IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 03/04 2026

Europa und Deutschland stehen im globalen Wettbewerb mit den Großmächten USA und China unter erheblichem Druck. Für Unternehmen bedeutet dies neue Herausforderungen, aber auch Chancen: Ob bei der Diversifizierung von Lieferketten, strategischen Partnerschaften oder grünem Wachstum. Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin internationale Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), erläutert, wie der Mittelstand Abhängigkeiten senken, neue Märkte erschließen und international wettbewerbsfähig bleiben kann.  Wo stehen Europa und insbesondere Deutschland im Wettbewerb der großen Mächte USA und China – und was heißt das ganz praktisch für die Unternehmen hierzulande? Europa und besonders Deutschland stehen in einem intensiver werdenden Wettbewerb zwischen den USA und China. Beide Großmächte setzen strategisch auf technologische Führerschaft, geopolitischen Einfluss und die Sicherung von Schlüsselindustrien. Für Deutschland als starke, exportorientierte Volkswirtschaft bedeutet das: Wir können nicht nur von der Seite aus zusehen, sondern sind direkt betroffen – sowohl durch globale Lieferketten als auch politische Rahmenbedingungen wie Handelsrestriktionen oder Subventionsprogramme. Unternehmen hierzulande müssen deshalb ihre Geschäftsmodelle robuster und flexibler gestalten. Dazu gehört die Diversifizierung von Märkten und Lieferketten, um Abhängigkeiten zu reduzieren, „Localfor-local“-Strategien, sowie stärkere Investitionen in Zukunftstechnologien.  Stichwort Risikoreduzierung bei China-Abhängigkeiten: Was liegt bei den Unternehmen, wo kann der Staat sinnvoll flankieren? Welche ersten Schritte sind realistisch, ohne den Handel abzubrechen? Die Unternehmen sind sich der Risiken bewusst und ergreifen bereits Maßnahmen, um Abhängigkeiten zu reduzieren. In Umfragen berichten uns jedoch über 80 Prozent der Unternehmen von Herausforderungen bei der Diversifizierung. Jeder zweite Betrieb hat Probleme, passende Lieferanten zu finden. Jedes dritte Unternehmen beklagt wachsende Rechts- und Regulierungsprobleme. Es braucht schnellere und umfassende Handelsabkommen, einen spürbaren Abbau der Bürokratie in der Außenwirtschaft und in der Praxis anwendbare Vorgaben bei den Sorgfaltspflichten. Ellenlange Fragenkataloge verbessern die Lieferketten-Resilienz nicht und erschweren es unseren Unternehmen, auch in risikoreicheren Märkten aktiv zu werden.  Kommen wir auf Importabhängigkeiten von China zu sprechen: Bei welchen Produkten sind deutsche Firmen besonders verwundbar – und wie lassen sich diese Risiken konkret verringern? Insgesamt sind laut EU-Kommission nur sechs Prozent aller Importe von strategischen Abhängigkeiten betroffen, ein Drittel davon sind kritische Rohstoffe. Allerdings haben die Unterbrechungen in den Lieferketten aufgrund von Exportrestriktionen bei seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen noch einmal die Abhängigkeiten gegenüber China verdeutlicht. Fast die Hälfte der weltweiten Rohstoffverarbeitung findet in China statt. Um diese Abhängigkeiten zu verringern, braucht es vertiefte Partnerschaften mit anderen rohstoffreichen Partnern unter starker Einbindung der Wirtschaft. Der Rohstoff-Fond der Bundesregierung kann hier flankieren. Es braucht aber auch privates Kapital, zum Beispiel über Private-Public-Partnerships. Diese Investitionen würden nicht nur unsere Abhängigkeiten verringern, sondern könnten über die Entwicklungszusammenarbeit auch die lokale Wertschöpfung stärken.  Wie wirken chinesische Subventionen, Überkapazitäten und ein schwacher Yuan auf deutsche Exporte – und wie reagieren Unternehmen darauf? Die deutsche Exportwirtschaft steht wegen all dieser Punkte unter Druck. China hat Deutschland – auch aufgrund wettbewerbsverzerrender Maßnahmen seitens der Regierung – in den vergangenen Jahren erhebliche Anteile auf dem Weltmarkt abgenommen und zugleich stark an Bedeutung für deutsche Exporte verloren. Ein zentrales Thema ist der schwache Yuan: Experten zufolge ist der Yuan gegenüber dem Euro deutlich unterbewertet – ein großer Kostenvorteil für chinesische Exporteure gegenüber westlichen Konkurrenten. Der Wechselkurs wird von der chinesischen Zentralbank kontrolliert und entwickelt sich nicht frei nach Marktkräften. Trotz aller Herausforderungen bleibt China nicht nur ein zentraler Markt, sondern wird auch ein immer wichtigerer Innovations- und Technologiepartner. Dementsprechend müssen diese wettbewerbsverzehrenden Maßnahmen auf Regierungsebene offen angesprochen und gelöst werden.  Mittlerweile gilt China als Innovations-Treiber statt als Kopierer – wie bleiben deutsche Unternehmen wettbewerbsfähig? Viele Unternehmen berichten, dass sie in China nur mit zusätzlichen Investitionen vor Ort wettbewerbsfähig bleiben können. Zudem ist China längst nicht mehr nur Werkbank, sondern – wie Sie sagen, Innovator. Auch  ABHÄNGIGKEITEN RUNTER, WACHSTUM RAUF Risiken im China-Geschäft 34  International Wirtschaftskompass 03 | 04 | 2026

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