IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 03/04 2026

Bilder: Pixabay Pexels Naturbezogene Chancen und Risiken spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Dies gilt für die Konditionen bei der Kreditvergabe ebenso, wie bei Anforderungen, die sich aus einer Lieferkette ergeben. Zukunft mit Ökowertpapieren Nicht jedes Unternehmen kann und möchte selbst umfangreiche und aufwändige Umweltprojekte selbst umsetzen. „Ökowertpapiere“ aus Mecklenburg-Vorpommern können hier unterstützen. Sie stehen für berichtsfähige Umweltmaßnahmen, ohne dass Unternehmen selbst eigene Messsysteme oder komplexe Methodiken entwickeln müssen. Es geht nicht um Kompensation, sondern um freiwillige, zusätzliche Umwelt- und Klimaschutzbeiträge. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin war im Gespräch dazu mit Dr. Thorsten Permien vom Kompetenzzentrum Ökowertpapiere:  Dr. Permien, viele Unternehmen hören zum ersten Mal vom VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs). Warum ist dieser Standard aus Ihrer Sicht so relevant? Der VSME ist für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein echter Durchbruch. Er bietet erstmals einen freiwilligen, schlanken und praxisnahen Rahmen, um Nachhaltigkeitsleistungen strukturiert darzustellen und zu berichten. Wie im Dokument beschrieben, ist er „ein einfacher Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung“ und ersetzt viele individuelle Fragebögen, die KMU bisher ausfüllen mussten. Für Unternehmen, die nicht unter die Corporate Sustainabilty Reporting Directive (CSRD) fallen, ist das eine große Entlastung – und gleichzeitig eine Chance, sich professionell gegenüber Banken und Geschäftspartnern zu positionieren.  Sie haben die „Ökowertpapiere“ in MecklenburgVorpommern mitentwickelt. Wie passen diese Instrumente in die Logik des VSME? Sehr gut – und zwar besser, als viele denken. „Ökowertpapiere“ sind konkrete, klar definierte Umweltmaßnahmen, etwa im Bereich der Erstaufforstung (Waldaktie), der Moorwiedervernässung (MoorFutures), der Anlage von Hecken (HeckenScheck) und der Anlage bzw. der Pflege von Streuobstwiesen (Streuobstgenussschein). Sie lassen sich den VSME-Themenfelder zuordnen. Die „Ökowertpapiere“ stehen für finanzielle Beiträge zu klar definierten Umweltprojekten – etwa Moorrenaturierung oder Aufforstung. Genau das braucht ein KMU, das Umweltleistungen berichten möchte, aber keine eigene komplexe Messinfrastruktur hat. Um Missverständnissen vorzubeugen möchte ich klarstellen, dass es sich bei den „Ökowertpapieren“ nicht um Wertpapiere im klassischen Sinne handelt.  Welche Vorteile haben Unternehmen, wenn sie „Ökowertpapiere“ im Rahmen ihres VSMEBerichts nutzen? Der größte Vorteil ist: Sie können sofort berichten. „Ökowertpapiere“ liefern klare, nachvollziehbare Inhalte für die Bereiche Klimaschutz, Biodiversität und regionale Ökosystemleistungen. Sie lassen sich vielfach konkret mit quantitativen und qualitativen Daten belegen und sind „VSME-kompatibel“, auch wenn nicht alles quantifizierbar ist. Das macht sie zu einem idealen Baustein für KMU, die ein glaubwürdiges Umweltkapitel erstellen wollen.  Viele Unternehmen haben Angst vor Greenwashing-Vorwürfen. Wie stellen „Ökowertpapiere“ hier Sicherheit her? Indem sie ehrlich und transparent sind. „Ökowertpapiere“ sind keine Kompensation, sondern freiwillige Zusatzleistungen. Sie ersetzen keine unternehmensinternen Maßnahmen zur Reduzierung von Umweltwirkungen wie etwa der Treibhausgasemission, sondern ergänzen diese. Diese klare Abgrenzung ist ein großer Vorteil – gerade für Branchen, die sensibel auf AuditRisiken reagieren.  Welche Branchen profitieren besonders von der Kombination aus VSME und „Ökowertpapieren“? Vor allem jene, die wenig eigene Umweltkennzahlen haben, aber trotzdem berichten wollen oder sogar müssen – etwa IT, Beratung, Agenturen oder Ingenieurbüros. “Ökowertpapiere“ sind perfekt für KMU ohne große eigene Umweltwirkung. Sie ermöglichen ein vollständiges Umweltkapitel im VSME ohne eigene Umweltmessung. Aber auch Tourismus, Handwerk oder Immobilien profitieren stark, weil sie regionale Wirkung zeigen können.  Wie könnte eine zukünftige Vermarktungsstrategie aussehen, die VSME und „Ökowertpapiere“ zusammenbringt? Ich sehe großes Potenzial in einer „VSME-ready“- Positionierung. Jedes „Ökowertpapier“ könnte eine kurze Steckkarte bekommen: VSME-Thema, Wirkung, Kennzahl, Textbaustein. Das kann für kleine und mittelständische Unternehmen sehr interessant sein. Dazu kommen branchenspezifische Pakete, Kooperationen mit Banken oder Wirtschaftskammern und eine klare Kommunikation: „Ökowertpapiere“ sind sofort berichtsfähige Umweltmaßnahmen – regional, glaubwürdig und standardisiert. Dabei geht es weniger darum, mit den „Ökowertpapieren“ fertige Textbausteine zu liefern. Vielmehr bilden die „verbrieften Ökosystemleistungen“ die Basis für eine solide Berichterstattung. KOMPETENZZENTRUM ÖKOWERTPAPIERE – ZUKUNFT DURCH NATURBASIERTE LÖSUNGEN Dr. Thorsten Permien  0385-588 16270 t.permien@lm.mv-regierung.de www.z-eco.de Existenzgründung & Unternehmensförderung  29 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026

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