IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 05/06 2026

mengen reduzieren sich stark insbesondere der Energiewirtschaft und Industrie. Parallel dazu steigen die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende erheblich. Dr. Bolay zeigte, dass sich diese Kosten direkt und indirekt auf Unternehmen auswirken – etwa durch höhere Netzentgelte, Investitionskosten oder teurere Vorprodukte. Exemplarische Modellierungen prognostizieren teils drastische Anstiege bei Strom- und Gasnetzentgelten bis 2045. Prognosen zeigen, dass fossile Energien weltweit auch 2050 noch eine große Rolle spielen werden. Geopolitische Risiken, wie die aktuelle Sperrung der Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des globalen Öl- und LNG-Handels läuft, bleiben bestehen. Daher ist es bedeutsam, den Ausbau und die Nutzung der erneuerbaren Energien voranzubringen, ohne allerdings die Marktteilnehmer zu überfordern.  PREISDECKEL UND INTERNATIONALE KOOPERATION Zentrale Stellschrauben für ein funktionierendes Energiesystem bietet die internationale Harmonisierung des Emissionshandels, Nutzung von CCS/CCU und internationalen Zertifikaten als Preisdeckel sowie technologieoffene Ansätze und flexible Budgets. Diese Maßnahmen könnten laut Modellierungen erhebliche Einsparungen ermöglichen – bis zu über einer Billion Euro im Energiesystem bis 2049.  PODIUMSDISKUSSION MIT DEN ENERGIEPOLITISCHEN SPRECHERN DER FRAKTIONEN In der von IHK-Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus moderierten Podiumsdiskussion zeigte sich, dass trotz deutlicher Unterschiede die Notwendigkeit langfristiger Planung, der hohe Investitionsbedarf und die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen wesentliche Faktoren sind. Christian Winter (SPD) betonte die Bedeutung von Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Hohe Energiepreise seien eine Folge fossiler Abhängigkeiten; CO₂ Preise müssten berechenbar steigen. Dr. Sebastian Bolay (DIHK) sprach von einem langen Transformationsweg und warnte vor Überregulierung. Infrastruktur solle gezielt ausgebaut werden. Die Energiewende sei auch eine soziale Frage. Kernenergie sei zu teuer und ohne Subventionen nicht tragfähig. Gaskraftwerke seien ein regulierter Bereich, jedoch kein Markt. Wolfgang Waldmüller (CDU) forderte mehr Tempo und bessere Abstimmung. Er verwies auf hohe Systemkosten und die Bedeutung der Versorgung von Industriestandorten wie Schwedt. Elke-Annette Schmidt (DIE LINKE) kritisierte die Gasabhängigkeit und plädierte für langfristige, stabile Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien und Wasserstoff. Harald Terpe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sprach sich für Klimageld, CO₂ Preise und klare Anreizstrukturen aus. Kurzfristige und langfristige Maßnahmen müssten getrennt betrachtet werden; Versäumnisse etwa bei der E Mobilität seien sichtbar. Petra Federau (AfD) forderte Technologieoffenheit, kritisierte steigende Energiepreise und lehnte Klimaneutralität 2045 ab. Sie plädierte für Diversifizierung und eine Neubewertung der Sanktionspolitik. Dr. Steffen Steneberg (BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Landesgruppe Norddeutschland) hob hervor, dass aus der Krise positive Impulse entstehen könnten. Er plädierte für überparteilichen Konsens und nachhaltige Lösungen statt Preisbremsen. Der Neuaufbau sei teuer, falle aber nur einmal an. Existenzgründung & Unternehmensförderung  27 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026

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