Bilder: „… die Verbindung fällt aus!“ Das Ziel der zehnmonatigen Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin sollte ein sichtbarer Beleg dafür sein, dass Deutschland seine Infrastruktur wieder im Griff hat. Nur wenige Wochen nach der Wiedereröffnung zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Ausfälle, Verspätungen und Störungen prägen weiterhin den Alltag. „… die Verbindung fällt aus!“ Täglich kommt es zu Zugausfällen und erheblichen Verspätungen in beide Richtungen. Anschlüsse werden verpasst, Reiseketten brechen auseinander, Planbarkeit geht verloren. Was als modernisierte Hauptachse gedacht war, wirkt im Betrieb weiterhin wie ein System im Dauerstress statt im stabilen Regelbetrieb. Besonders irritierend bleibt, dass selbst grundlegende Stabilität im Betrieb weiterhin nicht gegeben ist. Wenn nach ersten stärkeren Wetterlagen erneut Oberleitungen ausfallen oder Strecken blockiert werden, entsteht der Eindruck, dass die Widerstandsfähigkeit bei der Sanierung nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Infrastruktur muss nicht nur modern, sondern auch belastbar sein. Hinzu kommen Mängel an wichtigen Bahnhöfen und Knotenpunkten: Defekte Aufzüge, nicht funktionierende Sanitäranlagen - das sind keine Randthemen, sondern Teil der täglichen Realität eines Verkehrsträgers mit zentraler Bedeutung für die Wirtschaft. Für Unternehmen und Beschäftigte ist das mehr als ein operatives Ärgernis. Verlässliche Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für Lieferketten, Arbeitswege und Investitionsentscheidungen. Wo sie fehlt, entsteht schleichend Vertrauensverlust – mit spürbaren Folgen für den Standort. Gleichzeitig steht die Schiene vor einem möglichen strukturellen Wandel: Neue Anbieter wollen in den Fernverkehrsmarkt eintreten. Mehr Wettbewerb kann ein wichtiger Impuls sein – für bessere Angebote und mehr Dynamik. Entscheidend ist, dass daraus kein Rückzug aus der Fläche oder eine Ausdünnung des Angebots entsteht. Gerade deshalb ist die Reaktion der Deutschen Bahn genau zu beobachten. Erste Signale, weniger rentable Verbindungen infrage zu stellen, sind kritisch zu sehen. Die Politik ist gefordert, klare Leitplanken zu setzen: Ein funktionierendes Fernverkehrsnetz ist Teil der Daseinsvorsorge. Und doch gibt es einen wichtigen Lichtblick: Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist ein klares Signal gesetzt worden. Erstmals wird anerkannt, dass Infrastruktur Grundlage wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ist. Der Fortschritt liegt in der Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren – ein zentraler Hebel, den die Wirtschaft seit langem fordert. Entscheidend wird nun sein, dass diesem Anspruch konsequentes Handeln folgt. Deutschland braucht keine neuen Erkenntnisse über die Bedeutung der Infrastruktur mehr, sondern sichtbare Fortschritte in der Umsetzung. Die Strecke Hamburg–Berlin zeigt exemplarisch, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität noch ist. Gerade deshalb ist das Gesetz kein Endpunkt, sondern ein Anfang – mit der klaren Erwartung, dass es jetzt spürbar vorangeht. Matthias Belke Präsident der IHK zu Schwerin Mit dem InfrastrukturZukunftsgesetz ist ein klares Signal gesetzt worden. Erstmals wird anerkannt, dass Infrastruktur Grundlage wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ist. Rubrik 1 Bild: info@paperheroes.de IHK Direkt 0385 5103 111 Der schnelle Weg zur IHK. Editorial Wirtschaftskompass 07 | 08 | 2026
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