IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 09/10 2026

Praxis statt Theorie, gute Perspektiven und ein wertschätzendes Miteinander – das sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Ausbildung. Das zeigt die aktuelle Azubi-Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Ostdeutschland, an der sich mehr als 5.300 Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr beteiligt haben. Die Ergebnisse machen deutlich: Für junge Menschen zählt vor allem der direkte Bezug zur Praxis. 94 Prozent der Befragten nannten praktische Tätigkeiten als wichtigen Grund für ihre Berufswahl. Ebenso wichtig sind sichere Zukunftsperspektiven: Rund 92 Prozent erwarten gute Übernahme- und Karrierechancen nach der Ausbildung. Gleichzeitig spielt ein positives Betriebsklima eine entscheidende Rolle – nicht überraschend, denn 85 Prozent würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Auch bei der Berufsorientierung zeigen sich interessante Entwicklungen. Persönliche Kontakte zu Familie, Freunden oder Bekannten gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben Praktika und Ferienjobs wichtige Bausteine, um Berufe kennenzulernen und Unternehmen von sich zu überzeugen. Für Betriebe bestätigt sich damit einmal mehr: Wer frühzeitig Einblicke in den Arbeitsalltag ermöglicht, erhöht die Chancen, motivierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Positiv fällt auch der Blick auf den Bewerbungsmarkt aus. Ein Drittel der Jugendlichen erhielt bereits nach einer Bewerbung eine Ausbildungszusage, zwei Drittel bekamen innerhalb eines Monats eine Rückmeldung. Schnelle Bewerbungsprozesse und eine gute Kommunikation zahlen sich also aus. Nachdenklich stimmt dagegen ein neuer Befund der Umfrage: Drei von zehn Auszubildenden haben vor Ausbildungsbeginn zunächst ungelernt gearbeitet, viele davon länger als sechs Monate. Häufig waren Unsicherheiten bei der Berufswahl oder die Zeit bis zum Ausbildungsstart ausschlaggebend. Hier zeigt sich, wie wichtig eine frühzeitige und praxisnahe Berufsorientierung bleibt. Auch die Mobilität bleibt eine Herausforderung. Jeder vierte Jugendliche hat bereits ein Ausbildungsangebot wegen zu großer Entfernungen oder schlechter Verkehrsanbindung ausgeschlagen. Besonders im ländlichen Raum gewinnen deshalb Wohnheime, gute ÖPNV-Anbindungen und digitale Unterrichtsangebote zunehmend an Bedeutung. Erstmals wurde zudem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz untersucht. KI gehört für viele Auszubildende inzwischen selbstverständlich zum Alltag: 62 Prozent nutzen entsprechende Anwendungen privat, knapp die Hälfte bereits in der Berufsschule und rund jeder Fünfte im Ausbildungsbetrieb. Damit wird deutlich, dass digitale Kompetenzen künftig noch stärker Bestandteil der beruflichen Bildung sein werden. Das Fazit der Umfrage ist eindeutig: Wer qualifizierte Nachwuchskräfte gewinnen und langfristig binden möchte, sollte auf eine hochwertige Ausbildung, gute Betreuung, moderne Arbeitsbedingungen und echte Entwicklungsperspektiven setzen. Denn genau diese Faktoren machen Unternehmen für die Fachkräfte von morgen attraktiv.  AZUBI-UMFRAGE Was Azubis heute wirklich wollen Neue Ausbildungs- berufe 2026 Berufe, mit deren Ausbildungsordnung in der Regel ein oder mehrere Vorgängerberufe nach aufgehoben werden (m/w/d).  Ausbaufacharbeiter  Bautechnischer Konstrukteur  Bauwerksmechaniker für Abbruch und Betontrenntechnik  Beton- und Stahlbetonbauer  Brunnenbauer  Estrichleger  Fliesen-, Platten- und Mosaikleger  Gleisbauer  Hochbaufacharbeiter  Kanalbauer für Infrastrukturtechnik  Kaufmann für Mobilität und Verkehrsservice  Leitungsbauer für Infrastrukturtechnik  Maurer  Spezialtiefbauer  Straßenbauer  Stuckateur  Tiefbaufacharbeiter  Trockenbaumonteur  Zimmerer  85 Prozent der Azubis würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Aus- und Weiterbildung  27 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

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