz angemeldet! Sami Yabroudi, der an der TU Berlin Physikalische Ingenieurwissenschaft studierte und acht Jahre Mikroproduktionstechniken erforscht hat, möchte mit dem LiCuSpace-Team gern zwei nächste Schritte zeitgleich machen. Zum einen geht es ihm darum, Bedarfe zu akquirieren. „Wir kennen potenzielle Kunden durch unseren Vertriebspartner Graw Radiosondes GmbH & Co. KG sehr gut. Das ist die Grundlage für den Aufbau einer umfassenden Produktion.“ Zum anderen entwickeln die Experten aus dem Wismarer Holzhafen Software-Lösungen für ihre Abnehmer. „Mit LiCuVision präsentieren wir maßgeschneiderte Versionen, weil jeder Kunde individuelle Anforderungen stellt.“ LiCuSpace legt ein enormes Tempo an den Tag. „Leider teilen nicht alle jene Spontanität, die Start-Ups das Wachstum in die Fläche ermöglicht. Dieser Umstand fordert uns immer wieder“, bedauert Sami Yabroudi. Er würde diese Energie und Zeit viel lieber in weitere Innovationen und den Markteintritt stecken. Barbara Arndt LICUSPACE IN WISMAR Hightec von der Küste Sami Yabroudi setzt jetzt alles daran, die revolutionäre LiCuTechnik zu vermarkten. Die LiCuSpace LidarCUBE family wächst bei einem Start-Up in Wismar. Wirtschaftsregion Westmecklenburg 5 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bilder: Gérard Kühnel und DRK Kreisverband Schwerin; Hochschule Wismar Die Wirtschaftsjunioren bei der IHK zu Schwerin haben der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Schwerin, eine Spende in Höhe von 1.000 Euro überreicht. Bereits im Sommer informierten sich die Mitglieder bei einem Besuch vor Ort über die ehrenamtliche Arbeit der Staffel unter Leitung von Stefanie Marten und Maria Netzband. Zehn ausgebildete Rettungshunde stehen dort mit ihren Hundeführerinnen und -führern rund um die Uhr bereit, um vermisste Personen zu suchen. Mit der Spende, die Richard Oling und Gérard Kühnel übergaben, unterstützen die Wirtschaftsjunioren die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeugs, das den inzwischen über 30 Jahre alten Transporter „Herbert“ ersetzen soll. Für das speziell ausgerüstete Fahrzeug werden insgesamt rund 80.000 Euro benötigt. SPENDENKONTO: DRK-Kreisverband-Schwerin IBAN: DE69 1406 1308 0001 8024 45 Verwendungszweck: Rettungshundestaffel Verantwortlich: Marco Woldt, WJ-Geschäftsstelle Der Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte wird härter – Unternehmen, die frühzeitig investieren, verschaffen sich einen entscheidenden Vorsprung. Ein duales Studium verbindet akademisches Wissen mit unmittelbarer Praxiserfahrung und gilt längst als strategisches Instrument moderner Personalentwicklung. Die Hochschule Wismar zählt zu den etablierten Anbietern dieser Studienform und bietet duale Studiengänge inzwischen in elf Fachrichtungen an – wahlweise praxis- oder ausbildungsintegriert. Für Unternehmen eröffnen sich dadurch neue Wege, Talente passgenau zu entwickeln, langfristig zu binden und früh in betriebliche Abläufe zu integrieren. WAS UNTERNEHMEN WISSEN SOLLTEN Wie duales Studieren konkret funktioniert, welche Vorteile es für Unternehmen bietet und welche Voraussetzungen Praxispartner erfüllen müssen, darüber informiert die Hochschule Wismar im Rahmen einer Infoveranstaltung speziell für Unternehmen. Eingeladen sind Geschäftsführer sowie Personal- und Ausbildungsleiter, die sich unter anderem zu folgenden Themen informieren möchten: d as duale Studienangebot der Hochschule Wismar im Überblick U nterschiede und Einsatzmöglichkeiten des praxis- und ausbildungsintegrierten Modells f ormale Rahmenbedingungen und Kosten für Unternehmen als Praxispartner E rfahrungsberichte aus der Unternehmenspraxis und von dual Studierenden Termin: Freitag, 27. Februar 2026, 10:00 Uhr Ort: Hochschule Wismar, Haus 1, Hörsaal 101 Im Anschluss besteht die Gelegenheit, ausgewählte Labore der Fakultät für Ingenieurwissenschaften zu besichtigen und direkt mit den betreuenden Professorinnen und Professoren ins Gespräch zu kommen. WIRTSCHAFTSJUNIOREN SCHWERIN DRK-Rettungshundestaffel unterstützt INFORMATIONSVERANSTALTUNG DER HOCHSCHULE WISMAR Duales Studium ANMELDUNG: Hochschule Wismar Prof. Dr.-Ing. Roland Larek, roland.larek@hs-wismar.de 03841 753 7458 Übergabe der Spende (v.l.): Stefanie Marten, Richard Oling, Tom Neugebauer, Gérard Kühnel und Maria Netzband mit den Hunden Lotti und Murphy. 6 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: nordreport Die A 14-Nordverlängerung gilt als eines der größten Infrastrukturprojekte in Ostdeutschland: Seit dem Beschluss des Bundestags im Jahr 2004 wird die Autobahn zwischen den Kreuzungen Magdeburg und Schwerin schrittweise geschlossen. Die Gesamttrasse erstreckt sich über rund 155 Kilometer durch SachsenAnhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und umfasst zehn Anschlussstellen sowie zusätzliche Rast- und Parkanlagen. AKTUELLER BAUFORTSCHRITT 2025 war ein herausforderndes Jahr für das Projekt. Die nachträgliche Verabschiedung des Bundeshaushalts verzögerte den Bau, führte aber nicht zu einem Baustopp. Technische Schwierigkeiten zwangen zudem zur Verschiebung der ursprünglich für Ende 2025 geplanten Freigabe des Abschnitts zwischen Lüderitz und Stendal. Derzeit laufen umfangreiche Arbeiten auf mehreren Abschnitten: Zwischen Lüderitz und Stendal (Süd) wird seit Oktober 2025 die Betondecke eingebaut; weitere Strecken werden bei Seehausen-Nord, Wittenberge sowie zwischen Dahlenwarsleben, Wolmirstedt und Osterburg gebaut. Die lang erwartete länderübergreifende Elbbrücke bei Wittenberge ist weit fortgeschritten. VERKEHRSFREIGABEN UND ZEITPLAN Bereits heute ist ein Teil der A 14 befahrbar: Der Abschnitt Wolmirstedt–Colbitz wurde 2014 freigegeben, weitere Abschnitte bis Lüderitz folgten 2020 und 2023. Für Frühjahr/Sommer 2026 ist die Freigabe des Streckenstücks von Lüderitz bis zur Anschlussstelle Stendal (B188) geplant. Ein weiterer Meilenstein ist die Inbetriebnahme eines Abschnitts inklusive Elbbrücke bei Seehausen-Nord/Wittenberge, wobei zunächst eine Richtungsfahrbahn ab Sommer 2026 genutzt werden soll und die zweite voraussichtlich 2027 folgt. Parallel laufen bauvorbereitende Maßnahmen für den Teil von Stendal-Mitte bis Osterburg; hier soll der Autobahndamm im Speckgraben vorgeschüttet werden, um spätere Verzögerungen zu minimieren. Zudem wurden die Mittel für die beiden noch fehlenden Abschnitte Osterburg–Seehausen-Nord und Wittenberge–Karstädt vom Bund bewilligt, sie befinden sich in der Bauvorbereitung. AUSBLICK 2026 UND HERAUSFORDERUNGEN Für 2026 stehen die Fertigstellung der Betondecke zwischen Lüderitz und Stendal, der Bau der Uchtebrücke nördlich von Stendal sowie der Abschluss der Elbbrücken- und Streckenarbeiten im Fokus. Ob der geplante Gesamtabschluss bis 2030 realistisch ist, hängt maßgeblich von der Vergabe und dem Bau der letzten Abschnitte ab. AUTOBAHNZUBRINGER FÜR DEN INDUSTRIEPARK SCHWERIN Parallel zur Nordverlängerung gewinnt in Schwerin ein strategisch wichtiger Autobahnzubringer zwischen dem Industriepark Schwerin und der A 14 an Dynamik. Die Landeshauptstadt hat im November 2025 den Beschluss zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens gefasst, was den Übergang in die detaillierte Planungsphase markiert. Ziel ist eine leistungsfähige Verbindung, die den Schwerlast- und Pendlerverkehr direkt auf die Autobahn leitet und Lärm- sowie Schadstoffbelastungen in den innerstädtischen Wohngebieten reduziert. Die neue Verbindung wird als entscheidender Standortvorteil für den Industriepark gesehen, da sie die logistischen Bedingungen für ansässige Unternehmen verbessert und die Attraktivität für Neuansiedlungen steigert. Dadurch sollen Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen langfristig gesichert werden. Die Finanzierung steht auf einem soliden Fundament: Durch hohe Förderquoten von Land, Bund, Landkreis und Autobahn GmbH wird der städtische Eigenanteil geringgehalten. Im gesamten Planungsprozess wurde dem Schutz von Natur und Umwelt hohe Priorität eingeräumt. Die favorisierte Trassenführung nutzt vorhandene Infrastrukturen, um Eingriffe zu minimieren, und sieht umfangreiche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vor, darunter Aufforstungen auf dreifacher Fläche als Kompensation für Eingriffe in Waldgebiete. STAND UND AUSBLICK FÜR 2026 A 14-Nordverlängerung IHK ZU SCHWERIN Hannes Schubert 0385 5103-209 schubert@schwerin.ihk.de Bilder: Standortpolitik 7 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Die Wirtschaft in MV im Stimmungstief: Mit einem konsequenten Bürokratieabbau, klaren und schnellen Reformen sowie mit neuen Schwerpunkten in der Wirtschaftspolitik könnte das Land aus der Krise kommen, meinen der Präsident und die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, Matthias Belke und Lisa Haus, im Interview mit Torsten Roth und Gabriel Kords vom Nordkurier/Schweriner Volkszeitung. Spätestens seit einem Jahr ist allen klar, dass wir uns in einer veritablen Wirtschaftskrise befinden. Es ist viel darüber geredet worden, wie gegenzusteuern ist. Würden Sie ein knappes Jahr nach den Neuwahlen und knappes Jahr vor den nächsten Wahlen sagen, die Politik hat die Wende im Land geschafft? Matthias Belke: Nein. Es gibt ein paar zaghafte Ansätze. Gerade hat der Kanzler noch mal von einer Komplettsanierung des Hauses Deutschland gesprochen. Die Analysen sind alle richtig, aber die bisherigen Maßnahmen reichen nicht. Änderungen erfolgten nur in homöopathischen Dosen. Beispiel Industriestrom: Das Land hat nur wenige Industriebetriebe und kann davon nur wenig profitieren. Über sechs Milliarden Euro steckt der Bund überdies in die Absenkung der Netzentgelte - ein kleiner Beitrag, aber durchgreifend ist es nicht. Was wir brauchen, ist eine Absenkung der Strompreise für alle Unternehmen. Darauf wartet die ganze Republik. Es braucht spürbare Veränderungen, wie beispielsweise die Streckung der Zeiträume zur Anhebung der CO2-Steuer. Das würde die Energiekosten Strom, Gas und das Tanken senken. Es muss der Bundesregierung gelingen, Reformen durchzusetzen, die diesen Namen auch verdienen. Was muss als Nächstes passieren? Lisa Haus: Die Politik hat schon verstanden, in welcher Situation die Wirtschaft steckt. Aber es fehlt an den konkreten Umsetzungsschritten. Der Bundeskanzler hat einen Herbst der Reformen ankündigt. Das hat hohe Erwartungen in der Wirtschaft geschürt. Was bisher passiert ist, sind nur Babyschritte. Wir brauchen mehr Agilität. Beispiel Bürokratie – das kostet die deutsche Wirtschaft jährlich 64 Milliarden Euro. Das Geld ließe sich viel besser investieren! Das Thema Bürokratie ist in aller Munde, aber es wird selten konkret. Was für Regelungen müssen denn geändert werden? Matthias Belke: Nicht geändert, abgeschafft! Es braucht einen radikalen Schnitt. Wir müssen das Wagnis eingehen und sagen, es werden Verordnungen und Regelungen einmal komplett ausgesetzt. In der Debatte um den Bauturbo werden inzwischen bestimmte Regelungen hinterfragt. So braucht es für die Schaffung von Wohnraum beispielsweise mit dem Bauturbo in bestimmten Bereichen keinen B-Plan. Wenn das Wohnraumangebot in Deutschland und MV steigen soll, dann muss man dieses Instrument auch nutzen. Noch gibt es aber gerade in den Kommunen eine Reihe von Bedenkenträgern. Was heißt ‚radikaler Schritt‛? Matthias Belke: Jede zweite Regelung könnte (vermutlich) weg! Wenn wir den Bürokratieabbau nicht wirklich durchfechten, kommen wir nicht zu den grundlegenden Veränderungen, die diese Volkswirtschaft einfach braucht. Wir benötigen jede Branche, jede Beteiligung, jedes Forschungsergebnis, die diese Volkswirtschaft wieder beflügeln. Es geht um Jobs, es geht um Wertschöpfung. Die Wirtschaft fordert seit Langem ein Belastungsmoratorium für zwei, drei Jahre ohne neue Regelungen. Das verschafft den Unternehmen Luft zum Atmen. Stattdessen kommen sogar nach wie vor neue Regelungen dazu, obwohl alle von Bürokratieabbau reden! Lisa Haus: Es braucht mehr Pragmatismus und nicht ein Gutachten nach dem anderen, um am Ende ein Bauvorhaben doch abzulehnen. Das Instrument der Genehmigungsfiktion sollte noch viel konsequenter genutzt werden. Die Anforderungen an die Vorhabenträger müssen von Beginn an klar und auf das Notwendigste beschränkt werden. Zudem benötigen die Unternehmen durchgängig eine wirtschaftsfreundliche Begleitung bei komplexen unternehmerischen Vorhaben. Das bringt den Unternehmen Planungssicherheit. Der Staat muss wieder mehr Vertrauen in die Unternehmer setzen und nicht die Wirtschaft unter Generalverdacht stellen und monatlich Melde- oder Berichtspflichten abfordern. Wenn die Lage so dramatisch ist, muss die Frage erlaubt sein: Gibt es denn überhaupt noch eine Chance für die deutsche Wirtschaft? Matthias Belke: Ja, aber mit jeder Woche, die wir uns in Debatten verstricken, weniger. Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Deutschland hat die Dringlichkeit des Reform- und Transformationsbedarf viele Jahre unterschätzt. Bestes Beispiel ist aktuell die Automobilwirtschaft, aber dasselbe gilt auch für den Maschinenbau und die Chemiebranche. Lisa Haus: Wir haben einfach den Blick für das Wesentliche verloren. Wir brauchen eine langfristige Strategie, die man dann auch Schritt für Schritt umsetzt. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und eine Perspektive. Was erwarten Sie in dieser Hinsicht von Landes- und Bundesregierung? Matthias Belke: Vor allem in Berlin brauchte es mehr Akzeptanz darüber, wie tiefgreifend die notwendigen Änderungen werden müssen. Wenn ein Koalitionspartner immer sofort bei jedem Beginn eines Reformweges den Untergang des Sozialstaates Deutschland proklamiert, dann wird diese Regierung scheitern. WIRTSCHAFTSPOLITIK Es braucht einen radikalen Schnitt Jede zweite Regelung könnte (vermutlich) weg! Wenn wir den Bürokratieabbau nicht wirklich durchfechten, kommen wir nicht zu den grundlegenden Veränderungen, die diese Volkswirtschaft einfach braucht. Präsident Matthias Belke 8 Standortpolitik Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: IHK Wie schneidet die Landesregierung in MV ab? Matthias Belke: Die Wirtschaftskammern suchen den Dialog mit der rot-roten Landesregierung. Wir würden aber andere und vor allem mehr Schwerpunkte für wirtschaftliche Prosperität dieses Landes setzen. Nach 35 Jahren ist das Land an der einen oder anderen Stelle vorangekommen. Wir haben in Westmecklenburg das Glück, dass etwa die Ernährungswirtschaft gut funktioniert und stabil durch die Corona-Krise gekommen ist. Doch auch diese Branche steht vor großen Herausforderungen. Den Unternehmen machen immer mehr Regularien aus Brüssel zu schaffen, die auch von den Politikern gesteuert werden, die aus dem eigenen Land kommen. Wie hilft dabei die Europaabgeordnete aus MV, Sabrina Repp? Matthias Belke: Es ist immer sehr begrüßenswert, wenn sehr junge Menschen wie Frau Repp sich für solche großen Aufgaben bereit erklären. Doch wo sind eigentlich die Erfahrungswerte für so hochkomplexe Themen wie Land- oder Ernährungswirtschaft? Das hört sich so an, als würden Sie sich in Brüssel nicht so gut vertreten fühlen. Matthias Belke: Frau Repp ist als EU-Abgeordnete aus MV aktiv und sichtbar. Wir wünschen uns aber einen noch intensiveren Dialog mit ihr zu Wirtschaftsthemen. Was erwarten Sie vom Land? Lisa Haus: Mehr Unterstützung zur Verbesserung der Infrastruktur im Land, beim Breitbandausbau auch der Start-up-Förderung und in der Bildungspolitik. Es braucht beispielsweise eine bessere Ausstattung der berufsbildenden Schulen, mehr Digitalisierung, neue Lernkonzepte. Matthias Belke: Ein aktuelles Thema, bei dem ich nicht erkennen kann, dass die Druckpunkte für Unternehmen gesehen werden, sind die Ladenöffnungszeiten. Das aktuelle Öffnungszeitgesetz führt dazu, dass zum Beispiel in Wismar viele Sonn- und Feiertage freigegeben sind, aber an dem für den Handel so wichtigen ersten Adventssonntag nicht geöffnet werden kann. Zudem wird die neue Öffnungszeitenverordnung (vormals „Bäderregelung“) von der Gewerkschaften verdi beklagt und wir wissen nicht, wie es mittelfristig mit den erweiterten Sonn- und Feiertagsöffnungsmöglichkeiten in den touristischen Orten weitergehen wird. Das kann nicht sein. Ich glaube nicht, dass immer wieder die Notwendigkeit der Ladenöffnung auch am Sonntag erklärt werden muss. Angesichts der weiter schrumpfenden Agilität des Handels und der Bedeutung für die Vitalität der Stadtzentren haben wir die Zeit nicht mehr. Sie fordern von der Landesregierung, andere Schwerpunkte zu setzen. Vor Jahren wurde in MV das Industriekonzept auf den Weg gebracht. Wie steht es um die Umsetzung? Matthias Belke: Das ist ein wunder Punkt. Es wird viel darüber geredet. Im Ergebnis besteht die Umsetzung aber nach fünf Jahren in Treffen von zwei oder drei Workshops. Mit Verlaub, das ist zu wenig. Was muss bis zur Landtagswahl noch passieren? Matthias Belke: Sehr viel. Wir können nicht wichtige Themen, die die Wirtschaft umtreiben – wie beispielsweise die Energiepreise oder auch die Ansiedlung weiterer Unternehmen und auch großer Rechenzentren im Land – für das nächste Jahr in den Dornröschenschlaf versetzen. Die Politik hat schon verstanden, in welcher Situation die Wirtschaft steckt. Aber es fehlt an den konkreten Umsetzungsschritten. Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus Standortpolitik 9 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: Barbara Arndt Eine Frau – ein Wort! Für Katja Rumstich gilt verbindlich, was sie sagt. Diese Verlässlichkeit hat die heute 46-Jährige ein Stück weit von ihren Eltern mitbekommen. Ebenso eine Reihe von Werten, die es ihr leichter machen, das von Vater Volker im Jahr 1990 gegründete Logistikunternehmen zu führen. Denn ihr Wort wird gehört bei den rund 50 Mitarbeitenden der Volker Rumstich Transport GmbH in Parchim. Dort sind bis auf Mutter Anne in der Buchhaltung nur Männer beschäftigt. „Meine Kollegen sorgen für volle Kühlschränke und dass die vielen Pakete, die online bestellt werden, auch sicher ankommen.“ Stolz schwingt in der Stimme mit bei dieser Einschätzung: Die Chefin kann sich absolut verlassen auf das Team, welches sie manchmal auch trägt, wenn der Zettel mit den noch zu erledigenden Dingen mal wieder überlang ist. Katja Rumstich kennt ihr Unternehmen in- und auswendig – seit Kindertagen. Sie hat ganz nebenbei viele Erfahrungen gesammelt, Ausbildung und Studium absolviert und dann eine Entscheidung zugunsten des Familienbetriebes getroffen. Sie führt mit Respekt und Wertschätzung, blickt realistisch auf das, was so passiert, und zieht ihre eigenen Schlussfolgerungen. „Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung lässt nach, das spüren auch wir. Es geht für uns aber auch darum, eine gute Balance zu wahren und die Verantwortung wahrzunehmen für ja immerhin 50 Familien, die zu unseren Beschäftigten gehören“, sagt die Ehefrau und Mutter. Das Unternehmen hatte schon mal mehr Mitarbeiter: 80 waren es vor einigen Jahren. Der Fachkräfte-Mangel und die allgemeine Situation haben dazu geführt, sich neu aufzustellen. „Mit weniger geht es ruhiger, es arbeitet sich manchmal auch besser“, findet die Unternehmerin. Sie hat ganz bewusst Umsatz abgegeben, der nicht rentabel war. Sie hat lange an sich gearbeitet, um ohne schlechtes Gewissen den familiären Belangen genügend Raum zu geben. „Gerade jetzt erlebe ich einen echten Spagat zwischen Beruf und Familie. Unser Sohn hatte sich vor einigen Wochen verletzt und braucht noch Zeit, bis er wieder richtig gehen kann. Also fahre ich ihn morgens zur Schule, hole ihn nachmittags ab und schiebe dann auch noch die Physiotherapie ein.“ Katja Rumstich genießt es, sich ihre Zeit frei einteilen zu können. „Das ist tatsächlich ein Vorteil, allerdings einer, den man mental annehmen muss. Jahrelang hatte ich immer das Gefühl, dass andere denken: Die geht ja schon wieder…“ Kaum jemand nahm jedoch wahr, dass die junge Mutter als Geschäftsführende Gesellschafterin abends die Buchhaltung machte, auf dem Spielplatz telefonierte und am Monatsende die Lohnbuchhaltung mit ins Wochenende nahm. Überhaupt ist Katja Rumstich mit der Zeit an sich und den Herausforderungen gewachsen. Sie zeigt offen, wenn sie keine Lust spürt, auf Nichtigkeiten einzugehen, die zu viel Raum im Alltag nehmen. Sie fordert den gleichen Respekt ein, den sie gibt. Sie stellt sich der Diskussion, statt die eigene Meinung als unumstößlich zu präsentieren. Und: Sie engagiert sich zielgerichtet. Einige Anfragen, in der Politik mitzumischen, hat sie abgelehnt. „Es gab zu oft Enttäuschung über Dinge, die gesagt wurden von Politikern. Die stehen hier bei mir auf dem Hof, erleben hautnah mit, wo der Schuh drückt, sagen Ja. Am nächsten Morgen ist alles ganz anders. Nein, an so einem Amt habe ich kein Interesse. Mir fehlt die Verlässlichkeit.“ Stattdessen bringt sich Katja Rumstich im Ausbildungsausschuss des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung ein, als IHK-Prüferin und Mitglied im IHK-Verkehrsausschuss, im Kuratorium der Bürgerstiftung Parchim und in einigen Vereinen. „Ich weiß, was ich will und spreche klare Kante. Das möchte ich mir auf keinen Fall nehmen lassen.“ Offen für Neues, bereit, Verantwortung zu übernehmen mit Blick auf so viele Zukunftsthemen – da gibt es für die Frau, die Wort hält, genug zu tun. Barbara Arndt SPAGAT ZWISCHEN UNTERNEHMEN UND FAMILIE Starke Frauen Katja Rumstich leitet ein mittelständisches Logistikunternehmen mit Sitz in Parchim. 10 Standortpolitik Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Die Metropolregion Hamburg hat im Dezember ihren aktuellen Gewerbeflächenbericht vorgelegt. Die Daten, die bis Mitte 2024 erhoben wurden, zeigen eine sehr unterschiedliche Verteilung der verfügbaren Industrie- und Gewerbeflächen. Während Gewerbeflächen gerade im unmittelbaren Hamburger Umland knapp sind, verfügen Ludwigslust-Parchim und Schwerin zusammen über 450 Hektar freie Industrie- und Gewerbeflächen und stehen damit MRH-weit an der Spitze. Allein Schwerin bietet für Investoren mit 200 Hektar sofort verfügbaren Industrieflächen im Industriepark und gute Ansiedlungsperspektiven. Damit finden sich in Westmecklenburg beste Voraussetzungen, um ein Entwicklungsschwerpunkt der Metropolregion Hamburg zu werden. Insbesondere mit dem Bau der festen Fehmarnbeltquerung können Verkehrs- und Warenströme von Nord- nach Mittel- und Südeuropa zukünftig effektiv am Engpass Hamburg vorbeigeleitet werden und unsere Region damit für Investitionen zwischen den Metropolen Hamburg, Berlin und Stettin noch interessanter werden. Vor diesem Hintergrund stärken der Bau des neuen Autobahnzubringers in Schwerin, die Fertigstellung der A 14 sowie der Ausbau der Bahnstrecke Bad Kleinen-Lübeck die Attraktivität der Region und ihrer Gewerbeflächen. Der Bericht hebt aber auch einen zunehmenden Flächendruck für Industrie- und Gewerbegebiete insgesamt hervor, der sich nicht zuletzt durch die wachsende Nutzungskonkurrenz von Erneuerbaren Energien, Landwirtschaft und Klimaschutz immer stärker bemerkbar macht. Dies betrifft nicht nur den Bedarf an Flächen für Windkraft- und Photovoltaikanlagen, sondern auch für neue Batteriespeicher, Umspannwerke und Leitungen. Das bundesweite Ziel zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme und die entsprechenden Klimaanpassungsmaßnahmen erfordert dabei in vielen Kommunen Maßnahmen zur Innenentwicklung oder zum verstärkten Flächenrecycling, z.B. durch Brownfieldprojekte, also der Reaktivierung brachliegender Altindustrieflächen. Auch gewinnen Maßnahmen zur Flächeneffizienz und die interkommunale Zusammenarbeit (wie z.B. aktuell die Gewerbegebiete Kritzowburg-Hornstorf sowie Grevesmühlen-Upahl in Nordwestmecklenburg) zunehmend an Bedeutung. Eine vorausschauende Landes- und Regionalplanung muss diese Faktoren für die zukünftige Entwicklung berücksichtigen und entsprechende Vorsorge treffen. Mehr zum Thema sowie den Link zum Download des Gewerbeflächenberichts finden Sie auf der Website der IHK Schwerin: Informationen unter www.ihk.de/ schwerin (Dok. Nr. 6830192) METROPOLREGION HAMBURG Gewerbeflächen-Monitoring IHK ZU SCHWERIN Dr. Wolf-Rüdiger Knoll 0385 5103-208 knoll@schwerin.ihk.de Schulungen 0385 3031642 info@mv-effizient.de www.mv-effizient.de Interesse geweckt? Jetzt anrufen und beraten lassen. Kostenlos & neutral! Kostenfreie Angebote für Unternehmen in MV CO₂-Bilanzierung Unsere (Online)-Stammtische vermitteln praxisnahes Wissen zu Energieeffizienz und Förderungen, um Maßnahmen sicher zu planen und wirtschaftlich umzusetzen. “ecocockpit" erfasst Emissionen einfach und detailliert. Wir helfen bei Fragen. So gelingt der Einstieg in die CO -Bilanz. 2 Effizienz-Beratung Jeder Betrieb nutzt Energie anders. Nach einer Besichtigung vor Ort zeigen unsere Berater Ihnen Einsparpotenziale und individuelle Maßnahmen auf. Alle Informationen auf unserer Webseite! Standortpolitik 11 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Der IHK-Ausschuss Gesundheitswirtschaft tagte am 5. November 2025 bei der Bureau Veritas Consumer Products Services Germany GmbH in Schwerin. Neben dem Austausch zu aktuellen Themen der Gesundheitswirtschaft erhielten die Ausschussmitglieder Einblicke in die Arbeit eines international tätigen Prüfdienstleisters. Bei einer Unternehmensbesichtigung stellte Dr. Andreas Dumrath, Head of Business Unit Medical, die Prüflabore am Standort Schwerin vor. Bureau Veritas prüft hier neben Alltagsgegenständen auch Medizinprodukte auf ihre chemische Sicherheit, ein zentraler Beitrag zur Produktsicherheit und Gesundheitsversorgung. AUSSCHUSS UNTERSTÜTZT NEUBAUPLÄNE Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung waren die Neubaupläne des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums Schwerin – Gesundheit und Sozialwesen (RBB GeSo). Bernd Nottebaum, stellvertretender Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin, und Manuela Gabriel, Leiterin des Fachdienstes Bildung und Sport, präsentierten die Planungen für ein modernes Bildungszentrum. In der Diskussion wurde die Bedeutung einer qualifizierten Ausbildung für Gesundheitsberufe deutlich hervorgehoben. Die Neubaupläne wurden als mögliches Leuchtturmprojekt für die Gesundheitsausbildung in Westmecklenburg bewertet. Ergänzend tauschte sich der Ausschuss zu weiteren aktuellen Themen aus, darunter wirtschaftspolitische Positionen der IHK zu Schwerin, das Projekt „MedConnect zur Gewinnung internationaler Ärztinnen und Ärzte“ sowie aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Prävention, Pflege und Gesundheitsindustrie. TOURISMUSAUSSCHUSS Die letzte Sitzung des Jahres am 1. Dezember 2025 des IHK-Tourismusausschusses war von engagierten Diskussionen geprägt. Die Sitzung im DeveLUP behandelte wichtige Themen, die die Branche auch weiterhin beschäftigen werden: Der Entwurf eines Tourismusgesetzes MV, die Kurzzeitvermietung, Fragen der Sondernutzung oder die internationale Personalgewinnung wurden thematisiert. Im Vorfeld der Sitzung nahmen einige Ausschussmitglieder an der Dialogtour des Wirtschaftsministeriums zum Entwurf des Tourismusgesetzes teil. Die Bilanz dieser Veranstaltung war ernüchternd: Viele Fragen blieben unbeantwortet, und der Entwurf konnte kaum Klarheit schaffen. Diese Unklarheit in der Gesetzgebung bleibt ein zentrales Thema für die Branche. Auch die konjunkturelle Lage des Tourismusbereichs ließ Besorgnis aufkommen. Besonders die steigenden Kosten stellen eine große Herausforderung dar. Die deutschlandweite Konjunkturumfrage der IHK-Organisation zeigte im Branchenvergleich, dass gastgewerbliche Betriebe die Entwicklung der Arbeitskosten sowie Energie- und Rohstoffpreise als größere Geschäftsrisiken einstufen als viele andere Branchen. Zudem AUS DEN AUSSCHÜSSEN Gesundheitswirtschaft IHK ZU SCHWERIN Stefanie Richter 0385 5103-201 s.richter@schwerin.ihk.de 12 Standortpolitik Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
führten Fragen zur abnehmenden Beschäftigungsbereitschaft zu intensiven Diskussionen, wobei Digitalisierungslösungen wie Self-Check-ins und KI-Tools zunehmend in den Fokus rückten. Rechtliche Themen wie die Öffnungszeitenverordnung in Mecklenburg-Vorpommern und die geplante Änderung des Zweckentfremdungsgesetzes zur Kurzzeitvermietung waren ebenfalls wichtige Diskussionsthemen. Insbesondere die Frage nach fairen Wettbewerbsbedingungen zwischen privaten und gewerblichen Beherbergungsangeboten müsse gelöst werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war die restriktive Sondernutzungssatzung in Wismar. Hier wünschten sich die Mitglieder praxisorientiertere und wirtschaftsfreundlichere Lösungen, die von der Verwaltung unterstützt werden. HANDELSAUSSCHUSS Wismar, 3. Dezember 2025: Der IHK-Handelsausschuss traf sich bei der Wirtschaftsförderung in Wismar. Der Fokus lag auf bevorstehenden rechtlichen Änderungen, die den Handel betreffen, sowie regionalen Herausforderungen. Dr. Ulrike Regele, Leiterin des Referats Handel bei der DIHK, gab einen umfassenden Bericht aus Berlin. Sie erklärte, dass ab 2026 neue Aushangpflichten für Batterieentsorgung und Gewährleistungspflichten in Kraft treten. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Herausforderungen durch Drittstaatenhändler, bei denen die EUReform der Zollunion eine zentrale Rolle spielt. Dazu zählen die Einführung einer Handling Fee für Sendungen aus Drittstaaten und die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze ab 2028. Regele betonte zudem die Notwendigkeit, die Marktüberwachung zu verbessern und sprach die Evaluation des Kassengesetzes sowie die Schwierigkeiten im Fotofachhandel durch neue gesetzliche Regelungen im Passfotogeschäft in den Bürgerämtern an. Neben diesen übergeordneten Themen wurden auch regionale Entwicklungen besprochen. Die Sondernutzungsverordnung und die Sonntagsöffnung in Wismar und im Hinblick auf die Öffnungszeitenverordnung MV standen ebenso auf der Agenda wie das Tourismusgesetz MV und die Zukunft des Citymanagements in Wismar. Ein Höhepunkt war der Besuch bei Galeria Wismar, dem Karstadt-Stammhaus, bei dem Johannes Hülsmann über die Regionalisierung des Unternehmens berichtete. Er forderte die Mitglieder auf, den 4. Advent als verkaufsoffenen Sonntag zu nutzen, um den ausgefallenen ersten Adventssonntag zu kompensieren und die lokale Wirtschaft zu stärken. ABSCHIED KRISTIN JUST Im Rahmen der Sitzungen Handel und Tourismus wurde der Abschied von der IHK-Branchenbetreuerin, Kristin Just, bekannt gegeben. Sie betreute fast 13 Jahre die IHK-Ausschüsse für Gesundheitswirtschaft, Handel und Tourismus. Ihr Abschied war ein emotionaler Moment für alle Beteiligten, die ihre langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit schätzten. Bilder: IHK Standortpolitik 13 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Bild: IHK/info@paperheroes.de Viola Bortsch, Geschäftsführerin der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow GmbH, haben wir zur Zukunft der Energieversorgung in diesem Versorgungsgebiet befragt. Sie ist Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Schwerin sowie im IHK-Regionalausschuss Ludwigslust-Parchim und engagiert sich als Mentorin für Frauen. Was bedeutet der zum Ende des letzten Jahres geschlossene Wärmeliefer- und Infrastrukturvertrag mit der ALBA für die regionale Energieversorgung im Landkreis Ludwigslust-Parchim? Die Stadtwerke Ludwigslust-Grabow haben einen wichtigen Schritt zur Sicherstellung der regionalen Wärmeversorgung unternommen. Die Entscheidung, mit einer Müllverbrennungsanlage zusammenzuarbeiten, ist Teil unseres Engagements für die Daseinsvorsorge in unserer Region. Die Kooperation ermöglicht die von konventionellem Erdgas unabhängige Wärmeversorgung in Ludwigslust. Dies steht im Einklang mit dem bundesweiten Ziel, bis 2045 den Ausstieg aus Gas zu vollziehen und unseren CO2-Ausstoß signifikant zu reduzieren. Das Projekt steht im Zeichen einer starken Partnerschaft: Auf dem Gelände der Thermischen Abfall Verwertung (TAV) errichtet ALBA Nord in enger Abstimmung mit den Stadtwerken einen Wärmetauscher, über den künftig die von der TAV ausgekoppelte Wärme direkt an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow geliefert wird. Nach aktueller Planung steht die erneuerbare Wärmeenergie den Bürgern und Industriebetrieben in Ludwigslust ab dem 01.03.2028 zur Verfügung. Insgesamt ermöglicht das Projekt eine Einsparung von rund 10.400 Tonnen CO2 pro Jahr. IM INTERVIEW Voller Energie Wie stellt sich nach über einem Jahr die Bilanz mit dynamischen Stromtarifen für die Stadtwerke dar? Wird dieses Versorgungsangebot von Ihren Kunden angenommen und welche Vorteile bietet es für den Netzbetrieb? Wir haben das Jahr offensiv mit der Einführung des dynamischen Tarifes genutzt. Zum einen hat Deutschland die höchsten Strompreise der Welt. Die vielen kleinen Netzbetreiber und die hohe Anzahl der Marktakteure beleben zwar den Markt, bergen allerdings auch territoriale Unterschiede. Zum Zweiten verteuert Greenwashing, durch den Kauf von Herkunftsnachweisen, die Preise. Der Markt um die Erzeugung hat zudem eine andere Dynamik erreicht, sodass wir uns diesen Herausforderungen in Anlehnung an die Kundenbedürfnisse stellen müssen. Deshalb sehen wir die Einführung des dynamischen Tarifs, den die Stadtwerke gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz ab dem 01.01.2025 anbieten mussten, als den richtigen Schritt an. Wenn Verbraucher die günstigen Preise zu bestimmten Zeiten nutzen, können sie nicht nur ihre Energiekosten optimieren, sondern auch die Belastung des Stromnetzes zu Spitzenzeiten verringern. Besonders innovatives Kundenklientel, das eigene Energieversorgungsanlagen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie moderne Heiztechnologien (z.B. Wärmepumpen) nutzt, zeigt großes Interesse. Im gewerblichen Bereich, wo Energiekosten eine bedeutende Rolle spielen, kann der dynamische Tarif signifikante Einsparungen ermöglichen. Dies geschieht durch optimierte Nutzung von Maschinen und Ressourcen. 14 Titelthema Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim soll nicht nur Vorreiter der Energiewende sein, sondern ein attraktiver Standort für Investitionen, Lebensqualität und nachhaltigem Wachstum. Welche Rahmenbedingungen fordern Sie von der zukünftigen Politik auf Bundes- und Landesebene ein, insbesondere auch in Bezug auf das Industriepolitische Konzepte in MV? Die Zukunft des Landkreises Ludwigslust-Parchim ist eng mit dem Erfolg der Energiewende, der Schaffung eines robusten Investitionsklimas und der Förderung der Lebensqualität verbunden. Indem wir gemeinsam mit der Politik und anderen Stakeholdern an der Umsetzung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien sowie Netz- und Infrastrukturausbau, arbeiten, können wir nachhaltiges Wachstum und Wohlstand in unserer Region fördern. Um Ludwigslust-Parchim als Investitionsstandort zu stärken, fordern wir von der zukünftigen Politik auf Bundes- und Landesebene folgende Rahmenbedingungen: Sicherung der stabilen und resilienten Daseinsversorgung - Bezahlbarkeit und Finanzierbarkeit sicherstellen. Eine verlässliche, kosteneffiziente und umweltfreundliche Energieversorgung ist entscheidend. Für die Medien Strom, Gas, Wasser und Wärme sind die zentralen Herausforderungen zur Durchführung der Transformation zur Klimaneutralität identifiziert. Die Anforderungen an Investitionen und Transformation der Infrastruktur sind bei allen Medien gleich hoch. Ohne weiterführende Anpassungen des Ordnungsrahmens wird es nur schwer gelingen, Transformation, Bezahlbarkeit und Finanzierbarkeit in Einklang zu bringen. Förderung von Innovationen: Wir bitten um die Etablierung von Förderprogrammen für innovative, nachhaltige Technologien und Digitalisierung. Diese sollten sowohl Forschung und Entwicklung unterstützen als auch die Implementierung in der Industrie vorantreiben. Klare Rahmenbedingungen für Netzbetreiber - Massive regulatorische und finanzielle Unsicherheit bei Infrastrukturentwicklung: Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist essenziell. Wir fordern Investitionen in Verkehrs- und Kommunikationssysteme, um die Erreichbarkeit unserer Region zu verbessern. Es ist es entscheidend, frühzeitig belastbare Finanzierungsstrategien zu entwickeln, zu verbessern und alternative Finanzierungsformen aktiv zu prüfen. Auch wir sehen die hohen Investitionsvolumina für Strom-, Gas- und Wärmenetze bis weit in die 2030er Jahre, welche zunehmend die Finanzierungsfähigkeit vieler kommunaler Unternehmen überfordert. Lebensqualität und nachhaltiges Wachstum: Der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität sind für die Ansiedlung neuer Unternehmen sowie „Startups“ wichtig. Grüner Wohnraum: Mit einhergehenden Klimaveränderungen sollte die Politik Initiativen ergreifen, um Wohnraum zu schaffen, der ökologischen Standards entspricht und gleichzeitig den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Bildung und Fachkräfte: Wir müssen dringend das Bildungssystem stärken und gezielte Weiterbildungsangebote schaffen, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Dies gelingt aber nicht nur mit der Schaffung eines Praxislerntages, wenn dieser allein in die Hände der Unternehmen gelegt wird, ohne Wertausgleich. Und zum Schluss sollte das industriepolitische Konzept für Mecklenburg-Vorpommern klare Ziele verfolgen. Wir benötigen Anreize für Unternehmen, sich in verschiedenen Branchen anzusiedeln, um die Abhängigkeit von einzelnen Industriezweigen zu reduzieren. Für die Umsetzung der Investitionen braucht es Rückhalt – durch öffentliche Sicherheitsleistungen und gezielte Förderprogramme. Fühlen Sie sich als Energieversorger hierbei ausreichend unterstützt? Als Versorgungsunternehmen erkennen wir die grundlegende Unterstützung durch den Landkreis, die Städte und den Bund an. Die bereitgestellten Mittel und Rahmenbedingungen für die praktische Umsetzung unserer Projekte reichen nicht aus. Besonders in Anbetracht der aktuellen Herausforderungen benötigen wir einen stärkeren finanziellen Rückhalt, um die angestrebten Investitionen in Wärmeversorgung und Strominfrastruktur erfolgreich realisieren zu können. Zu den spezifischen Bereichen: 1. Öffentliche Sicherheitsleistungen: Die anstehenden Investitionen erfordern gezielte Förderungen. 2. Verlässliche Förderstrukturen: Die Schaffung klarer Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten, um Projekte effizient umsetzen zu können. 3. Klar definierte Finanzierungsverantwortung: Eine transparente Aufteilung der Verantwortlichkeiten hilft uns, Risiken besser zu managen und unsere Aufgaben effektiv zu erfüllen. Die Energie- und Wärmewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Städte und Stadtwerke leisten ihren Beitrag, können die finanziellen Risiken jedoch nicht allein tragen. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Start des sogenannten Deutschlandfonds Zum Abschluss noch ein Blick auf das aktuelle Weltgeschehen. Rücken nicht gerade die geopolitischen Verwerfungen mehr Unabhängigkeit bei Energie und Rohstoffen und mehr Resilienz in der Versorgung in den Vordergrund und damit auch der eingeschlagene Weg und das Geschäftsmodell der Stadtwerke? Wir sehen die Notwendigkeit, unsere Versorgungsstrukturen resilienter zu gestalten, um auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren zu können. Wir setzen auf Kooperationen mit lokalen und regionalen Partnern, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. In einer zunehmend digitalen Welt müssen wir sicherstellen, dass unsere Systeme robust und geschützt sind, um unseren Kunden und Partnern Vertrauen bieten zu können. Vielen Dank für das Gespräch! Titelthema 15 Wirtschaftskompass 01 | 02 | 2026
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