Welch immense Entwicklung ein knappes Jahrhundert umfassen kann, lässt sich am Familienunternehmen Lehmkuhl aus Schwerin in besonderer Weise nachvollziehen. Der Großvater der heutigen Prokuristin Susanne Rakel (51), Günther Lehmkuhl, war in Schwerin als Fuhrunternehmer tätig. Er baute 1945 auf seinem vom Bombenangriff völlig zerstörten Grundstück in der Wallstraße in Schwerin ein Pferdefuhr- und LkwUnternehmen auf. Es wurden Kutschfahrten für Hochzeiten und Stadtrundfahrten angeboten. Ein Taxibetrieb kam Hinzu kam später hinzu. Bis zur Wende sorgten Günther Lehmkuhl und die Eltern von Susanne Rakel für den Fortbestand des privat geführten Betriebes und für eine zukunftsfähige Basis, die beim Hineinfinden in die über Nacht neue Wirtschaftsform sehr dienlich war. Schon bald nach dem Mauerfall läutete ein privater Kontakt zu einem Verlag eine ganz neue Ära ein: Die Eltern von Susanne Rakel wurden quasi über Nacht zu Medienspediteuren, die in ganz Deutschland Grossisten und Bahnhofsbuchhandlungen mit Romanen belieferten. 600.000 Exemplare wurden in SchwerinSüd, wo sich der Betrieb 1996 ansiedelte, gebunden, geheftet, kommissioniert und verladen. Fast 50 Beschäftigte zählten in dieser Zeit zum Betrieb. Durch die Entscheidung des Verlages, die Produktion und den Vertrieb der Romane einzustellen, musste plötzlich auch das eigene Geschäftsmodell umgestellt werden. „Wir etablierten ein eigenes Mediengeschäft, suchten nach Aufträgen und mussten dennoch irgendwann anfangen, unsere Leute zu vermitteln.“ Ein harter Einschnitt für den Familienbetrieb! „Seither betreiben wir nur noch das Speditionsgeschäft und die Lagerei“, sagt Susanne Rakel. Das Wir in ihrer Aussage schließt ihre Eltern mit ein, die als erfahrene Ratgeber unerlässlich sind. Die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin, die zudem in Mediation und als systemischer Coach erfahren ist, kehrt dem Fahrbetrieb nicht den Rücken zu angesichts hoher Dieselpreise oder Anschaffungskosten. Auch der allgemeine Druck durch den Fachkräftemangel wirft Susanne Rakel nicht aus der Bahn. „Na klar: Der Markt ist unsicher, das Geschäft gehört zu den schweren. Doch ich bin davon überzeugt, dass es immer Logistik und damit Lkw geben wird. Meine Vorstellung davon hat allerdings schon etwas damit zu tun, endlich mal den Schalter umzulegen und auf kleinere Verkehre im Umkreis von 100 bis 200 Kilometern zu setzen. Das würde dann auch zur Verringerung eines ökologischen Fußabdrucks beitragen.“ Dennoch: Das Geschäft läuft mit vielen Transporten im Norden Deutschlands. Branchenspezifische Komplettladungen machen einen gehörigen Teil der Aufträge für den modernen Fuhrpark aus. Susanne Rakel hat in Zeiten rasanter Veränderungen viele Ideen. Sie schwärmt von regionalen Marktplätzen mit vielen Anbietern. Sie sucht nach kreativen Ideen, um auch frei gewordene Flächen auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände oder in der 4.500 Quadratmeter großen Halle mit neuem Leben zu füllen. „Ich denke da an so etwas wie Mietflächen für Start-ups. Wenn es gewünscht ist, bringe ich gern mein Knowhow als Unternehmerin ein. Mich reizt es, die Welt im Wandel mit zu gestalten!“ Als Mutter einer erwachsenen Tochter blickt Susanne Rakel nicht nur auf die junge Generation. Ihre Diplomarbeit thematisierte die Vorteile des älteren Personalvermögens aus betrieblicher und gesellschaftlicher Sicht. Sie weiß also nur zu gut, wie wertvoll der Generationenmix ist. Das war vielleicht mit ein Grund, warum in der Spedition Lehmkuhl GmbH & Co. KG schon vor zehn Jahren der Wechsel ganz geräuschlos verlief. Barbara Arndt SPEDITEURIN SUSANNE RAKEL BIETET START-UPS UNTERSTÜTZUNG AN Welt im Wandel ruft nach neuen Ideen Susanne Rakel, Spedition Lehmkuhl GmbH & Co. KG Bild: IHK/info@paperheroes.de 24 Titelthema Wirtschaftskompass 07 | 08 | 2026
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