IHK-Wirtschaftsmagazin WIKO - Ausgabe 09/10 2026

Magazin der IHK zu Schwerin 09 | 10 | 2026 BESONDERES AUSBILDUNGS- ENGAGEMENT Anja Lux HR-Managerin Schloss Basthorst Geschäfte mit den USA 14 IHK-Ausbildungsumfrage 26 Schweriner Immobilienforum 35 WIKO Wirtschaftskompass Westmecklenburg

www.derausbildungsatlas.de

Bilder: Rubrik  1 Die Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung bleiben weiterhin bestehen. Besonders im Handel und in der Gastronomie wird die angespannte wirtschaftliche Situation in Westmecklenburg sichtbar. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen bei gewerblichen Ausbildungsberufen, etwa in der Metalltechnik, der Elektrotechnik und der Logistik. Was mir dabei besonders wichtig ist: Unsere Mitgliedsunternehmen stellen sich dieser Herausforderung. Sie bilden weiterhin aus, investieren langfristig in ihren Nachwuchs und sind bereit, auch noch kurzfristig mit Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Ausbildung ist eben kein Sprint, sondern ein Marathon. Die aktuellen Umfragen zeigen gleichzeitig sehr deutlich, was junge Menschen von Ausbildung erwarten: Praxisnähe, gute Betreuung, Wertschätzung und vor allem eine Perspektive für die eigene berufliche Zukunft. Genau hier liegt eine große Chance für die duale Ausbildung. Denn kaum ein anderer Bildungsweg verbindet Lernen und praktische Erfahrung so unmittelbar. Auch Westmecklenburg bietet dafür gute Voraussetzungen: attraktive Ausbildungsplätze, leistungsfähige Berufsschulstandorte und Ausbildungsvergütungen, die sich bundesweit sehen lassen können. Diese Stärken müssen wir noch sichtbarer machen. Denn es geht nicht nur darum, Ausbildungsplätze zu besetzen. Es geht darum, junge Menschen für Berufe und Unternehmen zu begeistern und ihnen zu zeigen, welche Chancen eine Ausbildung eröffnet. Dafür braucht es frühzeitige Berufsorientierung, mehr Praktika und persönliche Kontakte. Unternehmen, Schulen, Eltern, Bildungsträger und Politik müssen dabei eng zusammenarbeiten. Und wir müssen auch jene Jugendlichen erreichen, die noch nicht genau wissen, welcher Beruf zu ihnen passt. Hinzu kommen neue Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Sie verändern die Arbeitswelt – und damit auch die Anforderungen an Ausbildung. Unsere Aufgabe ist es, junge Menschen darauf vorzubereiten und ihnen gleichzeitig die Sicherheit zu geben, die eine hochwertige berufliche Ausbildung vermittelt. 1.118 Ausbildungsstarts sind deshalb mehr als eine Zahl. Sie sind 1.118 individuelle Zukunftschancen – und 1.118 Chancen für unsere Mitgliedsunternehmen, Fachkräfte von morgen selbst zu entwickeln. Eine gesicherte berufliche Zukunft beginnt idealerweise mit einer soliden Ausbildung der Fachkräfte, die wir dringend benötigen. Diese Chancen sollten wir gemeinsam nutzen. Lisa Haus Hauptgeschäftsführerin Ausbildungsbeginn: Erwartungen und Ansprüche Bild: info@paperheroes.de IHK Direkt 0385 5103 111 Der schnelle Weg zur IHK. Es geht darum, junge Menschen für Berufe und Unternehmen zu begeistern und ihnen zu zeigen, welche Chancen eine Ausbildung eröffnet. Editorial Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

 STANDORTPOLITIK 11 Eine Leidenschaft für Kaffeegenuss 12 Erste Politiklounge mit Wahlforscher Korte 14 Handelspoltik  TITELTHEMA 16 Besonderes Ausbildungsengagement 17 Solider Ausbildungsstart 18 Der Start entscheidet 18 Eine Ausbildung, viele Möglichkeiten 20 Ausbildung ist Herzenssache 22 Vom Schüler zum Botschafter  INNOVATION & UMWELT 23 Von MV in die Space Economy 24 Elementarhy GmbH – Grüner Wasserstoff für Erde und Weltraum 24 XelerateVR GmbH – Wenn Virtual Reality natürlich wird 24 Ship Monitor by JDS GmbH – Maritime Daten werden Space-Technologie 24 XelerateVR GmbH – Wenn Virtual Reality natürlich wird  AUS- & WEITERBILDUNG 26 IHK-Ausbildungsumfrage 27 Was Azubis heute wirklich wollen 27 Neue Ausbildungsberufe 2026 28 Mit Respekt gestartet, mit Freude angekommen 28 Neue Prüfungsordnungen schaffen 29 Serviceportal für Ausbildungsbetriebe 30 Neue Förderung 31 Kosten in der Ausbildung abmildern 31 Unterstützung bei der Berufsausbildung  EXISTENZGRÜNDUNG & UNTERNEHMENSFÖRDERUNG 32 Attraktiver Standort Westmecklenburg 33 Neue IHK-Fachberaterin 33 Unter Reformdruck 34 Nachfolger suchen Unternehmen 35 Schweriner Immobilienforum 36 Gemeinsam stärker  RECHT & STEUERN 37 Online-Kündigung 38 Recht auf Reparatur 40 Amtliche Bekanntmachungen 56 Milliardenrisiko Cyberangriffe 27 37  ONLINE- KÜNDIGUNG Unternehmen dürfen Verbraucher auf der Bestätigungsseite einer Online-Kündigung nicht mehr mit zusätzlichen Angeboten von der Kündigung abbringen. Der Bundesgerichtshof stellt klar: Die Seite darf ausschließlich der Abwicklung der Kündigung dienen.  WAS AZUBIS HEUTE WIRKLICH WOLLEN Praxis statt Theorie, gute Perspektiven und ein wertschätzendes Miteinander – das sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Ausbildung. Das zeigt die aktuelle Azubi-Umfrage der IHKs in Ostdeutschland, an der sich mehr als 5.300 Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr beteiligt haben. Inhalt 2  Inhalt Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

12  ERSTE POLITIKLOUNGE Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern war der renommierte Politikforscher Prof. Dr. KarlRudolf Korte zu Gast in der ersten Politiklounge der IHK zu Schwerin.  ATTRAKTIVER STANDORT WESTMECKLENBURG Wenngleich die wirtschaftlich schwierige Gesamtlage vielen Betrieben derzeit Probleme bereitet, gibt es auch positive Entwicklungen in Westmecklenburg zu beobachten. Insbesondere der Industriepark Schwerin zeichnet sich in jüngster Zeit durch eine erfreuliche Wachstumsdynamik aus.  VON MV IN DIE SPACE ECONOMY Bei der diesjährigen NØRD im Mai 2026 stellte der InnovationPort Wismar das Programm gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des ESA-BICNorthern Germany Netzwerks sowie MecklenburgVorpommerns Wirtschaftsminister Dr. Wolfgang Blank auf der Mainstage vor. 23 32 Inhalt  3 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Das Fachbüro für Baumgutachten und Baumbewertung GmbH (FBB GmbH) von Corinna Koch aus Kloster Tempzin untersucht Bäume auf ihre Stand- und Bruchsicherheit, beurteilt Vitalität und Erhaltungswürdigkeit und erstellt Baumgutachten sowie Baumkataster und überwacht baumnahe Tiefbauarbeiten. Dabei geht es längst nicht immer ums Fällen. Ziel ist auch, Risiken frühzeitig zu erkennen und Möglichkeiten zum Erhalt eines Baumes aufzuzeigen. FÜR UNSERE REIHE „GESICHTER DER WIRTSCHAFT“ HABEN WIR CORINNA KOCH VIER FRAGEN ZU IHREM UNTERNEHMERISCHEN ALLTAG GESTELLT.  WORAUF SIND SIE ALS UNTERNEHMERIN STOLZ? Ich bin stolz, dass ich mit meiner Arbeit die Wirtschaft und dabei besonders Bauprojekte voranbringe. Bei Baumkontrollen helfe ich, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Menschenleben zu schützen, indem ich fundiert nachweise: Kann der Baum stehen bleiben oder nicht.  WAS GEHÖRT BEI IHNEN ZUM GUTEN HANDWERK EINER UNTERNEHMERIN? Respekt ist enorm wichtig! Ich arbeite viel mit Tiefbauern zusammen, die draußen bei jedem Wetter im Baugraben stehen und für die Allgemeinheit arbeiten. Ich achte hier sehr darauf, auf Augenhöhe zu erklären, warum wir baumnah so arbeiten und nicht anders. Und da muss man auch mal selbst Hand anlegen und zeigen, wie die Wurzel am besten erhalten werden kann. In solchen Momenten kommt dann oft die Ansage: „Das musst Du aber wirklich nicht selbst machen“. Aber ich mache es, weil: wenn ich nur klugscheißend danebenstehe, wenig erreiche. Was dabei besonders wichtig ist: Man muss sich immer selbst treu bleiben und sich nicht von außen hineinreden lassen. Wenn man weiß, warum man was wie tut, kann einem nichts passieren.  WAS FRISST BEI IHNEN DIE MEISTE ZEIT? Unkenntnis. Nicht zuhören können. Nicht kompromissfähig sein und alle Arbeiten auf den Auftragnehmer abwälzen. Das sind Dinge, die die Bürokratie nachhaltig fördern. Wenn am Baum ein eindeutiges Symptom vorhanden ist, das als Versagenskriterium einzustufen ist – also etwa ein aggressiver Wurzelpilz sichtbar ist –, dann sagt der gesunde Menschenverstand: Fällen! Bevor etwas passiert. Stattdessen heißt es oft, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind. Oder: Vom Amt kommt, nach der Feststellung des Schadens am Baum, die Aufforderung, Bilder und eine kurze Beschreibung zu erstellen, damit sie nach Aktenlage entscheiden können. Rausfahren und selber hinschauen gehört dazu leider nicht. Da denke ich immer: Schade um die Zeit.  WELCHEN TIPP WÜRDEN SIE ANDEREN GEWERBETREIBENDEN GEBEN? Wenn man das tut, was man gerne macht; die Arbeit Freude bringt und man gerne zur Arbeit kommt, dann sollte man den Mut haben, seine Sache durchzuziehen. Wir sind in diesem Moment auf der richtigen Seite des Lebens, ehrlich und verantwortungsvoll. Und was in keinem Fall fehlen darf, ist ein gesunder Respekt vor den Mitmenschen, mit denen wir arbeiten, und vor der Aufgabe selbst.  CORINNA KOCH Gesichter der Wirtschaft  VON KI BIS CYBERSICHERHEIT Tag der Digitalisierung im DeveLUP  Corinna Koch, Fachbüro für Baumgutachten und Baumbewertung GmbH Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit verändern zunehmend den Unternehmensalltag. Doch welche digitalen Lösungen bringen einen echten Mehrwert? Wie gelingt es, Mitarbeitende bei Veränderungen mitzunehmen? Und wie können gerade kleine und mittlere Unternehmen neue Technologien sinnvoll und praxisnah einsetzen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt der Tag der Digitalisierung 2026 der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg. Am 6. Oktober 2026 sind Unternehmen aus ganz Westmecklenburg eingeladen, sich ab 09:00 Uhr im Zukunftszentrum DeveLUP in Ludwigslust zu aktuellen Digitalisierungsthemen zu informieren.  DIGITALISIERUNG AUS DER PRAXIS Im Mittelpunkt des Tages stehen konkrete Herausforderungen, die Unternehmen bereits heute beschäftigen. In verschiedenen Workshops und Vorträgen zeigen Fachleute, welche Möglichkeiten digitale Lösungen bieten und wie sich diese im betrieblichen Alltag einsetzen lassen.  AUSTAUSCH,WORKSHOPS UND IMPULSE Neben den Workshops bietet die Veranstaltung Raum für Austausch und Vernetzung. Nutzen Sie daher diese Gelegenheit, um neue Impulse mitzunehmen und mit Expertinnen, Experten und anderen Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme an der Veranstaltung und den Workshops ist kostenfrei. Bild: IHK/info@paperheroes.de 4  Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Am 9. Juli 2026 fand die diesjährige Preisverleihung „Unternehmerin und Unternehmer des Jahres“ im Güterbahnhof in Neubrandenburg statt. Bereits zum 18. Mal wurden die Preisträger des Landes in den unterschiedlichen Kategorien prämiert. Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, zeichnete in den vier Kategorien „Unternehmerpersönlichkeit“, „Unternehmensentwicklung“, „Fachkräftesicherung und Integration“ sowie „Nachhaltigkeit“ – ergänzt um einen Sonderpreis „Mut zur Nachfolge“- aus. In jeder Kategorie wurden zudem zwei Finalisten gewürdigt. 118 Unternehmen wurden in diesem Jahr für den Wettbewerb nominiert, so dass die Jury schwierige Entscheidungen treffen musste.  NACHHALTIGKEIT Friedhelm und Nico Neumann von der GreenLife GmbH und der GreenLife Production GmbH aus Schwerin erhielten diese Auszeichnung. Beide Unternehmen haben sich auf die Herstellung von Behältern aus Kunststoff für Wasseraufbereitungsanlagen sowie die Projektierung und Produktion von Wassermanagementsystemen spezialisiert. Die seit 2003 bestehende GreenLife GmbH ist eine Ausgründung aus dem Schweriner Unternehmen Schoeller ArcaSystems GmbH. 2008 folgte dann die Gründung der heutigen GreenLife Productions GmbH als Produktionsunternehmen mit Spezialisierung auf Spritzgussverfahren. Die Produktion erfolgt überwiegend durch Einsatz recycelter Kunststoffe ohne Weichmacher und umweltbelastende Inhalte. Inzwischen werden Kunden in 40 Ländern betreut. Träger des Wettbewerbs sind das Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, der Ostdeutsche Sparkassenverband mit den Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, die Landesarbeitsgemeinschaft der drei Industrie- und Handelskammern, die Arbeitsgemeinschaft der beiden Handwerkskammern sowie die Vereinigung der Unternehmerverbände Mecklenburg-Vorpommern  AUSZEICHNUNG FÜR GREENLIFE AUS SCHWERIN Unternehmer des Jahres 2026 Eine Präsenz auf LinkedIn, Instagram oder Facebook gehört für die meisten Unternehmen zur modernen Unternehmenskommunikation. Doch in der Praxis fehlen intern häufig Zeit, Ressourcen und die notwendige Expertise, um diese Kanäle strategisch, rechtssicher und kontinuierlich zu bespielen. „Social Media macht man nicht nebenbei. Für Unternehmen gelten andere Anforderungen als bei der privaten Nutzung – von strategischen Fragen über die Content-Produktion bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen. Wie viele Aspekte zusammenspielen, wird erst deutlich, wenn man sich intensiver damit beschäftigt“, sagt Susanne Seibig, Inhaberin von AMELLI'S | Social Media. Der Schritt in die Selbstständigkeit liegt für sie bereits einige Jahre zurück. Zuvor war sie lange im Marketing eines internationalen Medienkonzerns tätig. Diese Erfahrung verbindet sie mit fundierter Social-Media-Expertise und dem Know-how aus Kundenprojekten unterschiedlicher Branchen. Dabei arbeitet sie mit B2B- und B2C-Unternehmen aus der Region, ganz Deutschland und auch international zusammen. Wie die Zusammenarbeit aussieht, richtet sich nach dem jeweiligen Bedarf der Unternehmen: vom kompakten Sparring und individuellen Coaching über strategische Beratung bis hin zum laufenden Social-Media-Management. „Manchmal reicht schon ein kleiner Impuls von außen, um Klarheit zu schaffen und die nächsten Schritte gezielt anzugehen. Social Media muss nicht kompliziert sein, aber strategisch durchdacht.“  Susanne Seibig, AMELLI'S | Social Media  In der Kategorie Nachhaltigkeit konnte Friedhelm Neumann den Preis als Unternehmer des Jahres 2026 entgegennehmen. Zu den ersten Gratulanten gehörten der IHK-Präsident Matthias Belke und Lisa Haus, IHK-Hauptgeschäftsführerin.  ONLINE PRÄSENZ Social Media strategisch gedacht Manchmal reicht schon ein kleiner Impuls von außen, um Klarheit zu schaffen und die nächsten Schritte gezielt anzugehen. Social Media muss nicht kompliziert sein, aber strategisch durchdacht. Bild: IHK Wirtschaftsregion Westmecklenburg  5 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Schwerin wird noch stärker zum Kaffee-Standort: Das Nestlé-Werk in der Landeshauptstadt übernimmt zusätzliche Produktionsaufgaben innerhalb des internationalen Konzerns und fährt seine Kapazitäten deutlich hoch. Die Zahlen sind beeindruckend: Künftig sollen in Schwerin rund 2,3 Milliarden Kaffeekapseln pro Jahr produziert werden. Bislang sind es etwa 1,8 Milliarden. Das entspricht einem Plus von rund 500 Millionen Kapseln oder 28 Prozent. Für die Beschäftigten bedeutet der Produktionsschub vor allem eines: Es gibt neue Jobs. Und für die Menschen in Schwerin und Umgebung gibt es eine besonders erfreuliche Nachricht: Mit dem Ausbau entstehen rund 50 neue berufliche Perspektiven, die das derzeit etwa 350-köpfige Werksteam verstärken. Gesucht werden unter anderem Maschinen- und Anlagenführer, Mechatroniker, Elektriker und Elektroniker sowie Mitarbeiter für die Logistik.  DREI LINIEN GEHEN IN DEN VIERTEN GANG Mehr Produktion bedeutet auch mehr Arbeit im Werk. Deshalb werden drei der insgesamt zehn Fertigungslinien vom bisherigen Drei-Schicht- auf einen Vier-Schicht-Betrieb umgestellt. Das Werk ist seit 2014 in Betrieb. Inzwischen stehen dort zehn Abfüll- und acht Verpackungslinien. Rund 20 Milliarden Kaffeekapseln sollen seit der Eröffnung bereits in Schwerin produziert worden sein. Für Nestlé ist die Entscheidung ein klares Bekenntnis zum Standort. Deutschland-Chef Alexander von Maillot spricht von einem „starken Signal“ und betont die Leistungsfähigkeit des Werks und seiner Mitarbeiter.  NACHHALTIGKEIT GEWINNT AN BEDEUTUNG Nicht nur die Produktionsmenge wächst. Nach Angaben des Unternehmens wird der gesamte Strombedarf des Schweriner Werks schon heute aus erneuerbaren Energien gedeckt. Auch beim Verpackungsmaterial wurde nachgebessert: Die Wandstärke der Kaffeekapseln wurde um 20 Prozent reduziert, wodurch der Plastikanteil deutlich gesunken sei. Damit setzt der Konzern in Schwerin weiter auf einen Standort, der Produktion, moderne Technik und Nachhaltigkeit verbinden soll. Nach Unternehmensangaben stammt der im Schweriner Werk verarbeitete Kaffee vollständig aus verantwortungsvoller, extern verifizierter Beschaffung im Rahmen des NESCAFÉ Plans. Ziel des Programms ist, die KaffeeLieferkette widerstandsfähiger zu machen und den Kaffeeanbau langfristig zu gewährleisten. Vor Ort in Schwerin werden die Kaffeebohnen aus dem NESCAFÉ Plan geröstet, gemahlen und weiterverarbeitet.  MEHR KAFFEE AUS SCHWERIN 50 neue Jobs bei Nestlé Nescafé Dolce Gusto in Schwerin legt kräftig zu: Nestlé baut die Produktion aus – und schafft rund 50 neue Arbeitsplätze. Ab 2027 sollen dort jedes Jahr 2,3 Milliarden Kaffeekapseln vom Band laufen. Mit der positiven Entwicklung unserer Volumina eröffnen wir Menschen in Schwerin und der Region neue berufliche Perspektiven. Unser Standort zählt zu den modernsten bei Nestlé in Deutschland und wir freuen uns darauf, neue Kolleginnen und Kollegen für unser Team zu gewinnen.  Thomas Kolodzinsky, Werkleiter Nestlé Schwerin 6  Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: Nestlé Deutschland

Bilder: Barbara Arndt; IHK/info@paperheroes.de Im Rahmen des Projekts „MedConnect – Brücken bauen für internationale Ärzt:innen“ setzt die ibu institut für berufsbildung und umschulung gmbh aus NeustadtGlewe als Träger genau dort an, wo regionale Herausforderungen und internationale Fachkräfte zusammenfinden können. Vor kurzem erfolgte an der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek die Zertifikatsübergabe an zehn Ärztinnen und Ärzte mit Migrationshintergrund. Sie hatten im Rahmen des Projektes MedConnect ihre Fachsprachprüfung absolviert und bereiten sich jetzt auf die Fachkenntnisprüfung vor, um perspektivisch in Deutschland ihre Approbation und damit die staatliche, uneingeschränkte Berufserlaubnis zu erlangen. Was hat das jetzt mit Westmecklenburg zu tun? ibuGeschäftsführer Christian Rosenkranz erklärt den Mehrwert. Während Hamburg noch auf eine gute Abdeckung mit Ärzten verweisen kann, sieht das in Westmecklenburg schon ganz anders aus. „Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten ist in vielen ländlichen Regionen deutlich spürbar. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gewinnt die Frage, wie medizinische Versorgung langfristig gesichert werden kann, weiter an Bedeutung.“ Für die Projektteilnehmer ist Westmecklenburg durchaus attraktiv: Gute Arbeitsplätze, geringere Mieten als in der Großstadt, ein lebenswertes Umfeld: Im Rahmen einer Exkursion seien bereits Kontakte zu Kliniken aufgenommen worden. Auch Gesundheitsämter interessieren sich für die in der Anerkennung befindlichen Ärzte und Ärztinnen, berichtet Christian Rosenkranz. Sein Unternehmen begann vor drei Jahren mit einem Kursus für Pflegekräfte die länderübergreifende Zusammenarbeit. Zwischenzeitlich wurden bereits zwei Maßnahmen für Ärzte erfolgreich durchgeführt. Barbara Arndt Nicole Dolg, Vorständin der Raiffeisen Handelsgenossenschaft eG, Gadebusch, ist seit dem 10. Juni 2026 neues Mitglied der Vollversammlung der IHK zu Schwerin. Sie folgt Nico Boor, ehemaliger Vorstand der RaiffeisenHandelsgenossenschaft eG, Gadebusch, der zuvor dieses Mandat für die Wahlgruppe B – Groß- und Außenhandel im Wahlbezirk 2, Nordwestmecklenburg innehatte.  IBU GMBH UNTERSTÜTZT AUSLÄNDISCHE MEDIZINER Neue Ärzte für MV Neues Mitglied in der Vollversammlung Wirtschaftsregion Westmecklenburg  7 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Bilder: wohnrechner.online Die W.O. wohnrechner.online GmbH aus Lübz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) war am 18. September 2026 auf dem Immobiliengipfel im Kurhaus Wiesbaden vertreten. Das Unternehmen erstellt Wohnflächenberechnungen und Grundrisse für den Verkauf und die Finanzierung von Immobilien - auf Grundlage eines Aufmaßes, das Makler und Eigentümer mit dem eigenen Smartphone erstellen. Möglich macht das der LiDAR-Sensor, den iPhone-ProModelle ab der 12. Generation und iPad-Pro-Modelle ab 2020 mitbringen: Er erfasst Räume dreidimensional. Die dafür nötige App hat das Unternehmen mit dem eigenen IT-Team entwickelt. Aus den Scandaten erstellen angestellte Architektinnen und Architekten Wohnflächenberechnungen nach Wohnflächenverordnung, Nutzflächenberechnungen nach DIN 277 sowie bemaßte Grundrisse und Schnitte, in der Regel innerhalb von fünf Werktagen. Wer kein passendes Gerät hat, kann einen Vor-Ort-Termin buchen; dafür arbeitet das Unternehmen mit mehr als 30 Vermessungstechnikern bundesweit zusammen. Hintergrund ist eine veränderte Praxis bei der Immobilienfinanzierung: Viele Banken akzeptieren keine veralteten Grundrisse mehr, sondern verlangen Unterlagen zum tatsächlichen Ist-Zustand. Alte Bauakten bilden meist den Planungsstand ab - spätere Umbauten und ausgebaute Dachgeschosse fehlen darin. Für das Verfahren wurde das Unternehmen am 25. Juni 2026 auf der Deutschen Immobilienmesse in Essen mit dem IMMO AWARD 2026 ausgezeichnet. Der Preis wird von einer Fachjury der Immobilienbranche vergeben und unter anderem vom Bundesverband für die Immobilienwirtschaft getragen.  LÜBZER INNOVATION VERÄNDERT IMMOBILIENBRANCHE Grundrisse in Sekunden Die W.O. wohnrechner. online GmbH wurde im November 2019 gegründet und hat ihre Zentrale in Lübz. Die Architektinnen und Architekten arbeiten deutschlandweit.  Martin Dierksen (2. v. l.) und Niklas Hawlitschek (3. v. l.) von der W.O. wohnrechner.online GmbH aus Lübz bei der Übergabe des IMMO AWARD 2026 auf der Deutschen Immobilienmesse in Essen. W.O. WOHNRECHNER. ONLINE GMBH Michael Pronobis  038731 200 82 support@wohnrechner. online 8  Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Bilder: IHK/Lehnardt Sie sind enorm wichtig. Und ein Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft: Familienunternehmen. Rund 58 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland haben Familienunternehmen geschaffen, wie IHKHauptgeschäftsführerin Lisa Haus beim IHK-Sommertreff am 8. September 2026 erläuterte. Ihre Stärke: langfristiges unternehmerisches Denken und Handeln. Der Preis: Das Unternehmen sitzt auch unterm Weihnachtsbaum immer mit dabei. Die Waldhotel Boizenburg GbR als Familienunternehmen in dritter Generation zeigt, dass dieses Konzept funktioniert und eine enorme unternehmerische Resilienz hervorbringen kann. Schon bei der Gründung 1992 setzten die Gründer mit Pension und Landwirtschaft auf mehrere unternehmerische Standbeine. So wuchs in mehr als 30 Jahren aus einer NVA-Baracke ein Unternehmen, das Hotel, Ferienwohnungen, Gastronomie, Events, Delikatessengeschäft, Bio-Tierhaltung und Lebensmittelproduktion auf einem Hof vereint. Dabei reagiert die Familie nach dem Motto „Das Glas ist halb voll“ auch auf Krisen wie die CoronaBeschränkungen 2020. Als die Nachfrage nach Camper-Stellplätzen enorm stieg, entstand kurzerhand ein Camperplatz, eine Gästewohnung wurde zum Sanitärraum umgebaut. Doch auch ein scharfer Blick für Marktchancen sichert den unternehmerischen Erfolg. Aus der begehrten Wildsalami, die es zunächst nur unter der Hand und eingewickelt in Zeitungspapier gab, entstand „WaldGenuss“ – ein Feinkostladen mit eigenen und vielen regionalen Spezialitäten. Auch heute, mit 15 Mitarbeitenden, zehn Aushilfen, etwa 12.000 Übernachtungen und 30.000 Gästen im Jahr, gehen der Unternehmerfamilie die Ideen nicht aus. Doch die wirtschaftlichen Probleme bleiben bestehen, wie IHK-Präsident Matthias Belke vor den 110 anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern betonte. Die Wirtschaft könne die anhaltend hohen Spritpreise nicht dauerhaft verkraften. Hohe Steuerbelastungen – gerade auch bei Benzin und Diesel – füllen zwar die Staatskasse, schöpfen aber zu viel Kaufkraft ab und schaden damit der Wirtschaft. Trotz der Probleme blieb bei den Gästen an diesem Abend das Glas halb voll. Bei bestem Wetter und einem vielseitigen Rundgang inklusive OldtimerSchau und Tieren nutzten sie den Abend zum intensiven Netzwerken und geselligen Austausch.  DER IHK-SOMMERTREFF 2026 Das Glas ist halb voll. Immer! Wirtschaftsregion Westmecklenburg  9 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Bild:VLP Der erste autonome Rufbus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim mbH (VLP) nahm Mitte August in Hagenow die technische Erprobung im öffentlichen Straßenverkehr auf. Das Berliner Unternehmen für autonomes Fahren, MOTOR Ai, hat das Fahrzeug mit seiner selbst entwickelten Technologie ausgerüstet. „Wir haben lange auf diesen Moment gewartet. Jetzt beginnt die entscheidende Testphase", sagt Stefan Lösel. Der VLP-Geschäftsführer präsentierte den aktuellen Stand bei einem Besuch von Landrat Stefan Sternberg als Träger und vom Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Rosenkranz. Sobald die erste Phase der technischen Erprobung erfolgreich abgeschlossen ist, sollen erstmals Fahrgäste im Rahmen der Erprobung mitfahren. „Das wird der nächste große Tag für die LUP-Familie. Unser kommunales Verkehrsunternehmen VLP hat abermals die Nase vorn, wenn es um innovative Lösungen für eine zukunftsfähige Mobilität im Flächenlandkreis geht", sagt Landrat Stefan Sternberg. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt ARuf_LUP zum Regelbetrieb autonomer Kraftfahrzeuge, insbesondere autonomer Rufbusse im ländlichen Raum als Zubringer auf der ersten und letzten Meile. Für die Betriebsbereichsgenehmigung zum Einsatz Autonomer Fahrzeuge in Zuständigkeit des Landes steht das Projekt ARuf_LUP_Bereich, welches durch das Wirtschaftsministerium MV Unterstützung erfährt. „Auf ausgewählten Strecken im öffentlichen Straßenverkehr testen wir das Fahrzeug jetzt. Dabei sammeln wir technische Daten und bereiten den realen Betrieb vor", sagt Dr.-Ing. Burkhard Eickhoff, Technischer Leiter der VLP. Geprüft werden Funktion und Zusammenspiel der Systeme unter realen Verkehrsbedingungen: „Es geht um das Verhalten in echten Verkehrssituationen – darum, wie Sensoren, Kameras und Software harmonieren." Da es sich um ein Level-4-Fahrzeug mit Erprobungsgenehmigung handelt, ist zunächst ein Sicherheitsfahrer an Bord, der das System überwacht und im Notfall eingreifen kann. Den speziell ausgebildeten Fahrer stellt MOTOR Ai. Das Berliner Unternehmen hat seinen gesamten Software-Stack für das Level-4-System selbst entwickelt und kann dadurch die zentralen Softwarekomponenten des autonomen Fahrsystems aus einer Hand integrieren und weiterentwickeln. Diese vollständige Eigenentwicklung nach europäischen Sicherheitsstandards bildet die Grundlage für die Technologieführerschaft, die das Unternehmen für sich beansprucht. Mit dem Einsatz in Hagenow bringt MOTOR Ai sein System erstmals im ländlichen Raum auf die Straße. Diese Premiere wird mit Neugier und Vorfreude von vielen Passanten begleitet. Die VLP plant, in absehbarer Zeit Testfahrten für interessierte Fahrgäste zu ermöglichen. Barbara Arndt  AUTONOME MOBILITÄT: VLP ERPROBT FAHRZEUG IN HAGENOW Technologieführer MOTOR Ai bringt System erstmals in den ländlichen Raum  Für den ersten autonomen Rufbus ist das Interesse richtig groß. 10  Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Wer das schwedische Wort Fika einfach nur mit Kaffee übersetzt, verpasst genau das, was den Norden so glücklich macht: Fika ist weitaus mehr als eine Kaffeepause. Sie ist der gemütliche Raum, der zum Verweilen einlädt. Sie ist das wohltuende Miteinander von Menschen. Sie ist Entspannung. Kann Kaffee dann überhaupt noch besser sein? Für Victoria Lommatzsch schon. Die gebürtige Greifswalderin setzt nämlich auf besonders hochwertigen Kaffee, den sogenannten Specialty Coffee, von eigener Hand geröstet – ganz langsam und ganz mild bei eher ungewöhnlich niedrigen Temperaturen. „So kommen die unzähligen Aromen viel besser zum Tragen“, findet die Inhaberin von einer Kaffeebar mit Onlineshop, die im Herzen von Wismar einen wunderschönen Fika-Ort geschaffen hat. Seit fünf Jahren sind Kaffee und Kulinarik ihr Metier, inzwischen am vergrößerten Standort Neustadt 9, wo im Sommer auch ein lauschiger Hinterhof Gäste empfängt. Zum Konzept gehören der Vertrieb weiterer regionaler Produkte von selbstständigen Mitstreitern ebenso wie unterschiedlichste Events in Form kleiner Märkte, Kaffee-Seminare, Weinverkostung, Macherinnen-Markt, Drink & Draw oder Kunst offen. All das war zunächst gar nicht der Plan der heute 37-Jährigen. Sie absolvierte ein duales (BWL-) Studium und schloss als Industriekauffrau auch eine Ausbildung ab. Sie machte ihren Job wohl außerordentlich gut: Als Projektmanagerin legte Victoria eine Blitzkarriere in einem internationalen Konzern hin. Sie war im In- und Ausland tätig, spürte aber irgendwann, dass dieser Job nicht für die Ewigkeit gemacht war. Sie kündigte die gut dotierte Stelle in London kurzerhand. Aber was nun? Überlegen natürlich… Und das tat die seinerzeit 29-Jährige bei einer Europa-Rundreise im ausgebauten Camper. 18 Länder, 40.000 Kilometer, coole Jobs wie Salz und Austern ernten, Käse herstellen und dann eben auch Kaffeerösten in Schweden brachten viel Erfahrung und letztlich den Anstoß für den Neubeginn. Auch die Frage nach dem Wo beantwortete Victoria Lommatzsch recht pragmatisch. „Ich wollte wieder an die Ostsee. Also habe ich auf einer Landkarte markiert, wo es schon Kaffeeröstereien von Specialty Coffee gab. Ihre Wahl mit außergewöhnlichem Konzept fiel auf Wismar, wo seit fünf Jahren das Business organisch wächst und sehr viel Zufriedenheitsmomente schenkt. Ihr Geschäftskonzept gewann beim IHK-Wettbewerb Erfolgsraum Altstadt. Einige Jahre später feierte sie in der Kategorie Geschäftsentwicklung als Finalistin ihren Erfolg. Sie gibt – wie zuvor schon für Gründer am InnovationPort Wismar – jetzt betriebswirtschaftliche und Finanzkenntnisse an junge Menschen im Schulkontext weiter, gründet mit ihnen Schülerfirmen und schubst immer wieder Neues an. Das von ihr initiierte Kaffee-Festival MV mit seiner inzwischen fünften Auflage trägt dazu bei, dass MV aufwacht und um ein liebenswertes wie genussvolles Event reicher ist. In ihrer familiär geführten Kaffeebar unterstützen Studierende beim Tagesgeschäft, während sich Victoria Lommatzsch neuen Herausforderungen stellt. Sie macht den nächsten Stepp, möchte ihre eigene Rösterei aufbauen. Die Anlage kam bereits per Schiff aus den USA. „Ich gehöre überhaupt nicht zu denen, die meckern“, sagt die Unternehmerin, die viel gibt und bewegt. Sie staunt jedoch über die Anzahl der Steine, die sich auf dem Weg weiteren wirtschaftlichen Wachstums vor ihr zeigen. „Ob Kredit oder Baugenehmigung: Ich wünsche mir, dass Selbstständige mehr Wertschätzung erfahren. Schließlich plane ich eine Investition in der Region. Es ist nicht schwer, im ländlichen Raum Gutes entstehen zu lassen. Es wird einem schwergemacht“, sagt Victoria Lommatzsch mit Blick auf Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit. So mietet sie sich weiterhin in andere Röstereien ein, um für ihre wachsende Kundschaft den neuen Genuss zu ermöglichen. Barbara Arndt  STARKE FRAUEN Eine Leidenschaft für Kaffeegenuss  Victoria Lommatzsch nutzt Erlebnisse, Erfahrungen und Leidenschaft als Unternehmenskonzept. Standortpolitik  11 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: info@paperheroes.de

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern war der renommierte Politikforscher Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte zu Gast in der ersten Politiklounge der IHK zu Schwerin. Korte bot in seiner mit Witz gewürzten Rede Einblicke in die Mechanismen der politischen Stimmung im Land und diskutierte und beantwortete mit IHK-Präsident Matthias Belke, moderiert von Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus, die zahlreichen Fragen von Unternehmerinnen und Unternehmern aus der regionalen Wirtschaft. Die Politiklounge bot damit als parteipolitisch neutrale Veranstaltung den IHK-Mitgliedsunternehmen Raum zur Einordnung und Diskussion.  ANGST-WELTMEISTER DEUTSCHLAND Eine zentrale Rolle im Wahlverhalten spielt nach Kortes Einschätzung derzeit die Verunsicherung vieler Menschen. Die Deutschen seien geradezu „Angst-Weltmeister“. Dabei sei die tatsächliche Situation häufig besser als ihre Wahrnehmung. „Die Angst vor Abstieg ist größer als der Abstieg selbst“, brachte es Korte auf den Punkt. Viele Menschen suchten Stabilität – und vermissten sie derzeit. Davon könnten besonders politische Kräfte an den Rändern profitieren. Zugleich verändern sich die Bedingungen, unter denen Parteien um Zustimmung werben. Klassische Parteienbindungen verlieren an Bedeutung, Wähler entscheiden kurzfristiger und soziale Medien prägen die politische Meinungsbildung durch Verkürzung und Emotionalisierung. Entscheidend sei  NEUES IHK-FORMAT Erste Politiklounge mit Wahlforscher Korte  Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: IHK/info@paperheroes.de 12  Standortpolitik

deshalb nicht nur die Abgrenzung von politischen Wettbewerbern. Parteien müssten vielmehr deutlich machen, wofür sie selbst stehen und welche Probleme sie lösen können. Pointiert fragte Korte: „Welche Partei macht die beste Party?“ Gemeint sei damit auch die Fähigkeit, positive Botschaften zu vermitteln und attraktive Orte des politischen Austauschs zu schaffen. Welche Bedeutung staatliche Handlungsfähigkeit für das Vertrauen der Menschen in den Staat hat, verdeutlichte Korte am Beispiel der Infrastruktur. Der Staat könne nicht jedes Problem lösen. Bürger müssten aber erleben, „dass der Staat da ist, wenn man ihn braucht“ – etwa bei Busverbindungen oder Schulstandorten. „Jeder Cent in eine Infrastruktur ist ein Freiheitscent“, so Korte. Aus Sicht der Wirtschaft knüpfte Präsident Belke daran an. Unternehmen erwarteten von der künftigen Landesregierung schnelle Lösungen, weniger Regulierung und vor allem eine „Kultur des Ermöglichens“. Dazu gehören weniger Bürokratie, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise und eine starke berufliche Bildung. Für Korte bietet auch eine Minderheitsregierung Chancen zur Umsetzung, können so für Sachfragen jeweils wechselnde Mehrheiten gefunden werden. Die Politik werde sich künftig stärker daran messen lassen müssen, ob sie trotz fragmentierter Parteienlandschaft handlungsfähig bleibt. Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Standortpolitik  13

Seit Mai 2026 leitet Lennart Hesse das Büro der AHK USA in Deutschland und begleitet Unternehmen bei ihren USA-Aktivitäten. Paul Meyer leitet seit April 2025 das Referat US-Handelspolitik der DIHK und setzt sich für verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen auf Bundes-, EU- und internationaler Ebene ein. Im Interview geben beide Einblicke in ihre Arbeit, aktuelle Entwicklungen und Unterstützungsangebote für Unternehmen. Die USA bleiben einer der wichtigsten Auslandsmärkte für Unternehmen aus Westmecklenburg. Zugleich stellen handelspolitische Veränderungen viele Betriebe vor neue Herausforderungen. Bei der Beratung von Unternehmen sowie der Vertretung ihrer Interessen gegenüber Politik und Verwaltung arbeitet die IHK zu Schwerin eng mit den Auslandshandelskammern (AHKs) in den USA und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin zusammen. Herr Hesse, welche Aufgaben übernimmt die AHK USA und welche Rolle haben Sie als Repräsentant des AHK-Deutschland-Büros? Die AHK USA ist die offizielle Vertretung der deutschen Wirtschaft in den Vereinigten Staaten. Sie setzt sich für die Förderung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und unterstützt deutsche Unternehmen beim Markteintritt sowie bei der Geschäftsentwicklung. Das Deutschlandbüro der AHK USA dient dabei als erste Anlaufstelle für Unternehmen in Deutschland. Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen für deutsche Unternehmen auf dem US-Markt? Die Chancen sind vielfältig. Die Konsumkraft und die Innovationsdynamik des Marktes sind enorm. Die USamerikanische Wirtschaft wird auch in diesem Jahr vorrausichtlich um zwei Prozent wachsen. Für deutsche Unternehmen ergeben sich dadurch in nahezu allen Bereichen attraktive Geschäftsmöglichkeiten. Die einzelnen US-Bundesstaaten schaffen dafür vorteilhafte Rahmenbedingungen. Hochwertige Maschinen, innovative Produkte und die Stärke des deutschen Mittelstands genießen dort weiterhin großes Ansehen. Mit welchen Anliegen können sich Unternehmen an Sie wenden und wie unterstützen Sie diese konkret beim Markteintritt oder der Geschäftsentwicklung in den USA? Das Deutschlandbüro steht Unternehmen als Ansprechpartner für alle Fragen rund um den USamerikanischen Markt zur Verfügung. Ich berate Unternehmen zu Marktchancen, wirtschaftlichen Entwicklungen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit meinen Kollegen in den USA bieten wir eine umfassende Unterstützung entlang des gesamten Markteintrittsprozesses, von der Marktanalyse über die Geschäftspartnervermittlung bis hin zur Standortsuche.  GESCHÄFTE MIT DEN USA Handelspolitik  IHK-Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus (Mitte rechts) und Fachberaterin Merle Poppke (Mitte links) mit Lennart Hesse (links) und Paul Meyer (rechts) beim Deutsch-Amerikanischer Wirtschaftstag 2026 in Mainz IHK ZU SCHWERIN Merle Poppke  0385 5103-214 poppke@schwerin.ihk.de 14  Standortpolitik Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: IHK; AdobeStock

Herr Meyer, Sie leiten das Referat USHandelspolitik der DIHK. Angesichts der aktuell volatilen handelspolitischen Lage, insbesondere im Bereich der US-Zollpolitik, setzen Sie sich für verlässliche Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen ein. Welche Themen stehen derzeit im Mittelpunkt Ihrer Arbeit? Seit dem ich diese Aufgabe übernommen habe, gleicht kaum ein Tag dem anderen. Aktuell stehen vor allem die Zollpolitik der US-Administration und deren Auswirkungen auf deutsche Unternehmen im Fokus. Darüber hinaus beobachten wir weitere Maßnahmen der USA, die Einfluss auf europäische und deutsche Regulierung nehmen können, und bringen die Anliegen der deutschen Wirtschaft in die politischen Diskussionen ein. Welche Instrumente nutzen Sie und wer sind die Adressaten Ihrer Positionen, um die Interessen der deutschen Wirtschaft zu vertreten, und wie können Unternehmen ihre Erfahrungen und Anliegen in diesen Prozess einbringen? Wir stehen in engem Austausch mit Entscheidungsträgern in Berlin, Brüssel und Washington, darunter Ministerien, die Europäische Kommission, der US-Handelsbeauftragte (USTR) sowie Parlamente und Wirtschaftsverbände. Für unsere Arbeit sind die Erfahrungen der Unternehmen besonders wichtig: Konkrete Praxisbeispiele helfen uns, Auswirkungen politischer Maßnahmen gegenüber politischen Entscheidungsträgern anschaulich zu vermitteln. Sie beide sind überwiegend in Berlin tätig. Gibt es dennoch Möglichkeiten für Unternehmen aus Westmecklenburg, persönlich mit Ihnen in Kontakt zu treten – beispielsweise im Rahmen von Veranstaltungen oder Unternehmensbesuchen? Paul Meyer: Sehr gerne! Unternehmen können sich jederzeit direkt oder über ihre IHK an mich und meine Kollegen wenden. Gleichzeitig sind Einblicke in die betriebliche Praxis für unsere Arbeit sehr wertvoll. Daher freue ich mich auch über Einladungen zu Unternehmensbesuchen oder Veranstaltungen in der Region. Lennart Hesse: Das Deutschlandbüro berät Unternehmen in ganz Deutschland. Sehr gerne treffe ich sie für persönliche Gespräche in Westmecklenburg und freue mich über Einladungen zu Veranstaltungen in der Region. Wenn Sie Unternehmen aus Westmecklenburg nur einen Rat für das USA-Geschäft mitgeben könnten, welcher wäre das? Paul Meyer: Bleiben Sie informiert und verfolgen Sie handelspolitische Entwicklungen aufmerksam. Die Rahmenbedingungen können sich schnell ändern. Wer diese frühzeitig im Blick behält, kann Risiken besser einschätzen und Chancen gezielt nutzen. Lennart Hesse: Trotz handelspolitischer Spannungen und kritischer Schlagzeilen sollten Unternehmen den US-amerikanischen Markt nicht abschreiben. Im Gegenteil: Die USA bleiben ein dynamischer Wachstumsmarkt mit vielfältigen Chancen für deutsche Unternehmen. Nutzen Sie diese Möglichkeiten. Die AHK USA unterstützt Sie dabei als verlässlicher Partner. Standortpolitik  15 Weitere Informationen und Projekte unter: www.bartram-bau.de Tel. 04871 778-0•info@bartram-bau.de >Entwurf und Planung > Alles aus einer Hand >Eigenes Fertigteilwerk >Festpreis >Fixtermin > 70 Jahre Erfahrung DAS INDIVIDUELLE BAU-SYSTEM ERFOLGREICHE PROJEKTE IM INDUSTRIE- UND GEWERBEBAU ÜBER 3.000 IHRE VISION UNSER PROJEKT Anzeigen im WIKO Telefon: 0385 760 520 Fax: 0385 760 52 60 anzeigen@maxpress.de www.maxpress.de Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Anja Lux vom Schloss Basthorst findet genau die Azubis, die zu den Ansprüchen der gehobenen Hotellerie passen. Wer Anja Lux auf einer der zahlreichen regionalen Messen zur Berufsorientierung trifft, ist nicht nur schnell mit der sympathischen Frau über Gastronomie und Hotellerie im Gespräch. Wer es wirklich wissen will, quizt gleich mal mit der HR-Managerin vom Schlosshotel Basthorst. Sie hat immer verschiedene Gläser dabei und fragt herausfordernd nach dem Unterschied zwischen dem für einen Latte Macchiato und dem anderen für einen Kir Royal. „Dieses Ratespiel zeigt mir, wer wirklich Freude entwickelt für das, was in unserer Branche zählt.“ Geht es nach ihr, zählt eine Menge, weil ihr als gelernter Hotelfachfrau niemand etwas vormachen kann. Sie legt sehr großen Wert auf einfach alles, was den Gästen einen Aufenthalt zum gediegenen Erlebnis werden lässt. Bei aller Etikette wirkt Anja Lux dennoch entspannt. Sie stellt sich gern auf die jungen Menschen ein, denen sie den Weg in die Ausbildung, in den Beruf und bestenfalls längerfristig in das eigene Schlosshotel mit Restaurant und großem Wellnessbereich ebnen kann. Vorab ermöglicht sie bis zu 40 Praktika pro Jahr, alle mit individueller Begleitung, damit die interessierten jungen Menschen echte Erfahrungen sammeln können. „Das bedeutet mir sehr viel. Einzelgespräche und eine gute Betreuung sind wichtig. Ich spüre, dass es Leute gibt, die sich begeistern lassen, die Motivation mitbringen oder sich schnell entwickeln.“ Für diese Jugendlichen ist wiederum Anja Lux von Herzen gern engagiert, hört genau zu, nimmt sich der Dinge an, die bewegen. Sie koordiniert die Ausbildung, die elf Praktiker mit dem Berufsnachwuchs absolvieren. Sie gibt Feedback und schaut über die Schulter. Sie schreibt Pläne und Zeugnisse, organisiert Messen und andere Begegnungen. Sie kümmert sich um flexible Arbeitszeiten und entsprechenden Ausgleich. „Unsere Branche hat in jeder Hinsicht hohe Ansprüche. Wer diesen gerecht wird, bekommt viel zurück“, lautet ihr Versprechen. Das wird gehalten. Zahlreiche Auszeichnungen sprechen dafür. Vor allem aber eines lässt Vertrauen wachsen: Jeder nimmt ihr ab, wieviel Spaß sie selbst an der abwechslungsreichen Tätigkeit hat. Doch warum ist so viel Aufwand beim Recruiting nötig? „Weil ich sonst nicht diejenigen für unser Haus gewinnen kann,  NEUE IDEEN FÜR EINE NEUE GENERATION Besonderes Ausbildungsengagement  Anja Lux, die HRManagerin im Schloss Basthorst, brennt für die Ausbildung. 16  Titelthema Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: IHK/info@paperheroes.de; AdobeStock

Zum 1. September beginnen 1.118 junge Auszubildende ihre Berufsausbildung in den IHK-Ausbildungsunternehmen Westmecklenburgs. Das ist eine solide Basis, aber ein leichter Rückgang zum Vorjahr (1,2 Prozent). Positive Entwicklungen liegen vor allem im Bereich der gewerblichen Ausbildungsberufe (Metalltechnik, Elektrotechnik und Logistik). Weniger Ausbildungsverträge wurden im Handel und der Gastronomie verzeichnet. Damit zeigt sich, dass sich die allgemeine Situation auf das Ausbildungsverhalten im Dienstleistungsbereich auswirkt. Die IHK-Ausbildungsunternehmen Westmecklenburgs stellen attraktive Ausbildungsangebote bereit, werben in der Region und sind bereit, kurzfristig Bewerbungsgespräche zu führen, um ihre Stellen zu besetzen. Den IHK-Unternehmen ist klar, dass Ausbildung und Nachwuchssicherung kein Sprint, sondern ein Marathon sind. Sie investieren kontinuierlich und über einen langen Zeitraum und bilden deshalb selber aus. Auch die Rahmenbedingungen für die duale Berufsausbildung sind in Westmecklenburg gut und die Ausbildungsvergütungen können sich bundesweit sehen lassen. In Westmecklenburg findet die theoretische Berufsausbildung an fünf Regionalen Beruflichen Bildungszentren (RBB) statt, die teils neu gebaut, modernisiert oder in der Bauplanung sind. All das spricht für eine attraktive Ausbildung in den IHK-Ausbildungsunternehmen Westmecklenburgs.  IHK-UNTERSTÜTZUNG UND -BERATUNG ZUR BERUFSORIENTIERUNG Die IHK zu Schwerin unterstützt dabei und steht für kurzfristige Beratungen und Gespräche zur Verfügung. Online sind Informationen u. a. zur Berufsorientierung auf den IHK-Internetseiten abrufbar. Der Ausbildungsatlas ist abrufbar unter www.derausbildungsatlas.de  1. SEPTEMBER 2026 Solider Ausbildungsstart IHK ZU SCHWERIN Peter Todt  0385 5103-401 todt@schwerin.ihk.de die ich gerne haben möchte.“ Austausch auf Augenhöhe, Zeit um zu erklären, echte Herausforderungen anbieten: Das punktet bei den Youngstern. „Ich bin gern mit dem Gastro-Truck des DEHOGA zu Schulen unterwegs. Schnippeln, kochen, anrichten – die Praxis macht das Berufsbild erlebbar.“ Anja Lux fragt nach, was Schüler machen möchten, um dann gezielt in ein informatives Gespräch zu starten. Das Portfolio ist groß: Vom Koch bis zur Kosmetik. Vom Restaurant bis ins kaufmännische Metier. Im Hotel Schloss Basthorst geht alles, inklusive Platz in einem der mittlerweile zwei Azubi-Wohnheime. Anja Lux hat nicht vergessen, dass sie und alle erfahrenen Kollegen auch mal jung waren. „Wir finanzieren unseren aktuell 13 Azubis das Deutschland-Ticket, damit Mobilität gegeben ist und das wunderschöne Ambiente rund ums Schloss nicht als Nachteil empfunden wird. Gibt der Busfahrplan nichts mehr her, kommt der VLP-Rufbus. Das funktioniert optimal und wird nicht nur von unseren jungen Mitstreitern gern genutzt.“ Die 44-Jährige selbst genießt den Weg zum Schloss auf dem Fahrrad. Sie arbeitet definitiv gern da, wo andere Urlaub machen… Barbara Arndt Titelthema  17 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

Mit dem Start der Berufsausbildung beginnt für jeden Jugendlichen ein neuer Lebensabschnitt. Eine neue Umgebung, neue Kontaktpersonen, neue Herausforderungen, alles ist aufregend. Deshalb ist es für die Ausbildungsunternehmen wichtig, vor allem die erste Zeit des neuen Lebensabschnittes erfolgreich zu gestalten, so dass der Start auch für alle Seiten ein Erfolg wird. Der Ausbildungsverantwortliche sollte auf seine Aufgabe vorbereitet sein und Zeit haben. Junge Menschen quasi nebenbei mitzunehmen und in die Ausbildung einzuführen, ist nicht ratsam. Gerade Jugendliche sind in neuen Situationen ausgesprochen sensibel. Ersteindrücke verfestigen sich schnell. Auszubildende aus den „oberen Berufsausbildungsjahren“ eignen sich gut als „Pate“ für die erste Zeit. Sie kennen das Unternehmen genauso gut und wissen, worauf es ankommt und sprechen die gleiche Sprache. Das erste „ernsthafte“ Gespräch sollte nicht erst am Ende der Probezeit stattfinden, sondern bereits nach vier Wochen, auf alle Fälle aber in der Mitte der Probezeit. Es geht dabei in erster Linie nicht um das Auswerten, sondern um das Aufnehmen, wie der Auszubildende die ersten Wochen und die ersten Erlebnisse erlebt hat. Daraus lassen sich wichtige Schlüsse für die kommende Zeit, die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit bzw. auf offene Fragen oder nicht ausgesprochene Probleme ziehen.  DAS ERSTE AUSBILDUNGSNACHWEISHEFT Jeder Auszubildende hat ein Ausbildungsnachweisheft zu führen. Natürlich weiß der junge Auszubildende nicht, was und wie er dies zu führen hat. Es sollte ihm also gezeigt und erläutert werden. Wichtig ist die Kontrolle und Unterschrift durch den Ausbildenden am Ende jeder Woche, sowie des Erziehungsberechtigten, solange der Auszubildende noch nicht volljährig ist. Die Ausbildungsnachweise können auch elektronisch geführt werden.  DIE WOCHENAUSWERTUNG Die ersten Ausbildungswochen sind lang. Sowohl der Ausbildende als auch der Auszubildende haben Erwartungen. Werden diese nicht ausgetauscht, entsteht ein leerer Raum, der zu Unzufriedenheit führen kann. Deshalb ist es wichtig, dass am Ende der ersten Ausbildungswoche ein gut vorbereitetes Gespräch stattfindet, um die erste Woche auszuwerten, die Erwartungen abgefragt werden, sowie erste Schwerpunkte bzw. Erwartungen für die zweite Woche abgeleitet werden.  DIE ABSTIMMUNG MIT DER BERUFSSCHULE Die Berufsschule ist der Partner im System der betrieblichen Berufsausbildung. Sie ist für die Vermittlung berufstheoretischer Grundlagen verantwortlich. Die Ausbildungsunternehmen folgen der sachlich-zeitlichen Gliederung, die Berufsschule dem Rahmenlehrplan. Beide Dokumente sind aufeinander abgestimmt. Im Verlauf der Berufsausbildung sollten die Partner Betrieb und Berufsschule regelmäßig aufeinander zugehen und die  WICHTIGE ERSTE WOCHEN Der Start entscheidet Als Auszubildende bei der IHK zu Schwerin befinde ich mich direkt an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Bildung. Genau diese Kombination macht den Alltag unglaublich dynamisch – hier wird die Zukunft unserer Region aktiv mitgestaltet. Was mir an meiner Ausbildung am meisten gefällt? Ganz klar die Möglichkeit, in so viele verschiedene Fachgebiete einzutauchen. Von der Aus- und Weiterbildung über die Standortpolitik bis hin zur Unternehmensgründung lerne ich regelmäßig neue, spannende Bereiche kennen. Dadurch sammle ich nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern kann auch herausfinden, wie meine berufliche Zukunft aussehen soll. Damit es nicht nur bei der Theorie bleibt, bin ich bei der IHK zu Schwerin von Anfang an fest in die Praxis eingebunden. Ob bei der Bearbeitung des täglichen Schriftverkehrs, der Beratung von Auszubildenden und Unternehmen oder der Organisation von Projekten und Veranstaltungen. Schon nach kurzer Zeit spürt man, dass die eigene Arbeit hier wirklich was bewegt.  MEINE AUSBILDUNG BEI DER IHK ZU SCHWERIN Eine Ausbildung, viele Möglichkeiten 18  Titelthema Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026 Bilder: AdobeStock; IHK

Schwerpunkte koordinieren. Dazu eignen sich Ausbilderarbeitskreise, Tage der offenen Tür an den Berufsschulen und persönliche Gespräche. Wichtig ist das Grundverständnis, dass der Besuch der Berufsschule Pflicht für alle Auszubildenden ist. Die Pflicht zu erfüllen bzw. anzumahnen liegt sowohl in Verantwortung der Auszubildenden als auch des Ausbildenden. Das Ausbildungsunternehmen hat den Auszubildenden zum Besuch der Berufsschule freizustellen und anzuhalten. Dazu gehört auch, die Erwartungen des Ausbildungsunternehmens zum Berufsschulbesuch, Leistungsansprüche, Kommunikationswege und Rückmeldungen zu äußern und natürlich deren Erfüllung nach einem Berufsschulblock auch einzufordern. Der Auszubildende hat die Berufsschule zu besuchen. Geschieht das nicht, so ist nicht nur der fachliche Erfolg der Berufsausbildung gefährdet. Es muss auch damit gerechnet werden, dass aufgrund der Fehlzeiten die Zulassung zu den Prüfungen verwehrt wird.  DIE PROBEZEIT Jedes Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit. Ausbildende und Auszubildende sollen prüfen, ob die Entscheidung für den Ausbildungsberuf und den Ausbildungspartner richtig war. In der Probezeit soll also getestet werden. Die im Ausbildungsvertrag fixierte Probezeit muss mindestens einen Monat und darf maximal vier Monate umfassen. Der Auszubildende muss wissen und verstehen, dass er in dieser Zeit quasi unter Beobachtung steht. In dieser Vertragsphase ist die Möglichkeit, das Ausbildungsverhältnis zu kündigen, stark vereinfacht. Danach ist eine Kündigung nur noch im Ausnahmefall – „aus wichtigem Grund“ – möglich. Eine nicht getroffene Entscheidung am Ende der Probezeit führt zur Fortführung des Ausbildungsvertrages. Der Betrieb prüft, ob der Auszubildende für den Beruf geeignet ist, Interesse zeigt und sich in das Betriebsgeschehen einordnet. Bei der Einschätzung des Auszubildenden müssen jedoch besondere Maßstäbe angesetzt werden. Es sind junge Menschen, die sich noch in ihrer Entwicklung von der Schule in die Arbeitswelt befinden. Daher sollte das Lern- und Sozialverhalten im Vordergrund stehen und erst dann die Leistungen, die sich in Punkten, Noten und Arbeitsergebnissen ausdrücken. Letztlich ist das Ziel der Probezeit eine Entscheidung darüber, ob das Ausbildungsverhältnis bis zum Ende der Ausbildung weitergeführt werden soll. Kommt nun ein Vertragspartner zu der Überzeugung, dass das Berufsausbildungsverhältnis nicht seinen Erwartungen entspricht, kann er es während der Probezeit jederzeit und auch fristlos kündigen. Es muss hierbei kein besonderer, mit der Berufsausbildung zusammenhängender Grund geltend gemacht werden. Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen und dem Empfänger noch vor dem Ende der Probezeit zugegangen sein. In den ersten Wochen der Ausbildung werden die Weichen für das Unternehmen und die Auszubildenden gestellt. IHK ZU SCHWERIN Jana Horn  0385 5103-416 horn@schwerin.ihk.de Neben dieser fachlichen Vielfalt bietet mir die IHK zu Schwerin eine moderne Arbeitsatmosphäre mit flexiblen Zeiten, verschiedenste Weiterbildungsmöglichkeiten sowie ein tolles Team, dass bei allen Fragen unterstützend zur Seite steht. Mein Fazit: Die Ausbildung hier bietet mir das perfekte Sprungbrett für eine Karriere mit echter Perspektive direkt in der Heimatregion. IHK ZU SCHWERIN Lena Schmidt  0385 5103-592 l.schmidt@schwerin.ihk.de  Lena Schmidt, Auszubildende in der IHK zu Schwerin. Titelthema  19 Wirtschaftskompass 09 | 10 | 2026

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