Magazin der IHK zu Schwerin 03 | 04 | 2026 EIN WERKZEUG FÜR ALLE KI Anna Rüde KI Strategie Expertin JUMPIN – Mit Anlauf in den Ausbildungsbetrieb 18 Risiken im China-Geschäft 34 Cyberrisiken erkennen und handeln 40 WIKO Wirtschaftskompass Westmecklenburg
Bilder: Rubrik 1 Spritpreise fressen Wirtschaft auf Bild: info@paperheroes.de IHK Direkt 0385 5103 111 Der schnelle Weg zur IHK. Die Preise an den Tanksäulen sorgen für eine Mischung aus Unverständnis, Wut und Ohnmacht. Bis in die 2,30er Euro für den Liter Diesel: Wahnsinn! Für viele Unternehmen stellt dies eine weitere schwere Belastung dar, denn ohne Mobilität geht bei den meisten kaum etwas. Jegliche Art von Waren müssen zum großen Teil über die Straße geliefert werden. Geschäftskunden nutzen häufig das Auto. Aber nicht nur an den Tanksäulen zeigen sich die Probleme für die Wirtschaft. Das kunststoffverarbeitende Gewerbe erfährt gerade einen immensen Preisschock. Bis zu 40 Prozent mehr weist der Kunststoffindex mittlerweile aus. Diese Tatsache trifft die Branche hart und stellt ihre Wettbewerbsfähigkeit in Frage. Bis vor wenigen Wochen kostete der Liter Diesel an den deutschen Tankstellen noch um die 1,70 Euro. Jetzt also 60 Cent mehr. Das ist eine Preissteigerung von 35 Prozent innerhalb von drei Wochen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Besteuerung eines Liters Diesel einen erheblichen Teil dieses Preises ausmacht. 90 bis 95 Cent je Liter Diesel fließen durch die CO2- und Energiesteuer sowie durch die Mehrwertsteuer in die Staatskasse. So mutiert der Preisanstieg quasi zum Konjunkturprogramm für den Staatshaushalt! Ja, natürlich ist allen bewusst, dass es im Nahen Osten einen schwerwiegenden Konflikt gibt. Öl und dessen Transportwege werden als effiziente Waffen eingesetzt, die schwere Auswirkungen auf den gesamten Weltmarkt haben. Trotzdem oder gerade deswegen muss es erlaubt sein, diese Preispolitik zu hinterfragen. Hier geht es nicht nur um die üblichen Marktmechanismen, sondern um den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Spätestens nach der Befragung der Vertreter der Mineralölkonzerne durch die Bundesregierung, die nicht in der Lage waren, ihre Preisgestaltung hinreichend zu erklären, muss die Bundesregierung jetzt handeln! Die IHK zu Schwerin hat bereits sehr frühzeitig entsprechende Forderungen an die Landes- und Bundespolitik kommuniziert und empfohlen, dass der Staat in einer geopolitisch angespannten Lage kurzfristig gegensteuern muss. Eine temporäre Aussetzung der CO2 -Abgabe und eine befristete Senkung der Mineralölsteuer auf Kraftstoffe sind schnell umsetzbare Maßnahmen, die unmittelbar bei den Unternehmen ankommen. Mobilität darf gerade in Krisenzeiten nicht zum Luxus werden. Deshalb braucht es jetzt entschlossenes und zügiges Handeln, um die Wirtschaft wirksam zu entlasten. Der Blick in benachbarte Staaten zeigt, dass hier bereits gehandelt wird. Ein wichtiges Argument dafür, auch für die deutsche Wirtschaft gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Ob die nun beschlossenen Maßnahmen dabei ausreichen, muss die Praxis zeigen. Den Tankstellen maximal eine einmalige Erhöhung des Preises am Tag zu erlauben und den Mineralölkonzernen mit kartellrechtlichen Schritten zu drohen, wird nach Auffassung vieler Experten voraussichtlich nicht zu sinkenden Preisen führen. Die Politik muss also sehr genau diese Entwicklung verfolgen und umgehend reagieren. Es geht um nicht weniger als den Erhalt von tausenden Unternehmen und Arbeitsplätzen. Matthias Belke Präsident der IHK zu Schwerin Mobilität darf gerade in Krisenzeiten nicht zum Luxus werden. Deshalb braucht es jetzt entschlossenes und zügiges Handeln, um die Wirtschaft wirksam zu entlasten. Editorial Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
STANDORTPOLITIK 10 Starke Frauen 11 Baukalender MV 2026 12 Hohe Preise an den Zapfsäulen 13 Austausch. Impulse. Fachkräftesicherung. TITELTHEMA 14 Der IHK-Jahresempfang 2026 AUS- & WEITERBILDUNG 18 JUMPIN – Mit Anlauf in den Ausbildungsbetrieb 20 Erfolgreicher Ausbildungsstart 21 Sie gehören zu den Besten! 22 Wertige IHK-Abschlüsse 23 Frühstart gewollt 24 Der Partner Berufsschule 25 Die Besten der Winterprüfungen EXISTENZGRÜNDUNG & UNTERNEHMENSFÖRDERUNG 26 Visionen für Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung 27 Die Bahn kommt... später 28 Nachfolger suchen Unternehmen 29 Zukunft mit Ökowertpapieren 30 Digitalisierung gemeinsam angehen 30 Impulse für die Region 31 Angebote im InnovationPort Wismar INTERNATIONAL 32 Größer als alles Bisherige 34 Risiken im China-Geschäft 36 Chancen in der Alpenrepublik 37 Das Carnet wird volldigital 37 Internationale Wirtschaftsstreitigkeiten 38 Die EU legt den Turbo ein RECHT & STEUERN 40 Cyberrisiken erkennen und handeln 42 Öffnungszeitenverordnung gilt vorläufig weiter 43 Streitbeilegung 43 Amtliche Bekanntmachungen 44 Schutz von Weidetieren 20 27 DIE BAHN KOMMT... SPÄTER Die Verzögerung bei der Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin sorgte in den vergangenen Wochen für erhebliche Unruhe. Für MecklenburgVorpommern ist diese Achse eine zentrale Lebens- und Wirtschaftsader. ERFOLGREICHER AUSBILDUNGSSTART Das Ausbildungsengagement der IHK-Unternehmen in Westmecklenburg ist hoch und bewegt sich auf dem gleichen Niveau der letzten Jahre. Inhalt 2 Inhalt Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
12 HOHE PREISE AN DEN ZAPFSÄULEN Die Bundesregierung prüft aktuell, ob kartellrechtliche Maßnahmen gegen die Preisentwicklung möglich sind. Aus Sicht der Präsidenten der IHK zu Rostock und der IHK zu Schwerin sollte schnell gegengesteuert werden. GRÖSSER ALS ALLES BISHERIGE Die EU und Indien haben Ende Januar 2026 einen Durchbruch bei den Verhandlungen zu einem umfassenden Freihandelsabkommen erreicht. Nach 18 Jahren Gesprächen wurde am 27. Januar 2026 der Abschluss verkündet. STARKE FRAUEN Gabriele Muchow und Christin Tramm führen als Mutter-Tochter-Gespann seit 2014 ein Familienunternehmen – und das sehr erfolgreich. 10 32 Inhalt 3 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Bild: Pixabay/PublicDomainPictures; Sport-Event MK 2. GOLDBECK FIRMENLAUF SCHWERIN Auf die Plätze fertig los! Das inhabergeführte Familienunternehmen mit Sitz im Technologie- und Gewerbepark gilt als Weltmarktführer in einem besonders ungewöhnlichen Bereich: Der Gewinnung von Zellkulturen aus humanem und tierischem Lebergewebe. Diese sogenannten In-vitro-Systeme werden weltweit in Laboren eingesetzt, um toxische sowie langfristige Wirkungen von Substanzen auf den menschlichen Körper vorherzusagen – ein entscheidender Beitrag für sichere Medikamente und Chemikalien. Während des Rundgangs, der im Rahmen einer Ausschusssitzung für Industrie, Außenwirtschaft und Energie stattfand, erhielten die Teilnehmenden durch Geschäftsführer Dr. Dieter Runge detaillierte Einblicke in die komplexen Forschungs- und Labordienstleistungen des Unternehmens. INNOVATIVE NISCHE Die PRIMACYT Cell Culture Technology GmbH zählt zu den weltweit führenden Anbietern in der Aufbereitung spezialisierter Zellkulturen – insbesondere gilt das Unternehmen als Weltmarktführer bei Zellkulturen aus Forellen-, Karpfen- und Lachsleber. Neben diesen hochspezialisierten Hepatozyten entwickelt und vertreibt PRIMACYT auch abgestimmte Zellkultursysteme, die neben den Zellen selbst passende Medien sowie ausgewählte Verbrauchsmaterialien umfassen. Darüber hinaus bereitet das Unternehmen humane Hautproben auf, die beispielsweise für Tests kosmetischer Produkte eingesetzt werden. Auf diese Weise bietet PRIMACYT praxisnahe In-vitro-Modelle, mit denen sich Wirkungen und Verträglichkeiten von Substanzen zuverlässig untersuchen lassen. INTERNATIONAL TÄTIG, REGIONAL VERANKERT Das 2004 gegründete Unternehmen ist international ausgerichtet und unterstützt Kunden aus biomedizinischer Forschung und chemischer Industrie weltweit. Gleichzeitig ist PRIMACYT fest in der Region verankert: Mit Ausbildungsplätzen für Biologielaboranten, Angeboten für Studierende sowie einem klaren Bekenntnis zu sozialer Verantwortung. Mit dem 2. GOLDBECK Firmenlauf am 8. Juli 2026 in Schwerin soll im Bereich Gesundheitsmanagement für Unternehmen noch einmal eine Schippe draufgepackt werden. Die Auftaktveranstaltung im vergangenen Jahr mit mehr als 82 gestarteten Firmenstaffeln (4 Teilnehmer pro Staffel) war außerordentlich erfolgreich. Alle Starter zeigten einen beeindruckenden Teamgeist auf der Strecke und präsentierten ihre Firmen mit eigenen Eventzelten auf dem Eventgelände am Speicherhotel. Wegen der großen Resonanz verspricht sich der Veranstalter auch in diesem Jahr eine rege Teilnahme. Die Laufrunde führte für jeden Teilnehmer einmal um den Ziegelinnensee, eine Strecke von 3,2 Kilometern. In diesem Jahr möchte der Veranstalter und Organisator Sport-Event MK, Michael Kruse, noch eine Spendenaktion "Laufen für den guten Zweck" neben dem Firmenlauf mit einbeziehen. Unternehmen können sich bei der Anmeldung nicht nur für den Lauf registrieren lassen, sondern auch noch für den Kinderhospizverein Schwerin e.V. etwas Gutes tun. Ein Blick hinter die Kulissen eines echten „Hidden Champions“: Der jüngste Betriebsrundgang bei der PRIMACYT Cell Culture Technology GmbH in Schwerin bot dem Industrieausschuss der IHK zu Schwerin spannende Einblicke in ein hochspezialisiertes Feld der modernen Biotechnologie. Schweriner Laborkompetenz IHK ZU SCHWERIN Dr. Dorothee Wetzig 0385 5103-307 wetzig@schwerin.ihk.de 4 Wirtschaftsregion Westmecklenburg SPORT-EVENT MK Michael Kruse 0151 46759063 www.schwerinerfirmenlauf.de Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Die EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer und WEMAGVorstände haben im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig Anfang des Jahres eine Vereinbarung über ein Investitionsdarlehen in Höhe von 220 Mio. Euro für den Ausbau der Stromnetzinfrastruktur unterzeichnet. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat dem Energie- und Infrastrukturunternehmen WEMAG ein Darlehen in Höhe von 220 Mio. Euro zugesagt. Damit kann das Unternehmen mehr als ein Drittel der für die kommenden vier Jahre geplanten Netzinvestitionen finanzieren. Das Engagement der EIB ist ein wesentlicher Beitrag dazu, dass Haushalte, Gewerbe und Industrie in Westmecklenburg auch künftig zuverlässig mit erneuerbarem Strom versorgt werden – zu planbaren, wettbewerbsfähigen Preisen. GROSSE BEDEUTUNG FÜR WESTMECKLENBURG Die Anforderungen an den Netzausbau steigen in Westmecklenburg durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien, insbesondere den starken Zubau von Photovoltaik, sowie durch die zunehmende Elektromobilität. Die Einspeisung aus großen Solarparks und dezentralen Dachanlagen führt zu neuen Lastflüssen und erfordert leistungsfähigere Netzstrukturen. Mit den geplanten Investitionen stärkt die WEMAG die Netz- und Versorgungssicherheit, schafft die Grundlage für die Integration neuer energieeffizienter Technologien und ermöglicht langfristig den stabilen Betrieb des Stromnetzes für Haushalte, Gewerbe und Industrie. Die Investitionen machen das Netz fit für mehr Photovoltaikanlagen auf Dächern, für Wärmepumpen und Ladepunkte für Elektroautos – direkt dort, wo Menschen leben und arbeiten. Die WEMAG Netz GmbH plant bis 2033 Investitionen in Höhe von insgesamt 1,2 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern. GRÖSSTER KOMMERZIELLER BATTERIESPEICHER Der WEMAG-Batteriespeicher, in dem der Vertrag unterzeichnet wurde, ist eine Wegmarke der regionalen Energiewende: 2014 ging er als Europas größter kommerzieller Batteriespeicher in Betrieb und zeigte, welchen Beitrag Energiespeicherung leisten kann, Schwankungen bei der Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen und die Netzstabilität zu sichern. Mittlerweile stellt der Lithium-Ionen-Speicher mit einer Leistung von 16 Megawatt und einer Kapazität von 20 Megawattstunden auch andere Systemdienstleistungen wie Schwarzstartfähigkeit oder Blindleistung bereit und ist damit doppelt wegweisend: Er zeigt technisch neue Bausteine, um im Zusammenspiel mit Wind und Sonne die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten, und er ist gleichzeitig wirtschaftlich betreibbar. Der Standort steht damit für Fortschritt, Innovation und nachhaltige Energieversorgung in Mecklenburg-Vorpommern. EUROPÄISCHE UNTERSTÜTZUNG Die EIB stellt von 2023 bis 2027 zusätzlich 45 Milliarden Euro zur Finanzierung erneuerbarer Energien bereit, um das REPowerEU-Ziel zu unterstützen und die Abhängigkeit Europas von Importen fossiler Brennstoffe aus Russland zu beenden. Im Jahr 2025 hat die EIB 3,7 Milliarden Euro in deutsche Energieprojekte investiert – von Strom- und Wärmenetzen bis hin zu erneuerbaren Erzeugungsanlagen – und damit die Versorgung von Millionen Haushalten und Tausenden Unternehmen abgesichert. Die EIB ist der größte Finanzierer von Energiesicherheit und Stromnetzen in Europa. Das Darlehen an die WEMAG ist Teil einer breiteren Unterstützung der EIB für Strom- und Wärmenetze in ganz Deutschland, mit der die EU Bank die Transformation des Energiesektors beschleunigt, die Energiesicherheit stärkt und die Grundlage für eine verlässliche, klimafreundliche Energieversorgung für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen legt. WEMAG Darlehen für Netzinfrastruktur EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer (3. v.l.) und WEMAG-Vorstände Caspar Baumgart und Thomas Murche unterzeichnen im Beisein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Darlehensvertrag. Bilder: WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer; Pixabay/Blickpixel Wirtschaftsregion Westmecklenburg 5 DR. DIANA KUHRAU Pressesprecherin der WEMAG- Unternehmensgruppe 0385 755-2289 presse@wemag.com Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
„Matekaffee“ bringt nicht nur Abwechslung in die Tasse, sondern eine Alternative für den Energiekick in Bio-Qualität auf den deutschen Markt. Aber Moment mal: Das „grüne Gold Südamerikas“ überzeugt doch als Tee, neuerdings als Clubgetränk. Und jetzt Kaffee? Erklären kann dies Leonie Tessenow. Die 35-jährige Gründerin aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim hat gerade angefangen, dem Erfolgsbuch von Mecklenburg eine weitere Geschichte hinzuzufügen. Die vom „Matekaffee“ oder auch „Mate Cocido“, dem traditionellen Frühstücksklassiker in ihrer ehemaligen Heimat Paraguay. „Für dieses Getränk werden grüne Teile des Mate-Strauches ziemlich lange getrocknet und auf offenem Feuer geröstet“, sagt Leonie Tessenow. „Natürliches Koffein in Verbindung mit Theobromin wird langsamer im Körper abgebaut. So hält der Koffein-Boost länger vor. Mate wirkt belebend und ist lecker.“ Die Frage nach dem Geschmack beantworten Genießer unterschiedlich. „Die Range reicht von schwarzem über grünen Tee bis Kaffee oder Chai Latte“, bekam die Unternehmerin bei der Premiere ihres in Deutschland in dieser Form einzigartigen Produktes zu hören. Wer noch „Im Nu“ kennt oder Caro-Kaffee, fühlt sich vielleicht daran erinnert. Etwas herb, ein wenig rauchig, mit feiner Crema – so präsentiert sich die Kaffee-Alternative, die einfach in löslicher Form überall schmecken darf. Als Lifestyle oder Entscheidung für bewussten Genuss. Menschen, die wegen eines vielleicht empfindlichen Magens nicht so viel Kaffee trinken können oder jene, die den sehr süßen Energiedrinks etwas entgegensetzen wollen, zeigen großes Interesse. „Matekaffee“ ist das Produkt des Start-Ups TEKOHA aus Schwerin. Das angesagte Getränk hat bereits die Hipster-Szene erreicht und spricht viele weitere Menschen an. Diese Erfahrung hat Leonie Tessenow in den ersten Wochen dieses Jahres und im Besonderen auf der Grünen Woche gemacht. Der Weg zur Produktvorstellung hatte es in sich, es hat sich allerdings jeder Schritt gelohnt. „Es wurden 3.000 Becher verkostet, ich habe 1.000 Dosen verkauft. Das fühlte sich großartig an. Hinzu kamen sehr viele gute Gespräche mit großen Lebensmittelhändlern.“ Die junge Unternehmerin zeigt sich begeistert. „Diese Aufmerksamkeit ist eine riesige Chance. So eine Hilfe für Start-ups am Anfang zählt hundertfach. Ich kann mich nur bedanken bei den Organisatoren von meinem Landkreis, dem Land und allen, die den Weg bis zum Launch des Produktes begleitet haben.“ Dazu gehört da Zukunftszentrum DeveLUP ebenso wie die Gründerberatung der IHK. „Hier hat alles bestens gepasst“, sagt Leonie Tessenow. Etwas anders und längst nicht so rund lief ihr Projekt in Südamerika an. „Glücklicherweise hatte ich am Anfang einen starken Beistand an meiner Seite“, erzählt die Geschäftsfrau, die in Paraguay auf einer Rinderfarm aufgewachsen ist. „Mein Vater exportierte Erdnüsse, Sesam und Fleisch nach Europa.“ Somit war der Weg für die Ausfuhr eines weiteren Produkts schon aufgezeigt. „Als junge Frau in Geschäfte einzusteigen, läuft in Südamerika gänzlich anders. Machismo spielt eine große Rolle. Und auch die Mentalität…“ Mañana – wie viele Male hörte Leonie Tessenow den Verweis auf den nächsten Tag und damit auf irgendwann. „Auch Verträge zählen nicht unbedingt, es gibt eine komplett andere Geschäftspraxis“, formuliert sie höflich. „Ich machte mich auf die Suche nach Partnern, denen ich vertrauen konnte und fand sie in einer Kooperative vor Ort.“ Welch ein Glück, denn der notwendige Bio-Zertifizierer fand sich erst im benachbarten Bolivien. Viele Monate vergingen, die GmbH-Gründung zog sich. Genehmigungen für den Import brauchten ihre Zeit. „Ich wollte zum Weihnachtsgeschäft 2025 star- START-UP TEKOHA BRINGT KAFFEE-ALTERNATIVE AUF DEN MARKT Genussmomente ganz anderer Art Leonie Tessenow bringt mit „Matekaffee" eine Spezialität ihrer früheren Heimat nach Deutschland. Bilder: Barbara Arndt 6 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
ten“, blickt Leonie Tessenow zurück. Mit dem fröhlichen Tucan war ein attraktives Design aufgesetzt, welches ein Stück Lebensfreude aus der fernen Welt des „Matekaffees“ vermittelt. Nur das Produkt selbst kam einfach nicht. „Erst streikten in Montevideo die Hafenmitarbeiter. Als das Schiff endlich in Rotterdam eintraf, waren alle schon im Feiertagsmodus. Ich habe quasi am Weihnachtsbaum mit dem Zoll verhandelt.“ Denn der zeitliche Druck war groß, alle Vorbereitungen für die Grüne Woche längst getroffen. Anfang Januar wollte die Behörden in Rotterdam die Waren freigeben. „Dann kam der Bombenzyklon - ich mietete einen Sprinter, fuhr selbst zum Hafen und harrte ungeduldig aus, bis alle Probleme überwunden waren und ich endlich die Fracht im Fahrzeug hatte.“ Weiter ging’s nach Regensburg, wo das abfüllende Unternehmen eine Sonderschicht am Wochenende einlegte. Per Express kam die Lieferung nach Schwerin. Wenig später überzeugte Leonie Tessenow auf der Messe in Berlin die ersten Kunden. „Ich habe in dieser aufregenden Phase Unmengen meines eigenen Produktes konsumiert. Das zeigt, wie sehr ich überzeugt bin, oder?“ fragt die dreifache Mutter mit einem Lächeln, welches gleich die nächste Antwort gibt… Wer so energiegeladen startet, will sicher noch viel mehr! Barbara Arndt SAVE THE DATE Energieforum MV 2026 Anlässlich der Landtagswahlen in MecklenburgVorpommern laden die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, die WEMAG AG, die Stadtwerke Schwerin und die Akademie Schwerin e. V. auch in diesem Jahr zum nunmehr 13. Energieforum ein. Es erwarten Sie wieder spannende Vorträge und Diskussionen zu unterschiedlichen Aspekten der Energiewende. In gewohnter Weise bietet sich zudem die Chance zur Vernetzung und zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Die bevorstehenden Landtagswahlen könnten zur Richtungsentscheidung werden. Davon betroffen ist nicht zuletzt auch die Energiewirtschaft, die wie andere Wirtschaftszweige auch, durch Klimawandel und Energiewende vor großen Herausforderungen steht. Diesen müssen und wollen wir uns stellen. Es erfordert langfristige und verlässliche politische Rahmenbedingungen, die sich zugleich an einer realistischen Umsetzbarkeit orientieren. Die Unternehmen der Energiewirtschaft benötigen eine Wirtschaftspolitik, die Planungs- und Investitionssicherheit bietet. Darüber wollen wir ins Gespräch kommen: Nach jedem Vortrag, in den anschließenden Podiumsdiskussionen und im offenen Dialog. Über Ihre Teilnahme würden wir uns freuen und laden Sie herzlich zum Austausch rund um das Thema „Energie braucht Wirtschaft: Perspektiven zu den Landtagswahlen 2026“ ein, am 28. April 2026 ab 12:00 Uhr im Ludwig-BölkowHaus der IHK zu Schwerin. Die Teilnahme am Forum ist kostenfrei. IHK ZU SCHWERIN Thomas Lust 0385 5103-308 lust@schwerin.ihk.de Anmeldung: Wirtschaftsregion Westmecklenburg 7 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Bilder: IHK Ob Europäische Union oder die Bundesregierung - oft bestimmen ihre Äußerungen und Handlungen die Schlagzeilen. Für die Unternehmen entscheidet sich ihr wirtschaftlicher Erfolg aber oft viel stärker direkt vor der eigenen Haustür. Denn hier sitzt Ihr Unternehmen, arbeiten und leben Ihre Mitarbeiter und agieren häufig ebenfalls Geschäftspartner und Kunden aller Art. Umso wichtiger ist deshalb, dass Wirtschaft und Politik auch auf der lokalen Ebene im direkten Austausch stehen. Umso erfreulicher war die große Zahl der Teilnehmer am gemeinsam mit der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft (WWG) organisierten Wahlforum zur Bürgermeisterwahl Wismar. Über 120 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Wismar waren der Einladung am Abend des 11. März 2026 ins phanTECHNIKUM gefolgt. Ziel des Abends war es, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich schnell ein klares Bild der sieben Kandidaten und der einen Kandidatin verschaffen zu können. Die Moderatoren Thomas Böhm und Peter Todt wollten dabei ganz genau von den Kandidaten wissen, welche Ideen und Pläne diese für das Wismarer Wirtschaftsleben mitbringen. Im Anschluss war dann Zeit für eigene Fragen oder das persönliche Gespräch. Ein besonderer Dank gilt unseren Mitorganisatoren – insbesondere Thomas Böhm vom Medienpartner Wismar TV und Jörg Denecke, Stephan Kijas und Antje Vagt von der WWG. Rund 40 Unternehmerinnen und Unternehmer – vom Großunternehmen bis zur Soloselbständigen – aus der Region kamen am 5. März 2026 zum Klöntörn im Hotel & Restaurant zur Eldenburg in Lübz zusammen. Moderiert wurde der Abend von Präsident Matthias Belke und Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus. Bürgermeisterin Astrid Becker stellte zu Beginn den Gewerbestandort Lübz vor. 424 aktive Gewerbetreibende, neue Gewerbeflächen an der Lübzer Brauerei und das starke Engagement zur Belebung der Innenstadt, etwa mit dem Künstlerquartier Zentrum für zirkuläre Kunst, zeichnen die Stadt als lebendigen Wirtschaftsstandort aus. Dieser wird auch vom Lübzer Gewerbeverein mit mehr als 40 Mitgliedern mitgestaltet. In seinem Impuls zur Teilqualifikation stellte Peter Todt, Geschäftsbereichsleiter für Aus- und Weiterbildung, ein wichtiges Werkzeug für Unternehmen vor, die intern Mitarbeiter ohne Berufsabschluss zu neuen Fachkräften weiterqualifizieren wollen. Besonders drei Themen beschäftigten in der Diskussion die Unternehmerinnen und Unternehmer: die hohen Energiekosten d ie Bürokratiebelastung und dauerhafte Krisensituation für viele Unternehmen das Thema Bildung Wie schon beim letzten Klöntörn in Boizenburg zeigte sich auch hier: Das Thema Bildung bewegt die Unternehmerinnen und Unternehmer privat wie beruflich weiterhin sehr. Schulen sollen junge Menschen stärker auf lebensnahe Themen wie finanzielle Bildung oder Gesundheit vorbereiten. Hier gibt es etwa über AGs in engagierten Schulen die Möglichkeit, auch ohne Rahmenplan solche Themen anzubieten. Seit seinem Start 2022 lebt der Klöntörn durch den offenen Austausch mit den Unternehmen vor Ort. Vom Start-up bis zum Traditionsbetrieb kommen Unternehmen aus der Region zusammen und bringen ihre Themen ein. Als IHK tragen wir diese dann gebündelt und aufbereitet in die Politik. ERSTER KLÖNTÖRN IN LÜBZ Bildungskrise beschäftigt Unternehmen IHK ZU SCHWERIN Manuel Zirm 0385 5103-143 zirm@schwerin.ihk.de 120 Gäste beim Wismarer Wahlforum von WWG und IHK 8 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Karlheinz Petri ist überzeugt von der IHK-Organisation und engagiert sich hier schon seit vielen Jahren ehrenamtlich. Als Vollversammlungsmitglied in der IHK zu Schwerin und Vorsitzender des Ausschusses Industrie, Außenwirtschaft und Energie ist der auch für die IHK Saarland im Handelsausschuss tätig und bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin. Als Geschäftsführer der INSTAMAK GmbH in Selmsdorf, Landkreis Nordwestmecklenburg, organisierte Petri im Februar Unternehmensbesuche und verschaffte der IHK-Hauptgeschäftsführerin, Lisa Haus, die vom IHKGeschäftsbereichsleiter Klaus Uwe Scheifler begleitet wurde, interessante Einblicke bei insgesamt drei in diesem Gewerbegebiet ansässigen Unternehmen. Direkt auf dem Grenzstreifen der ehemaligen DDR gelegen, eröffnet sich von hier aus der Blick auf Schlutup, einem Stadtteil der Hansestadt Lübeck. Diese besondere Nähe zu Lübeck war und ist für viele Unternehmen hoch interessant, um genau hier zu investieren. Sehr schnell sind die zur Verfügung stehenden Flächen auch vergeben worden. Karlheinz Petri kann sich noch gut an die Anfänge vor 30 Jahren erinnern, denn die INSTAMAK war die erste Ansiedlung in diesem Gewerbegebiet. Das Unternehmen stellt hochwertige und umweltgerechte Spezialprodukten für den Straßenbau her. Die Mischungen an Reparaturasphalte finden in vielen Kommunen Anwendung. In direkter Nachbarschaft findet sich die RONO Maschinenbau GmbH. Der Hersteller von Spezialmaschinen für die Ernährungswirtschaft beeindruckt seine Kunden, die zu 80 Prozent außerhalb Deutschland zu finden sind, mit individuellen Lösungen. 30 Prozent davon finden sich innerhalb der EU. 80 Mitarbeiter sind hier auf insgesamt 3.200 m2 Produktionsfläche beschäftigt. Vor allem das ingeneurtechnische Knowhow ist das Herz des Unternehmens. Die großen Mitwettbewerber kommen aus den USA und Italien. Zurzeit ist die Suche nach Fachkräften schwierig. Auch das Interesse von Jugendlichen, sich auf dem Feld der klassischen Zerspanung ausbilden zu lassen, ist kaum vorhanden. Eine mehr praxisbezogene Schulbildung könne nach Auffassung der Unternehmensführung hier etwas bewirken. In der AKB Antriebstechnik GmbH begrüßte der Geschäftsführer des Unternehmens, Moritz Hartenstein, die Gäste herzlich. Seit 30 Jahren befasst sich sein Unternehmen mit Sondergetrieben und Antriebstechnik in Selmsdorf. Das von ihm in Zusammenarbeit mit Rheinmetall entwickelte Spindelhubgetriebe findet sich bei 98 Prozent der Güterwagen in der EU. Zu 70 bis 80 Prozent liefert AKB seine Produkte auch in den Europäischen Markt. Hier wird nach Kundenwunsch und Anfrage gefertigt. AKB Antriebstechnik GmbH DIE EXPERTEN IN SELMSDORF Lösungen für jeden Markt Zu Gast bei Carlos Romero, Mitinhaber der RONO Maschinenbau GmbH. Moritz Hartenstein, Geschäftsführer der AKB Antriebstechnik GmbH, führte durch sein Unternehmen. Karlheinz Petri, Geschäftsführer der INSTAMAK GmbH erläutert seine Produkte. Wirtschaftsregion Westmecklenburg 9 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Bilder: Barbara Arndt Können Textilien glücklich machen? Gabriele Muchow (65) und Christin Tramm (43) beantworten diese Frage ohne zu zögern mit „Ja!“. Als Mutter-Tochter-Gespann führen sie seit 2014 ein Familienunternehmen – und das sehr erfolgreich. In diesem Grevesmühlener Betrieb spielen Textilien eine große Rolle. Sie werden bedruckt, bestickt oder auch benäht und kommen als T-Shirt, Poloshirt, Sweatwaren, Fließ- und Outdoorjacken, Baumwolltaschen, Rucksäcke oder Sporttaschen ganz groß raus und immens gut an. In allen denkbaren Bereichen, wie beispielsweise im Tourismus und in der Industrie, bei Musik- oder Lauf-Events, in Universitäten oder Sportvereinen. Für diese und viele weitere Kunden veredeln die 25 Mitarbeitenden der Happy Texx GmbH Textilien und erwirtschaften einen respektablen Umsatz von 2,5 Millionen Euro im Jahr. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. „Unsere Kollegen sind oftmals universell aufgestellt. Zwei bis drei Arbeitsfelder abdecken zu können, ist schon gut“, meint Christin Tramm mit Blick auf beispielsweise Auftragsspitzen, in denen besonderes Know-how zum Tragen kommt. „Unsere Produktion gleicht fast einem Lehrbetrieb, in dem spezielle Fertigkeiten weitergegeben werden. Das braucht viel Zeit, stärkt aber das Team.“ Noch viel mehr Wert legen die Chefinnen auf ein wertschätzendes Arbeitsklima. „Wir sind sehr kommunikativ und jeden Tag im Gespräch mit unseren Mitarbeitern“, sagt Christin Tramm. Zum Lohnzettel gibt es monatlich die Happy-Post und damit Infos über neue Kunden, Investitionspläne oder andere Vorhaben. Zu ihrer Transparenz gehört auch, die eigene Meinung nicht hinterm Berg zu halten. „Die politischen Entscheidungen zum Mindestlohn finden wir nicht gut. Für uns macht das mal so eben 70.000 Euro mehr aus – pro Jahr!“ Die Kritik der beiden Geschäftsführerinnen beinhaltet keineswegs den Gedanken, die Kollegen nicht ordentlich zu bezahlen. Sehr wohl aber bringen die beiden Damen immer wieder Mut auf, damit das Unternehmen sich gesund weiterentwickelt und genug Liquidität da ist, um selbst Krisen wie Corona zu überstehen. Dafür gilt es, ordentlich zu wirtschaften. Diese Einstellung macht es dann möglich, sich für die Mitarbeitenden richtig ins Zeug zu legen. Sonderurlaub und Blumen am Geburtstag, Getränke und Arbeitskleidung gratis und im vergangenen Jahr mit der ganzen Crew eine 4-Tage-Mini-Kreuzfahrt mit Balkonkabine und Bordguthaben – solche Benefits lassen aufhorchen. „Natürlich sind wir uns auch nicht zu schade anzupacken. Die Kollegen kommen und fragen und wir unterstützen gern, damit die Aufträge pünktlich und in hoher Qualität rausgehen“, beschreiben die Chefinnen das Ziel aller Happy-Texxler. Sie pflegen einen partnerschaftlichen und respektvollen Umgang mit Lieferanten und Kunden. Eher selten machen die beiden Frauen dann etwas energischer darauf aufmerksam, welchen Stellenwert sie ihrem Unternehmen einräumen. „Stimmt die Qualität der Textilien nicht, können auch wir nicht abliefern“, sagt Christin Tramm. Während ihre Mutter als Diplomingenieurin im Maschinenbau und Chefin einer Werbeagentur bereits im Jahr 1999, damals mit einem Partner, die Happy Texx GmbH gegründet hat, punktet Tochter Christin mit Marketingstudium und besten PraxisErfahrungen bei Karls Erlebnishof seit nunmehr elf Jahren. Im durchaus maskulin geprägten Business der Textilveredlung fühlen sich die beiden Frauen wohl und auf sicherem Parkett unterwegs. „Ich bin jetzt schon seit 30 Jahren selbstständig. Seither zählen logisches Denkvermögen, gesunder Menschenverstand und Intuition zu meinen wichtigsten Begleitern. Damit bin ich ziemlich weit gekommen“, findet Gabriele Muchow. Ihr Lächeln hat durchaus eine Spur von Stolz. „Um besser zu werden, kaufen wir nicht irgendeine Maschine, sondern die beste, die zu unserem Unternehmen passt“, beschreibt sie einen Teil des Erfolgsgeheimnisses. „Uns ist wichtig, gut aufgestellt zu sein. Moderne Technologien und hochwertige Technik machen uns und unser Team zukunftsfähig“, sagt Christin Tramm. Sie hat im Familienunternehmen ihre Bestimmung gefunden. Sorgen um Nachfolge-Regelungen braucht sich hier niemand machen… Barbara Arndt Gabriele Muchow (l.) und Christin Tramm stehen an der Spitze von Happy Texx in Grevesmühlen. GEMEINSAMES FAMILIENUNTERNEHMEN Starke Frauen 10 Standortpolitik Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Am 24. Februar 2026 haben das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern und die weiteren Baulastträger des Landes den Baukalender 2026 vorgestellt. Für das laufende Jahr sind Investitionen von rund 263 Millionen Euro in Bundes- und Landesstraßen vorgesehen – deutlich mehr als im Vorjahr mit 159,6 Millionen Euro. Von den geplanten Mitteln entfallen: 182,4 Millionen Euro auf Bundesstraßen, davon 45,3 Millionen Euro für Erhaltungsmaßnahmen 80,6 Millionen Euro auf Landesstraßen, davon 46,6 Millionen Euro für Erhalt sowie Um- und Ausbaumaßnahmen Die Maßnahmen reichen vom Substanzerhalt bestehender Strecken über Ortsumgehungen bis hin zum Ausbau von Radwegen. Bauzeiträume einzelner Projekte erstrecken sich teilweise bis 2030. ZAHLREICHE BAUSTELLEN IM GANZEN LAND Der Baukalender dokumentiert die Vorhaben landesweit in einer digitalen Baustellenkarte. Ergänzend stehen auf der Website des Landesamtes detaillierte Präsentationen der einzelnen Straßenbaulastträger zur Verfügung. Die hohe Anzahl paralleler Maßnahmen bedeutet aber auch eine spürbare Belastung für den Wirtschaftsverkehr. Umleitungen, Vollsperrungen und eingeschränkte Erreichbarkeit betreffen die gesamte Wirtschaft und können im Einzelfall erheblich Auswirkungen mit sich bringen. KOORDINIERUNG IST ENTSCHEIDEND Aus Sicht der IHK ist der Erhalt der Verkehrsinfrastruktur notwendig. Ebenso klar ist jedoch: Die Qualität der Abstimmung entscheidet über die tatsächlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Bei einer Vielzahl gleichzeitig laufender Projekte kommt es maßgeblich darauf an, Baumaßnahmen verschiedener Baulastträger zeitlich aufeinander abzustimmen, parallele Sperrungen zentraler Verkehrsachsen möglichst zu vermeiden, Umleitungsführungen auch für Schwerlastverkehre praktikabel zu gestalten, Unternehmen frühzeitig und transparent zu informieren. Fehlende Koordinierung kann zu erheblichen Mehrbelastungen führen – etwa durch verlängerte Lieferzeiten, eingeschränkte Kundenfrequenz oder zusätzliche Personalkosten. IHK BRINGT WIRTSCHAFTLICHE BELANGE EIN Die IHK begleitet die Bauaktivitäten kontinuierlich im Austausch mit Verwaltung und Baulastträgern. Ziel ist es, frühzeitig auf kritische Konstellationen hinzuweisen und auf eine bestmögliche Abstimmung hinzuwirken. Unternehmen, die durch konkrete Bauvorhaben betriebliche Einschränkungen erwarten, sind aufgefordert, frühzeitig den Kontakt zur IHK zu suchen. Rückmeldungen aus der Praxis sind entscheidend, um Probleme sichtbar zu machen und Lösungen anzustoßen. FAZIT Der Baukalender MV 2026 zeigt ein hohes Maß an Bautätigkeit im Land. Für die Wirtschaft bedeutet dies einerseits notwendige Modernisierung, andererseits jedoch auch erhebliche organisatorische Herausforderungen. Damit Investitionen nicht zu unnötigen Belastungen für Betriebe führen, bleibt eine konsequente Koordinierung und transparente Kommunikation zwischen allen Beteiligten unverzichtbar. Die IHK wird diesen Prozess weiterhin konstruktiv und auch kritisch begleiten. HOHE ANFORDERUNGEN AN KOORDINIERUNG Baukalender MV 2026 IHK ZU SCHWERIN Hannes Schubert 0385 5103-209 schubert@schwerin.ihk.de Bild: Canva Standortpolitik 11 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Der Konflikt im Nahen Osten und weitere Krisenherde auf der Welt wirken sich massiv auf die Höhe der Ölpreise aus. Angesichts der gestiegenen Energiepreise müssen immer mehr Unternehmen viel höhere Kosten stemmen, das betrifft insbesondere Transportunternehmen. Die Bundesregierung prüft aktuell, ob kartellrechtliche Maßnahmen gegen die Preisentwicklung möglich sind. Aus Sicht der Präsidenten der IHK zu Rostock und der IHK zu Schwerin sollte schnell gegengesteuert werden: „Seit Januar 2026 steigt der nationale CO2-Preis in Deutschland (umgangssprachlich CO2-Steuer) auf 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2. 2025 waren es noch 55 Euro. Damit haben sich die Abgaben für Treibstoffe und Heizen weiter erhöht. Um die Wirtschaft nicht weiter auszubremsen, sollte dem jetzt rasch entgegengewirkt werden. So wäre denkbar, die CO2-Steuer für eine begrenzte Zeit auszusetzen und ebenso die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel befristet zu senken“, betonen Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, und Matthias Belke, Präsident der IHK zu Schwerin. Gerade vor wenigen Wochen hatten die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern (IHKs in MV) bei der Veröffentlichung der KonjunkturumfrageErgebnisse gefordert: „Die Wirtschaft im Land braucht jetzt starken Rückenwind.“ Wettbewerbsfähige Energiekosten sind für alle Unternehmen eine wesentliche Voraussetzung für ihre Wettbewerbsfähigkeit. „Die Gewinner und Verlierer der aktuellen Preissteigerung sind klar erkennbar: Neben den Mineralölkonzernen profitiert auch der Staat mit hohen Steuereinnahmen“, so die Präsidenten weiter und abschließend: „Der Blick über die Grenze zu unseren polnischen Nachbarn scheint eine Marktverzerrung zu belegen: Der Liter Diesel kostete am 4. März 2026 in Polen 1,69 Euro, der Liter Super Plus 1,53 Euro. Kartellrechtliche Maßnahmen sind deshalb neben reduzierten Steuern und Abgaben auf alle Treibstoffe jetzt umgehend notwendig“, so die Präsidenten und weiter: „Zudem müssen wir auch auf die Entwicklung der Preise für Lebensmittel und sonstige Güter achten. Drastische Erhöhungen in den Wertschöpfungsketten erreichen bald alle Unternehmen!“ STEUERN UND ABGABEN Bei einem Preis von 2,00 Euro pro Liter Benzin entfallen allein 32 Cent auf die Mehrwertsteuer. Rechnet man Energiesteuer, CO2-Preis und Bevorratungsbeitrag hinzu, ergibt sich ein staatlicher Anteil von 1,10 bis 1,13 Euro pro Liter – also 55 bis 56 Prozent des Gesamtpreises. Bei 2,05 Euro pro Liter Diesel beträgt die Mehrwertsteuer knapp 33 Cent. Zusammen mit Energiesteuer, CO2-Abgabe und Bevorratungsbeitrag ergibt sich ein staatlicher Anteil von 0,95 bis 0,97 Euro pro Liter, also 46 bis 48 Prozent des Preises. „Gerade in einer geopolitisch angespannten Lage muss der Staat kurzfristig gegensteuern. Eine temporäre Aussetzung der CO2-Abgabe und eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe wären schnell umsetzbare Maßnahmen, die unmittelbar bei den Unternehmen ankommen würden. Mobilität darf gerade in Krisenzeiten nicht zum Luxus werden. Deshalb braucht es jetzt entschlossenes und zügiges Handeln, um die Wirtschaft wirksam zu entlasten, so die beiden IHK-Präsidenten. Bild: Pixabay/Engin_Akyurt IHKS FORDERN AUSSETZUNG DER CO2-STEUER UND ENERGIESTEUER Hohe Preise an den Zapfsäulen 12 Standortpolitik Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
GEMÄLDE UND FIGUREN wurden von 8 Kindergartengruppen gemalt und gebastelt. 137 XXXXXX Von der Vision zum Projekt. 3000 Referenzen Wir beraten Sie gern persönlich. Dipl.-Ing. Fr. Bartram GmbH & Co. KG Ziegeleistraße · 24594 Hohenwestedt Tel. +49 (0) 4871 778-0 Fax +49 (0) 4871 778-105 info@bartram-bausystem.de MITGLIED GÜTEGEMEINSCHAFT BETON im Industrie- und Gewerbebau WWW.BARTRAM-BAUSYSTEM.DE über Das individuelle Bau-System Entwurf und Planung Eigenes Fertigteilwerk Festpreis Fixtermin 50 Jahre Erfahrung Alles aus einer Hand BBS_AZ_2023_09793_IHK_SH_58x185_RZ_2023-10-05_AS.indd 1 05.10.23 08:43 Wenn der Verkehr stockt, spürt es die ganze Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund tagte am 2. März 2026 der Ausschuss für Verkehr, Logistik und Infrastruktur der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin im Ludwig-Bölkow-Haus. Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Fachkräftesicherung. Ob Transport, Logistik oder Infrastruktur – ohne qualifizierte Fahrer, Disponenten, Techniker und Planer geraten Lieferketten, Bauprojekte und Investitionen ins Stocken. Die Branche steht unter Druck und benötigt tragfähige, praxisnahe Lösungen. Impulse lieferte die Fachkräfteservice-Zentrale MV. Vorgestellt wurden konkrete Unterstützungsangebote – von internationaler Fachkräftegewinnung über Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zu Beratungsleistungen für Unternehmen. In der Diskussion wurde deutlich, dass Verfahren beschleunigt, Potenziale besser genutzt und Fachkräftesicherung strategisch gedacht werden müssen. Klar ist: Fachkräftesicherung entscheidet nicht nur über den Erfolg einzelner Betriebe, sondern über die Leistungsfähigkeit des gesamten Standorts. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin begleitet die Unternehmen dabei weiterhin aktiv. Ein herzlicher Dank gilt allen Ausschussmitgliedern und Gästen für den offenen Austausch und die praxisnahen Impulse. IHK-AUSSCHUSS FÜR VERKEHR, LOGISTIK UND INFRASTRUKTUR Austausch. Impulse. Fachkräftesicherung. Bild: IHK IHK ZU SCHWERIN Astrid Ludwig 0385 5103-422 ludwig@schwerin.ihk.de Anzeigen im WIKO Telefon: 0385 760 520 Fax: 0385 760 52 60 anzeigen@maxpress.de www.maxpress.de Standortpolitik 13 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
KI ALS ANTWORT AUF DEN FACHKRÄFTEMANGEL? Der IHK-Jahresempfang 2026 Schon zu Beginn machte IHK-Präsident Matthias Belke deutlich, warum das Thema drängt. Deutschland steht vor einem historischen Einschnitt: Erstmals sinkt das Erwerbspersonenpotenzial – und dieser Trend wird sich über Jahrzehnte fortsetzen. Aus derzeit rund 48,7 Millionen potenziellen Arbeitskräften könnten je nach Prognose künftig nur noch 35 bis 40 Millionen werden. Gerade für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern verschärft sich damit eine zentrale Frage: Wer wird künftig die Arbeit leisten? WENIGER MENSCHEN, MEHR AUFGABEN Für Präsident Belke ist klar: Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für den Menschen, sondern eine notwendige Ergänzung. Es geht nicht darum, Arbeitsplätze zu ersetzen, betonte er. Es geht darum, wer die Arbeit künftig leisten wird. Vor allem bei Routineaufgaben und standardisierten Prozessen sieht er großes Potenzial. KI könne Unternehmen entlasten und gleichzeitig Freiräume schaffen – für Innovation, Kreativität Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für den Menschen, sondern eine notwendige Ergänzung. Es geht nicht darum, Arbeitsplätze zu ersetzen. Matthias Belke 14 Titelthema Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Rund 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung folgten am 24. März 2026 der Einladung der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin in das Ludwig-Bölkow-Haus. Im Mittelpunkt des Jahresempfangs stand ein Thema, das die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre maßgeblich prägen wird: Künstliche Intelligenz als Chance im demografischen Wandel. und bessere Entscheidungen. Ein weiterer entscheidender Punkt: der Umgang mit Wissen in Unternehmen. Lange war entscheidendes Know-how in wenigen Köpfen gebunden, so Belke. KI kann dieses Wissen zugänglich machen – für Viele statt für Wenige. Gerade mit Blick auf ausscheidende Fachkräfte wird dieser Aspekt zunehmend relevant. Doch gerade bei der Infrastruktur hapert es in MV. Fehlende Rechenzentren und Internetknotenpunkte (IXP) erschwere es, digitale Wertschöpfung in der Region aufzubauen und zu halten. WIRTSCHAFTSPOLITIK IN DER PFLICHT Neben den technologischen Chancen richtete Belke den Blick auch auf die politischen Rahmenbedingungen. Mit deutlichen Worten und mit Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz kritisierte er die aktuelle Prioritätensetzung in der Politik: Wirtschaft und Bildung müssten stärker in den Fokus rücken, um Wachstum zu sichern. Denn sie entscheiden darüber, ob wir Wachstum schaffen, ob wir Innovation ermöglichen und ob wir den Menschen in unserem Land Zuversicht geben können, so Belke. Auch den Umgang mit staatlichen Finanzmitteln bewertete er kritisch. Das sogenannte Sondervermögen dürfe nicht zur kurzfristigen Haushaltskonsolidierung genutzt werden, sondern müsse in zukunftsgerichtete Investitionen fließen – vor allem auch in Infrastruktur und Digitalisierung. Er forderte mehr Flexibilität, etwa bei den Öffnungszeiten und keine neuen Einschränkungen. Wirtschaftliche Chancen müssen entschlossen genutzt werden, wie etwa bei der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ging in ihrer Rede neben dem Thema des Abends – KI – auf aktuelle wirtschaftspolitische Themen ein. Hier griff sie besonders die hohen Spritpreise an und kündigte an, dass die Landesregierung Übergewinne abschöpfen und das Kartellrecht verschärfen wolle. Ausführlich widmete sie sich den Kapriolen rund um die Bahn-Baustelle der Strecke Hamburg-Berlin und dankte hier dem Engagement von IHK-Präsident Matthias Belke. In Richtung der Deutschen Bahn betonte sie dabei, dass es nicht normal sei, wenn sich eine Landesregierung darum kümmern müsse, dass Ersatzbusse WCs und WLAN haben. Bilder: IHK/info@paperheroes.de Titelthema 15 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Bilder: KI wird für viele Unternehmen nicht dort relevant, wo alles perfekt geplant ist, sondern dort, wo im Alltag Zeit, Erreichbarkeit und Entscheidungskraft fehlen. Wer mutig anfängt, heute schon den ersten Schritt macht und statt auf den perfekten Plan zu warten - trotz Unsicherheit - beginnt KI im Arbeitsalltag zu nutzen, schafft sofort Entlastung - und baut heute bereits intern genau die Kompetenzen auf, die morgen wettbewerbsentscheidend sein werden. Anna Rüde KI ZWISCHEN POTENZIAL UND REALITÄT Hauptrednerin Anna Rüde hatte eine klare Mission: Lust auf KI machen. Ihre Botschaft war deshalb, mit KI einfach loszulaufen, auszuprobieren und so das Potential für den unternehmerischen Alltag zu entdecken. Für sie geht es dabei vor allem um den Menschen, der diese Tools nutzt. Eine Person könne mit richtig eingesetzten KI-Tools wie ein kleines Unternehmen agieren. Beispiele der Voice-to-text-Nutzung bei der Erstellung von Berichten unterstrichen ihre Aussagen. Die KI sieht Anna Rüde wie einen Arbeitskollegen, der keinen Urlaub macht und auch nicht krank wird. Kritischere Töne gab es dann in der anschließenden Podiumsdiskussion. Wie besonders kleine und mittlere Unternehmen KI konkret einsetzen können, diskutierten Christopher Bossow, Geschäftsführer, KMG Klinik Boizenburg; Anna Graf, Innovation Lead Emerging Tech, Arvato Systeme; Holger Blüthmann, Digital Architect & Geschäftsführer; click solutions GmbH und Anna Rüde, KI Strategie Expertin, moderiert von Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus. Dabei wurde deutlich: Trotz aller Euphorie, das Thema Datensicherheit ist und bleibt zentral bei der Frage, was wie wo an KI-Tools in Unternehmen eingesetzt wird, wie besonders Anna Graf betonte. Auch über die tatsächlichen Kosten von KI-Agenten dürfe man sich keinen Illusionen hingeben. Zwar seien die aktuellen Kosten, was die Lizenzen angeht, noch sehr gering, die wirklichen Kosten für den Betrieb lägen aber eher bei 1.500 bis 2.000 Euro pro Monat. Wie lange also die Preise niedrig bleiben ist fraglich. Sie bewertete den KI-Act sehr positiv, da er klare Regeln vorgebe. Wer auf dieser Grundlage erfolgreich KI-Produkte in Deutschland entwickelt, dem gelinge es damit auch weltweit. So entlasten die KMG Klinik Boizenburg ihr rares Fachpersonal etwa bei der Kodierung von Fällen. Doch das ist kostenintensiv, denn für die notwendigen Schnittstellen werden erhebliche Summen durch die Anbieter aufgerufen. Auch beim Thema KI können Unternehmen und Organisation sehr von einem konstruktiven und offenen Austausch profitieren. So gibt es bei der Wismarer Digital-Agentur click solutions ein regelmäßiges Format, bei dem sich Beschäftigte über Erfolge und Probleme im Umgang mit KI-Tools austauschen können. 16 Titelthema Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Bilder: Impressionen zum Jahresempfang 2026 der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin im LudwigBölkow-Haus. Titelthema 17 Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
Immerhin möchte die Kammer auch anno 2026 wieder 1.250 Ausbildungsverträge unterzeichnen, um damit Zukunftschancen vor der Haustür zu ermöglichen und gleichermaßen dem Fachkräftebedarf entgegenwirken. Zum 19. Mal und damit seit Beginn dieses besonderen Messeformats präsentierte die IHK Ende Februar die Karrierevielfalt in der Region. „Da sind jede Menge Zukunftsberufe dabei, spannende Herausforderungen für interessierte junge Menschen“, so Peter Todt. Insgesamt stellten sich bei der jüngsten Auflage der JUMPIN 82 Unternehmen vor – ein Rekord. Jugendliche und erfreulicherweise viele Eltern informierten sich an den Ständen, die in der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit dicht an dicht gereiht waren. VON DER MESSE IN DIE AUSBILDUNG – VON DER AUSBILDUNG AUF DIE MESSE Zwei Azubis standen in besonderer Weise für den Erfolg dieses Messeformats: Die eine ist Melissa Altenhof. Ihr Freund Juri, der bei der WEMAG lernt, wies sie 2024 auf die JUMPIN hin. „Ich wollte Industriekauffrau werden. Das ist ein vielseitiger Beruf“, sagt die heute 21-Jährige. Am WEMAG-Stand bekam sie den Tipp, mal beim Kabelhersteller Prysmian nachzufragen. „Das habe ich sofort gemacht, ein Match gelandet und mich noch am gleichen Tag beworben.“ Melissa zog von Bitterfeld nach Schwerin, begann die Ausbildung. Zum zweiten Mal präsentierte sie jetzt ihr Unternehmen in der HdBA. Zum ersten Mal machte das kürzlich Lukas Heine, und zwar für die Räber Elektrotechnik. „Genau vor einem Jahr war ich ebenfalls hier auf der JUMPIN. Ich hatte den Wunsch Elektriker zu werden und eine Kurzbewerbung dabei“, erinnert sich der 16-Jährige aus Schwerin. Selbstbewusst steuerte er den Stand seines heutigen Ausbildungsbetriebes an und fragte, ob es Kapazitäten geben würde. Gab es! „Wir sprachen, ich ließ meine Daten da. Schon am nächsten Tag reagierte das Unternehmen, lud mich ein und legte mir den Vertrag vor. Ich wurde so sehr mit offenen Armen empfangen…“ Lukas schwärmt. Immer noch. „Ich empfinde das als großes Glück. So einfach kann es sein, eine Top-Ausbildung zu bekommen. Die Messe war eine supergute Gelegenheit für meine Entscheidung.“ KAMPF UM DIE BESTEN KÖPFE HÄLT UNVERMINDERT AN „Die große Vielfalt der beruflichen Ausbildung macht es jungen Menschen nicht unbedingt leichter, das Richtige zu finden. Wir können alles bieten – außer Bergbau“, sagt Peter Todt. Er weiß darum, wie wichtig die Initiativen der IHK sind, um den Mitgliedsunternehmen unterstützend zur Seite zu stehen. Denn die haben Nachwuchssorgen und können längst nicht alle auf den vielen Veranstaltungen zur Berufsorientierung unterwegs sein. Bei diesen Events zeigt sich ein Problem. „Uns fehlen nicht die tollen Angebote. Uns fehlen die jungen Menschen!“ bringt es Guntram Sydow, Chef der Schweriner Arbeitsagentur, sehr deutlich auf den Punkt. Rund 100 Jugendliche gelten aktuell noch als unversorgt. Sie haben somit noch keine Ausbildung begonnen oder ein Studium aufgenommen. „Gleichzeitig melden uns die Unternehmen der Region 200 bis 300 unbesetzte Stellen. Dieser Diskrepanz müssen wir uns als Partner am Arbeitsmarkt stellen.“ Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin engagiert sich daher seit Jahren in herausragender Weise. Präsenz bei verschiedensten Formaten der Berufsorientierung, die eigene Lehrstellenbörse, Ausbildungsberatung, Praxislerntage oder Praktikum – es wird jede Menge getan, damit niemand auf dem Weg ins Berufsleben verloren geht. Ein besonderes Projekt sind die Azubi-Botschafter. AZUBI-BOTSCHAFTER DER IHK SIND GEFRAGTE ANSPRECHPARTNER Ina Schmidt möchte künftig gern im Büro arbeiten. Die 17-Jährige aus Dümmer bei Schwerin weiß, dass Peter Todt, Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK zu Schwerin, verweist gern auf die Vielzahl von Entwicklungsmöglichkeiten bei den IHK-angehörigen Unternehmen: „Wir stehen hier für 150 Ausbildungsberufe in mehr als 1.000 Unternehmen Westmecklenburgs – da kann wirklich jeder etwas finden!“. ERFOLGREICHES MESSEFORMAT LOCKT MEHR ALS 1.000 BESUCHER JUMPIN – Mit Anlauf in den Ausbildungsbetrieb Kaufmännische Berufe, duale Studiengänge und der Bereich IT sind aktuell bei Jugendlichen am meisten nachgefragt. Rica Witt 18 Aus- und Weiterbildung Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026
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