IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 07/08 2026

Einer macht freiwillig Überstunden, die andere kommt mit Work-Life-Balance um die Ecke. Jemand schuftet bis (fast) zum Umfallen, der der Nächste pocht auf mentale Gesundheit und enge Grenzen, damit diese erhalten bleibt. Gerechtigkeit fordern beide Seiten ein. Zuweilen verstehen sie sich aber nicht: Unterschiedliche Herangehensweisen, ein anderer Wortschatz, viel Interpretationsspielraum zu gleichen Themen. Der Spagat zwischen den Generationen in den Unternehmen war nie so groß wie heute. Und genau deshalb gab es einen super spannenden Workshop unter dem Motto „Generationenmix - Konflikt oder Erfolgsfaktor? – Warum Erfahrung und frischer Wind gemeinsam Zukunft schaffen“. Mehr als 50 Teilnehmende kamen dazu im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur Schwerin zusammen. Erstmals agieren fünf (!) Altersgruppen in der Arbeitswelt. Da sind die sogenannten Babyboomer (Jahrgänge 1946 bis 1964), von denen zumindest die 1960erGeborenen noch im Beruf stehen können. Es folgen die Generationen X (1965 bis 1980), Y (1981 bis 1995) und Z (1996 bis 2010). Und von der Gen Alpha (2011 bis 2024) beginnen die Ersten jetzt mit ihrer Ausbildung. Jede diese Altersgruppen steht für eigene Werte, Ideen und Lebensrealitäten, betonte Nicole Schmutte in ihrer Keynote. Sie leitet beim Norddeutschen Rundfunk den Bereich Gleichstellung und Diversity und weiß, dass bei diesen unterschiedlichen Ansichten mächtig was aufeinanderprallen kann. Zu den Aspekten mit gehörigem Konfliktpotenzial zählen divergierende Meinungen zu Arbeitsmoral und Einsatz, Karriereverständnis, Hierarchie und Respekt sowie zum Kommunikationsstil. Diese Schlüsselfaktoren können bei dem enormen Veränderungsdruck (Digitalisierung, FK-Mangel, wirtschaftliche und politische Unsicherheit sowie demographischer Wandel) für Spannungen und Reibungen sorgen. Immerhin 23 Prozent der Beschäftigten aller Altersklassen erlebt den Generationenmix als Konflikt laut Erhebungen des DAK-Gesundheitsreports. Bei den unter 30-Jährigen sind es mit 28 Prozent sogar noch mehr. Wie es gelingt, Brücken zwischen den verschiedenen Altersgruppen zu bauen, diskutierten die Teilnehmenden in vier Gesprächsrunden. Fakt ist: Ein Großteil der Unternehmen haben Fachkräftebedarfe. Die DIHK spricht sogar davon, dass knapp die Hälfte aller Unternehmen Stellen längerfristig nicht besetzen können. Jung und Alt, ein Mix der Generationen – es geht gar nicht anders als Miteinander. Oftmals auch, weil wertvolle Erfahrungen zur Tätigkeit bewahrt werden müssen (Wissenstransfer). Die „Vier Ecken“ trugen Anregungen zusammen: Von Prozessbeschreibungen bis Town-Hall-Meetings, von Dokumentation bis Wissensdatenbank, von Offenheit bis Neugier auf andere Lebensmodelle. Grundlage für ein gelingendes Miteinander ist ein wertschätzender von Respekt getragener Umgang. Gegenseitige Unterstützung ist gefragt, das Geben von Chancen, das Abbauen von Vorurteilen. Und es braucht Geduld. Die Veranstaltung zum „Generationenmix“ verlief ausgesprochen zugewandt. Nur selten zeigte sich, was in der  VON BABYBOOMER ÜBER X, Y, Z BIS ZU GEN ALPHA Brücken bauen zwischen den Generationen Partner am Arbeitsmarkt diskutieren Spagat zwischen Boomern und GenZ: Wissenstransfer, Konfliktminimierung und motivierendes Arbeitsklima stehen für notwendige Veränderungen Bilder: Barbara Arndt 22  Standortpolitik Wirtschaftskompass 07 | 08 | 2026

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