Mehr und mehr Frauen und Männer haben Probleme, ihren Alltag zu gestalten. Oft stehen sie allein da und kommen gar nicht mehr zurecht. Sabine Diehl kennt sogenannte multikomplexe Unterstützungsbedarfe nur zu gut: Zusammen mit Geschäftspartner Michael Pogodda hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, mit ihrem Team Hilfe zu leisten und Begleitung zu ermöglichen. In verschiedenen Leistungsangeboten, unter anderem einer Tagesgruppe. „Unsere Leistungen ziehen sich durch alle Schichten der Gesellschaft und umfassen alle Altersgruppen“, sagt die Chefin von 25 Mitarbeitenden. Es geht immer darum, volljährige Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen sowie körperlicher oder seelischer Beeinträchtigung zu befähigen, den Alltag zu bewältigen. Schritt für Schritt. Es geht um den Erhalt von Unabhängigkeit. Es geht immer auch um das Gefühl, jemand zu sein, der etwas kann, der Kompetenzen entwickelt und Isolation überwindet. „Für uns bedeutet das, neue Wege zu beschreiten. Mit den Menschen, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, aber vor allem auch mit uns selbst.“ HERAUSFORDERUNGEN SIND DAS, WAS SPASS MACHT Sabine Diehl meint das ganz ernst. Für sie gibt es keine Probleme, sondern nur Aufgaben, die es zu lösen gilt. „Das möchte ich bis an mein Lebensende tun. Davon kann es einfach nicht genug geben“, sagt sie und freut sich auf die nächsten Herausforderungen. Die hat die 49-Jährige immer gesucht. Die gelernte Rechtsanwaltsangestellte aus Laage studierte Soziale Arbeit in Neubrandenburg. Sie vervollständigte ihre Fähigkeiten in der praktischen Arbeit bei zwei Trägern und entschied sich dann für die Selbstständigkeit. Als gerichtlich bestellte Betreuerin gelang es ihr, beide Berufe zu vereinen, vor allem aber ihrem Anspruch gerecht zu werden, Menschen zu helfen. Solchen, die aus verschiedenen Gründen nicht gesehen werden, von denen sich Angehörige abwenden, die ihre Rechte nicht eigenständig wahrnehmen können. Sie wirbelte für rund 50 Frauen und Männer oft im Hintergrund, stellte unzählige Anträge und agierte als Ratgeberin. „Ich musste da irgendwann raus, selbst ins Handeln kommen und wollte schließlich ein Unternehmen in der Eingliederungshilfe gründen.“ EINE GRÜNDUNG WILL WOHL ÜBERLEGT SEIN Doch wie das manchmal so ist: Zum Loslegen fehlte ein Partner. Es folgte eine Phase im Angestelltenverhältnis mit wachsendem Handlungsdruck, um endlich die eigenen Ideen umzusetzen. „Warten und Geduld haben, bis ein perfektes Match gelingt – das gehört dazu. Eine solide Vorbereitung der Unternehmensgründung sowieso“, blickt Sabine Diehl zurück. Sie hat ganz lange ihre Vision in sich getragen - das habe sie stark gemacht. „Das enge Miteinander im Unternehmen basiert auf großem Vertrauen.“ Ihr jetziger Geschäftspartner brachte die gleiche Vision mit. Seit 2022 ergänzen sich Michael Pogodda und Sabine Diehl einfach sehr, sehr gut. „Er ist betriebswirtschaftlich unterwegs, ich kümmere mich um praktische Dinge und Personal. Wir schmieden gemeinsam Pläne, checken die Plausibilität. Und dann legen wir los… Wir wachsen als Unternehmen und – sehr spannend – als Persönlichkeiten!“ Und das mit dem besten Team der Welt, in dem es kaum Fluktuation und gefühlt keine Hierarchien gibt, welches beim IHK-Firmenlauf zusammenkommt oder beim Grillen. WERTE HELFEN, DAS UNTERNEHMEN ZU ENTWICKELN „Für das, was wir tun, stehen wir nicht nur mit unserem Namen. Wir stehen als Person dahinter.“ Sabine Diehl fordert das Engagement für den Sozialstaat ein. Der Kostendruck ist spürbar, die Sozialleistungen laufen nahezu aus dem Ruder. Vor Einsparungen hat sie keine Angst. „Wir sind für Leistungsberechtigte tätig. Die Leute müssen versorgt werden. Wenn wir das nicht tun, macht es keiner – mit ungeahnten Konsequenzen: Die Folgekosten fallen gravierender aus. Auch an dieser Stelle übernehmen wir Verantwortung.“ Das zahlt sich aus. Ebenso wie vollstes Vertrauen für die eigenen 25 Fachkräfte, die selbstständig in den Leistungsangeboten arbeiten. Jeder wird ernst genommen, die Tür steht immer offen. „Hinweise, die uns weiterbringen, sind willkommen.“ Dieser Führungsstil funktioniert. Nach der Gründung 2022 mit Assistenzleistungen in Eingliederungshilfe kam 2023 die Tagesgruppe für Menschen mit Alkoholerkrankung dazu. Zwei Jahre später nahm das Unternehmen die Alltagsbegleitung nach SGB XI auf, weil Bedarfe nicht mehr zu übersehen waren. Aktuell steht der Ankauf des Firmensitzes bevor, an dem teilweise neu gebaut und eine Tagespflege errichtet werden soll. Im Nachbarort Warin entstehen vier Apartments, in die Leistungsberechtigte einziehen können. „Stillstand ist keine Option!“ sagt Sabine Diehl voller Energie und hat garantiert die nächsten Ideen im Kopf. Barbara Arndt Bild: IHK/info@paperheroes.de Titelthema 17 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
RkJQdWJsaXNoZXIy MTkyOTU0Ng==