IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 07/08 2026

Bilder: pixabay Afrika bietet exportorientierten Unternehmen enormes Wachstumspotenzial: Steigende Nachfrage, wachsende Industrien und die zunehmende Integration in den Welthandel schaffen attraktive Chancen. Gleichzeitig stellt das Forderungsmanagement deutlich höhere Anforderungen als in etablierten Märkten. Die durchschnittlichen Forderungslaufzeiten (Days Sales Outstanding, DSO) liegen in vielen afrikanischen Märkten zwischen 80 und 120 Tagen – und damit deutlich über dem europäischen Niveau von rund 45 Tagen. Diese verlängerten Zahlungszyklen sind eng mit strukturellen Risiken verknüpft. In Nigeria etwa erschweren volatile Wechselkurse und der eingeschränkte Zugang zu Devisen die Begleichung internationaler Rechnungen. Gleichzeitig deuten die Quoten notleidender Kredite von teils über 10 Prozent oder sogar 15 Prozent auf ein erhöhtes Zahlungsausfallrisiko hin. Auch makroökonomische Rahmenbedingungen variieren stark: Während einige Länder von hoher Inflation und wirtschaftlicher Volatilität geprägt sind, profitieren andere von vergleichsweise stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen. Hinzu kommen unterschiedliche Zahlungskulturen. In Teilen Westafrikas werden lange Zahlungsziele häufig akzeptiert, während rechtliche Verfahren oft zeitaufwendig und schwer planbar sind.  ZENTRALE HERAUSFORDERUNGEN IM FORDERUNGSMANAGEMENT Typische Risiken im Afrikageschäft entstehen aus dem Zusammenspiel rechtlicher Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Faktoren sowie kultureller Besonderheiten in den jeweiligen Märkten. Für exportorientierte Unternehmen bedeutet das: Erfolgreiches Forderungsmanagement erfordert mehr als standardisierte Prozesse. Gefragt sind ein differenzierter Blick und individuell angepasste Lösungen je nach Marktumfeld. 1. RECHTLICHE UND KULTURELLE UNTERSCHIEDE VERSTEHEN Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich stark zwischen einzelnen Märkten – sei es zwischen Nigeria, Senegal oder den Mitgliedstaaten der OHADA (Organisation pour l'harmonisation en Afrique du Droit des Affaires). Selbst dort, wo das Wirtschaftsrecht formal harmonisiert ist, variiert die praktische Umsetzung erheblich. Hinzu kommen kulturelle Unterschiede: Vertragsauslegung, Fristen oder der Stellenwert mündlicher Vereinbarungen sind nicht überall gleich. Für Exporteure bedeutet das, Verträge sorgfältig und idealerweise zweisprachig zu gestalten und von Beginn an auf eine saubere Dokumentation zu achten. 2. INKASSOSTRATEGIE INDIVIDUELL AUSRICHTEN Die Zahlungskultur in Afrika ist heterogen und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. In Teilen Westafrikas sind Zahlungsziele von 90 Tagen und mehr keine Ausnahme und werden im Geschäftsalltag oft akzeptiert. Gleichzeitig unterscheiden sich Kommunikationswege und Erwartungshaltungen stark: Während in einigen Ländern schriftliche Mahnungen ausreichen oder ein Anruf genügt, sind in anderen persönliche Kontakte oder direkte Gespräche entscheidend für den Erfolg. Für Exporteure bedeutet das, Inkassomaßnahmen gezielt am Kundenprofil auszurichten. BesonDas EU-USA-Handelsabkommen ist am 1. Juli 2026 vollständig in Kraft getreten. Damit verfügen Unternehmen erstmals seit rund einem Jahr wieder über einen verbindlichen Rechtsrahmen für den transatlantischen Warenverkehr. Die EU schafft ihre Zölle auf US-Industriegüter vollständig ab. Die USA begrenzen ihre Zölle auf die meisten EU-Exporte hingegen auf maximal 15 Prozent. Für Stahl, Aluminium und Kupfer gelten weiterhin gesonderte Zollregelungen zwischen 15 und 50 Prozent je nach Warenkategorie. Das Abkommen ist bis Ende 2029 befristet. Für Unternehmen verbessert dies die Planbarkeit von Lieferketten, Investitionen und Preisgestaltung. Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen. So können die USA unabhängig vom Abkommen weiterhin handels-  EIN KONTINENT, VIELE REALITÄTEN Forderungen in Afrika aktiv managen  EU-USA-HANDELSABKOMMEN Mehr Planungssicherheit für Unternehmen IHK ZU SCHWERIN Merle Poppke  0385 5103-214 poppke@schwerin.ihk.de 42  International Wirtschaftskompass 07 | 08 | 2026

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