81 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I POSITIONEN 2026 WIRTSCHAFTSPOLITISCHE der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin
1 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Westmecklenburg steht vor strukturellen, wirtschaftlichen Herausforderungen, die entschlossenes und sofortiges politisches Handeln erfordern. Die aktuellen Belastungen sind keine konjunkturelle Delle, sondern Ausdruck tiefgreifender Standortprobleme. Wer darauf mit kurzfristigen Einzelmaßnahmen oder politischer Symbolik reagiert, verkennt die Lage. Gefragt ist eine Landespolitik, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wieder konsequent in den Mittelpunkt stellt. Unternehmen sichern Beschäftigung, Wertschöpfung und gesellschaftliche Stabilität. Sie finanzieren öffentliche Aufgaben, ermöglichen kommunale Handlungsfähigkeit und investieren in Ausbildung, Innovation und Transformation. Wirtschaftspolitik ist kein Selbstzweck. Ihre Aufgabe ist es, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, unternehmerische Initiative zu ermöglichen und Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft abzusichern. Strukturelle Probleme lassen sich nicht durch Fördervielfalt oder zusätzliche Regulierung lösen. Entscheidend sind funktionierende Märkte, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, sichere und bezahlbare Energie, leistungsfähige Infrastruktur sowie ein Staat, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert: Regeln setzen, Verfahren beschleunigen und Bürokratie wirksam abbauen. Politische „Geschenke“ ersetzen keine Reformen. Fachkräftesicherung, Innovation, Digitalisierung und Klimaschutz gelingen nur, wenn sie marktwirtschaftlich tragfähig, technologieoffen und praxisnah ausgestaltet sind. Transformation entsteht nicht durch Vorgaben, sondern durch Investitionen. Dafür braucht es Planungssicherheit, schnelle Genehmigungen, eine leistungsfähige Verwaltung sowie einen verlässlichen Rechtsrahmen. LANDESPOLITIK IN DER VERANTWORTUNG: WIRTSCHAFT WETTBEWERBSFÄHIG STÄRKEN MUSS PRIORITÄT HABEN Erfolgreiche Landespolitik erfordert dabei einen Blick über einzelne Zuständigkeiten, Programme und Legislaturperioden hinaus. Wirtschaftliche Entwicklung entsteht aus dem Zusammenspiel von Regulierung, Infrastruktur, Bildung, Verwaltungshandeln und Finanzierung. Entscheidungen in einem Bereich wirken stets auf andere Felder zurück – oft zeitverzögert, aber mit nachhaltigen Folgen. Umso wichtiger ist es, politische Maßnahmen nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Wechselwirkungen und langfristigen Konsequenzen mitzudenken und darauf abgestimmt zu handeln. Dieses Positionspapier benennt klar das Grundlegende, was die Landespolitik leisten muss, um den Standort Westmecklenburg zu sichern: Einfache und einheitliche Regeln, digitale und medienbruchfreie Verwaltungsprozesse, beschleunigte Entscheidungen und eine konsequente Entlastung der Unternehmen. Nicht das Unterlassen, sondern das wirksame Handeln steht im Mittelpunkt. Wir erwarten von der Landespolitik: » Ordnungspolitik statt Einzelfallpolitik, » Verlässlichkeit statt kurzfristiger Eingriffe, » Ermöglichung statt Überregulierung, » und eine Verwaltung, die Tempo macht. Die IHK zu Schwerin steht für einen konstruktiven Dialog und konkrete Lösungen. Die Unternehmen der Region sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und in die Zukunft zu investieren. Voraussetzung dafür ist eine Landespolitik, die die wirtschaftliche Realität anerkennt und Rahmenbedingungen schafft, unter denen Leistung, Verantwortung und Unternehmertum wieder etwas wert sind. Matthias Belke Präsident IHK zu Schwerin Lisa Haus Hauptgeschäftsführerin IHK zu Schwerin
2 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 TOP 10 KERN FORDER UNGEN der Wirtschaft Westmecklenburgs
3 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Westmecklenburg steht vor tiefgreifenden wirtschaftlichen, demografischen und technologischen Veränderungen. Die Unternehmen der Region übernehmen Verantwortung für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Stabilität und ökologische Nachhaltigkeit. Grundlage ihres Handelns ist die Soziale Marktwirtschaft, unternehmerische Freiheit und das Leitbild der ehrbaren Kaufleute. Dieses Positionspapier formuliert zentrale wirtschaftspolitische Forderungen, um Westmecklenburg als attraktiven, wettbewerbsfähigen sowie resilienten Wirtschafts- und Lebensraum weiterzuentwickeln. Entscheidend ist dabei ein verlässlicher Ordnungsrahmen, der Innovation ermöglicht, Investitionen erleichtert und Bürokratie spürbar abbaut. Zukunft gemeinsam mit der Wirtschaft gestalten Eine erfolgreiche Zukunft Westmecklenburgs setzt verantwortungsbewusst handelnde Unternehmen, unternehmerische Freiheit und verlässliche Rahmenbedingungen der Sozialen Marktwirtschaft voraus. Die Wirtschaft ist ein zentraler Stabilitäts- und Gestaltungsfaktor für Beschäftigung, Wertschöpfung und gesellschaftlichen Zusammenhalt und verdient Anerkennung sowie Akzeptanz. Politische Entscheidungen müssen wirtschaftliche Auswirkungen frühzeitig berücksichtigen und im Dialog auf Augenhöhe mit der regionalen Wirtschaft entstehen. Zur Stärkung von Resilienz und Krisenfestigkeit braucht es sichere Infrastrukturen, digitale Leistungsfähigkeit, stabile Lieferketten sowie enge Kooperationen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. 1 2 3 Region wettbewerbsfähig entwickeln Westmecklenburg braucht eine aktive Regional- und Landesentwicklung, die Wettbewerbsfähigkeit, Lebensqualität und wirtschaftliches Wachstum konsequent zusammendenkt. Voraussetzung dafür sind wettbewerbsfähige Steuer- und Abgabenstrukturen, ausreichend verfügbare Gewerbe- und Industrieflächen sowie schnelle, digitale und verlässliche Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Ausbildung und Freizeit müssen integrierter entwickelt werden, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Der demografische Wandel ist dabei nicht nur Herausforderung, sondern Chance für neue Geschäftsmodelle, innovative Dienstleistungen und eine zukunftsfähige Positionierung Westmecklenburgs als attraktiver Lebens- und Arbeitsraum. Bildung leistungsfähig machen Eine leistungsfähige Bildungs- und Weiterbildungspolitik ist der zentrale Hebel für Fachkräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bildung muss konsequent qualitäts- und kompetenzorientiert ausgestaltet sein und Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft sowie Chancengleichheit gleichermaßen stärken. Allgemeinbildende Schulen und Berufsschulen müssen praxisnah, modern und personell gut ausgestattet weiterentwickelt werden, wobei die duale Ausbildung als Kernmodell besondere Bedeutung hat. Enge, systematische Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen sowie ein gebündeltes, zeitgemäßes Ausbildungsmarketing verbessern Berufsorientierung und regionale Bindung junger Menschen. Durchlässige und flexible Bildungswege zwischen beruflicher und akademischer Bildung sind ohne unnötige Hürden zu sichern. Langfristig muss es bundesweit vergleichbare Qualitätsstandards und ein zukunftsfähiges Bildungssystem geben, das Mobilität ermöglicht und Fachkräftepotenziale unabhängig vom Wohnort erschließt. ZUSAMMENFASSUNG
4 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 4 Arbeitskräfte gewinnen und halten. Die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften erfordert ganzheitliche Rahmenbedingungen, die Arbeiten, Leben und Familie gleichermaßen berücksichtigen. Flexibles und modernes Arbeiten braucht eine leistungsfähige digitale Infrastruktur sowie praxisnahe arbeitsrechtliche Regelungen, die betriebliche Realität und individuelle Bedürfnisse in Einklang bringen. Öffentliche Fachkräfteförderung ist zu bündeln, strategisch zu steuern und eng mit der Wirtschaft abzustimmen, um Wirkung zu entfalten und Doppelstrukturen zu vermeiden. Internationale Fachkräfte müssen durch verlässliche, schnelle Verfahren und eine gelebte Willkommenskultur nachhaltig integriert werden. Ein abgestimmtes Fachkräfte- und Standortmarketing erhöht die Sichtbarkeit Mecklenburg-Vorpommerns als attraktiven Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Ergänzend sind eine leistungsfähige Alltagsinfrastruktur sowie betriebliche Gesundheitsförderung zentrale Faktoren, um Fachkräfte langfristig zu binden und Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Energie wettbewerbsfähig und verlässlich gestalten Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz können nur dann erfolgreich sein, wenn sie partnerschaftlich mit der Wirtschaft, technologieoffen und marktwirtschaftlich tragfähig gestaltet werden. Forschung, technischer Fortschritt und Innovation sind zentrale Hebel, um Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und regionale Wertschöpfung zu sichern. Eine smarte, resiliente Energieinfrastruktur mit leistungsfähigen Netzen, Speichern, intelligenter Steuerung und Sektorenkopplung ist Grundvoraussetzung für Versorgungssicherheit und Investitionen. Mecklenburg-Vorpommern muss seine Stärken beim Ausbau erneuerbarer Energien und beim Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft konsequent nutzen und weiterentwickeln. Wettbewerbsfähige Strompreise und eine faire bundesweite Verteilung der Netzausbaukosten sind dabei entscheidende Standortfaktoren. Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind als strategische Zukunftsfelder zu stärken, um Resilienz zu erhöhen, Rohstoffe in der Region zu halten und neue Wertschöpfung zu erschließen. Der ländliche Raum spielt dabei eine Schlüsselrolle und ist durch nachhaltige Nutzung von Landschaft, Wasser und Ressourcen gezielt weiterzuentwickeln. 5
5 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Mobilität verlässlich modernisieren Leistungsfähige, integrierte Verkehrsnetze sind eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftesicherung und Lebensqualität in Westmecklenburg. Straße, Schiene, Wasserstraße und Luftverkehr müssen technologieoffen, funktional abgestimmt und zukunftsfähig weiterentwickelt werden. Beschleunigte, digitalisierte Planungs- und Genehmigungsverfahren sind entscheidend, um Infrastrukturengpässe aufzulösen und Investitionen umzusetzen. Digitalisierung, intelligente Verkehrssteuerung und vernetzte Mobilitätsplattformen erhöhen Effizienz, Verlässlichkeit und Ressourcenschonung. Ein starker, nutzerorientierter ÖPNV mit einem Tarifverbund Westmecklenburg sowie guter Anbindung an benachbarte Verbünde stärkt den zusammenhängenden Wirtschafts- und Lebensraum. Länderübergreifende Verkehrsachsen und ein verlässlicher Bahnverkehr sind konsequent abzusichern, um die Region dauerhaft als Wirtschafts-, Logistik- und Transitstandort zu stärken. 6 Raum für Innovationen schaffen Innovationsfähigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Westmecklenburg. Technologischer Wandel muss aktiv, technologieoffen und verantwortungsvoll gestaltet werden – mit praxisnahen Förderinstrumenten, verlässlichen Rahmenbedingungen und frühzeitiger Einbindung der Beschäftigten. Unternehmergeist, Gründungen und Unternehmensnachfolgen sind systematisch zu stärken, insbesondere durch bessere Ausgründungsbedingungen an Hochschulen, gezielte Qualifizierung und gesellschaftliche Wertschätzung. Forschung, Transfer und Anwendung müssen enger verzahnt werden, damit Zukunftstechnologien wie KI, Digitalisierung, Automatisierung oder Life Sciences schneller in marktfähige Lösungen überführt werden. Ein leistungsfähiges Innovationsökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und weiteren Akteuren bildet dafür den Kern. Flächendeckende digitale Infrastrukturen – Glasfaser, Mobilfunk und 5G – sind Grundvoraussetzung für Innovation, moderne Arbeitsformen und neue Geschäftsmodelle. Westmecklenburg ist konsequent als sichtbarer Innovations-, Bildungs- und Startup-Standort mit überregionaler Strahlkraft zu profilieren. 7
6 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Verwaltung zukunftsfähig aufstellen Eine leistungsfähige Verwaltung ist ein zentraler Standortfaktor für Investitionen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Bürokratische Belastungen müssen spürbar und dauerhaft reduziert werden, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, indem Verfahren vereinfacht, standardisiert und messbar entlastet werden. Förderprogramme sind verständlich zu bündeln, digital zugänglich zu machen und so auszugestalten, dass Mittel schnell und wirksam bei den Unternehmen ankommen. Die Verwaltung ist konsequent nutzerorientiert, digital und medienbruchfrei aufzustellen; analoge Prozesse dürfen nicht lediglich digital abgebildet, sondern müssen grundlegend neu gedacht werden. Genehmigungs-, Planungs- und Vergabeverfahren müssen rechtssicher, transparent und deutlich beschleunigt werden, insbesondere bei Infrastruktur- und Investitionsvorhaben. Datenschutz ist wirksam, risikoorientiert und beratungsstark zu vollziehen, damit Rechtssicherheit geschaffen und Digitalisierung ermöglicht wird. Insgesamt muss Bürokratieabbau als aktive Standortpolitik verstanden und systematisch umgesetzt werden – nach dem Prinzip einfach, digital und einmal. Die Wettbewerbsfähigkeit Mecklenburg-Vorpommerns hängt zunehmend von tragfähigen, langfristigen Kooperationen über Verwaltungs- und Landesgrenzen hinweg ab. Überregionale Wirtschafts- und Verflechtungsräume – insbesondere die Metropolregion Hamburg sowie nord- und nordeuropäische Partnerschaften – sind strategisch, verbindlich und ressourcengestützt zu nutzen. Die norddeutsche Zusammenarbeit ist systematisch zu vertiefen, um gemeinsame Stärken in Schlüsselbranchen zu bündeln und Zukunftsthemen koordiniert voranzubringen. Innovations- und Umsetzungskompetenzen müssen stärker gemeinsam organisiert werden, etwa durch eine dauerhaft verankerte norddeutsche Innovationsagentur. Überregionale Cluster und vernetzte Wertschöpfungsketten erhöhen Sichtbarkeit, beschleunigen Innovationen und erschließen neue Wachstumsfelder. Kooperation ist damit kein Zusatz, sondern ein zentraler Hebel für wirtschaftliche Stärke, Resilienz und internationale Anschlussfähigkeit. Kooperationen strategisch gestalten 9 10 Finanzierung verbessern Eine leistungsfähige Wirtschaft benötigt verlässliche, praxisnahe und gut zugängliche Finanzierungsstrukturen in allen Unternehmensphasen. Öffentliche Förder- und Finanzierungsinstrumente müssen vereinfacht, digitalisiert und stärker auf die tatsächlichen Bedarfe von Unternehmen ausgerichtet werden – insbesondere auch für kleine und kleinstbetriebliche Strukturen. Gleichzeitig ist der Zugang zu privatem Kapital systematisch zu verbessern, um Gründungen, Wachstum und Unternehmensnachfolgen nachhaltig zu ermöglichen. Öffentliche Mittel sollten gezielt als Hebel wirken, um privates Beteiligungs- und Risikokapital zu mobilisieren. Für Startups braucht es neben der Frühphase verlässliche Scale-up-Finanzierungen, die Wachstum und Marktdurchdringung ermöglichen. Unternehmensnachfolgen sind finanziell und strukturell abzusichern, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how in der Region zu halten. Insgesamt gilt: Finanzierungspolitik muss schneller, transparenter und mutiger werden, damit Zukunftsinvestitionen nicht an Strukturen scheitern. 8
7 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Vorwort 1 Kapitel I Westmecklenburg für eine erfolgreiche Zukunft mit der Wirtschaft 8 Kapitel II Region aktiv gestalten für eine aktive Regional- und Landesentwicklung, die die hohe Lebensqualität Westmecklenburgs aktiv weiterentwickelt 10 Kapitel III Junge Menschen befähigen für eine konsequent qualitätsorientierte Bildungs- und Weiterbildungspolitik als Bestandteil der Fachkräftesicherung 14 Kapitel IV Fachkräfte-Infrastruktur ausbauen für eine Fortentwicklung der gesamten Region als attraktiver Arbeits- und Lebensmittelpunkt 18 Kapitel V Ressourcenstärke entfalten für einen Klima- und Umweltschutz mit der Wirtschaft und einer stabilen, wettbewerbsfähigen Energieversorgung 20 Kapitel VI Zukunftsfähige Mobilität sichern für leistungsfähige Verkehrsnetze, innovative Konzepte und verlässliche Angebote 23 Kapitel VII Innovationen ermöglichen für technologieoffene Förderungen, praxisnahe Verfahren und exzellente Forschungs- und Kooperationsstrukturen 26 Kapitel VIII Finanzierung zukunftsweisend ausstatten für eine solide und nachhaltige Finanzierungsbegleitung von Unternehmen 29 Kapitel IX Kooperationen strategisch gestalten für starke überregionale Partnerschaften und wettbewerbsfähige Wirtschaftsräume 32 Kapitel X Verwaltung zukunftsfähig aufstellen für effiziente, digitale und bedarfsgerechte Verwaltungsprozesse 34 Kapitel XI Sich im Bund einbringen für ein selbstbewusstes Mecklenburg-Vorpommern im föderalen Geflecht 36 Kapitel XII Europäische Union weiterdenken für eine in Vielfalt geeinte, sichtbare europäische Region Mecklenburg-Vorpommern 38 INHALTSVERZEICHNIS
8 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 WEST MECKLEN BURG KAPITEL I für eine erfolgreiche Zukunft mit der Wirtschaft
9 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Verantwortungsvoll und nachhaltig handeln Die Unternehmen in Westmecklenburg übernehmen wirtschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung für die Region. Ihr Handeln orientiert sich am Leitbild der ehrbaren Kaufleute und steht für Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Transparenz gegenüber Mitarbeitenden, Kunden, Geschäftspartnern sowie Politik und Gesellschaft. Wertschätzung und Akzeptanz der Wirtschaft stärken Die Unternehmen in Westmecklenburg sind fest in der Region verankert und schaffen Arbeitsplätze, Perspektiven und Standortattraktivität. Darüber hinaus engagieren sie sich in Bildung, Kultur, Infrastruktur und sozialen Projekten. Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit sind aufgefordert, der Wirtschaft vorurteilsfrei zu begegnen und ihre Leistungen anzuerkennen. Die Wirtschaft steht für einen offenen, sachlichen und transparenten Dialog zur Verfügung. Zur Stärkung der Krisenfestigkeit des Wirtschaftsstandorts sind verlässliche institutionelle Rahmenbedingungen, sichere Lieferketten und die Versorgung mit systemrelevanten Gütern erforderlich. Kooperationen auf Bundes- und EU-Ebene sind gezielt auszubauen. Digitalisierung, leistungsfähige Breitband- und Mobilfunknetze, digital ausgestattete Bildungseinrichtungen sowie der Ausbau digitaler Kompetenzen sind zentrale Voraussetzungen für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Die Landespolitik soll Unternehmen bei der Anpassung von Produktions- und Organisationsstrukturen unterstützen und gezielte Investitionsanreize für zukunftsfähige Strukturen setzen. Resilienz und Krisenfestigkeit des Wirtschaftsstandorts ausbauen Unternehmerische Freiheit und Soziale Marktwirtschaft sichern Unternehmerische Freiheit ist ein zentrales Element der Sozialen Marktwirtschaft und Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wohlstand. Sie setzt verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine sichere Versorgung mit Energie, Ressourcen, Infrastruktur und Flächen voraus. Die Soziale Marktwirtschaft ist als wesentlicher Standortvorteil konsequent zu schützen und zukunftsfest weiterzuentwickeln. Ein strukturierter, frühzeitiger und vorurteilsfreier Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist Voraussetzung für praxistaugliche Entscheidungen. Die IHK zu Schwerin bündelt als Stimme der regionalen Wirtschaft deren Gesamtinteresse und ist konsequent in politische Entscheidungsprozesse, Foren, Beratungen und Anhörungen einzubeziehen, damit wirtschaftliche Auswirkungen angemessen berücksichtigt werden. Wirtschaft und Politik frühzeitig und auf Augenhöhe einbinden 2 4 1 3 5
10 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 REGION AKTIV GESTALTEN KAPITEL II für eine aktive Regional- und Landesentwicklung, die die hohe Lebensqualität Westmecklenburgs aktiv weiterentwickelt
11 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Gewerbe- und Industrieflächen vorausschauend entwickeln Regionale Wertschöpfungsketten stärken und vernetzen Kommunale Wirtschaftstätigkeit auf Ausnahmefälle begrenzen Ausreichend verfügbare, qualitativ hochwertige Gewerbe- und Industrieflächen sind Voraussetzung für Investitionen, Wachstum und Neuansiedlungen. Industrie- und Militärbrachen sind vorrangig zu revitalisieren und Bestandsflächen nachhaltig weiterzuentwickeln. Neue Flächen müssen effizient erschlossen werden und über leistungsfähige Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, eine gesicherte Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen im regionalen Umfeld sowie eine verlässliche planungsrechtliche Anbindung verfügen. Zentrale Innovationsstandorte wie das TGZ Wismar/Schwerin sind gezielt auszubauen. Industrie-4.0- und Industrie-5.0-Ansätze sind frühzeitig in die Planung einzubeziehen. Die regionale Wertschöpfung ist durch gezielte Erweiterungen, Neugründungen und Ansiedlungen entlang bestehender Strukturen auszubauen. Kurze Lieferketten, leistungsfähige Logistik sowie die enge Verzahnung von Wirtschaft, Forschung, Qualifizierung und Dienstleistungen erhöhen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Das Land soll die Transformation in allen Branchen aktiv begleiten und Cluster gezielt fördern. Private Unternehmen tragen das volle unternehmerische Risiko und müssen vor Wettbewerbsverzerrungen geschützt werden. Kommunale wirtschaftliche Betätigung ist daher auf klar begründete Ausnahmefälle zu beschränken und vorab transparent zu prüfen. Für Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft oder mit öffentlicher Beteiligung sind Wettbewerbsneutralität, Wirtschaftlichkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln verbindlich sicherzustellen. 8 9 7 Steuer- und Abgabenbelastung wettbewerbsfähig gestalten Steuern, Abgaben und Gebühren dürfen die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen nicht übermäßig belasten. Sie müssen transparent, nachvollziehbar und wirtschaftlich tragfähig ausgestaltet sein. Ziel ist eine spürbare Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten unter Berücksichtigung der kommunalen Gewerbe- und Grundsteuerbelastung. Gesetzgeber und Verwaltung sollen bürokratische Aufwände konsequent abbauen, digitale Verfahren ausbauen und die Aufbewahrungsfristen für prüfungsrelevante Unterlagen auf fünf Jahre begrenzen. Internationale Wettbewerbsbedingungen, Zollfragen und fragile Lieferketten sind in der Abgabenpolitik angemessen zu berücksichtigen. 6 Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren beschleunigen und digitalisieren Schnelle, rechtssichere und planbare Verwaltungsverfahren sind entscheidend für Investitionen. Verbindliche Fristen sind einzuhalten. Für Planungs- und Baugenehmigungen ist ein Zielwert von maximal zwölf Monaten anzustreben. Digitale, automatisierte und parallel geführte Verfahren müssen zum Standard werden. Personelle Engpässe sind in erste Linien durch Digitalisierung zu begegnen. Darüber hinaus können schlankere Prozesse und privatwirtschaftliche Fachkompetenz helfen. Die Verwaltung soll frühzeitig beraten und unterstützen, statt investitionshemmend zu sanktionieren. 10
12 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Demografischen Wandel als wirtschaftliche Chance nutzen Wohnen, Arbeiten und Leben integrierter entwickeln Attraktive Rahmenbedingungen für Auszubildende und Studierende schaffen Westmecklenburg kann seine frühen Erfahrungen mit dem demografischen Wandel gezielt für neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Innovationen nutzen. Fachkräftesicherung erfordert lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle, kontinuierliche Weiterbildung, flexible Übergänge in den Ruhestand sowie präventive Gesundheitsangebote. Kleine und mittlere Unternehmen sind durch passgenaue Förderprogramme und eine leistungsfähige digitale, soziale und kulturelle Infrastruktur zu unterstützen. Smart-City- und E-Government-Lösungen sind standortgerecht in die Fläche zu übertragen. Erfolgreiche Modellprojekte – etwa in Grevesmühlen und Hagenow – sind systematisch auszuwerten und weiterzuentwickeln. Attraktive Arbeitsplätze erfordern bezahlbaren, gut erreichbaren Wohnraum und eine hohe Lebensqualität. Bestehender Wohnraum ist zu sanieren, neuer Miet- und Wohnraum bedarfsgerecht zu schaffen und die Innenstadtentwicklung resp. Siedlungsschwerpunkte zu stärken. Flexible Bau- und Planungsstandards sollen Kosten senken, ohne notwendige Sicherheitsanforderungen zu beeinträchtigen. Digitale Infrastruktur, Telemedizin und moderne Mobilitätsangebote verbinden Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Mitarbeiterwohnen ist gezielt zu fördern. Kultur-, Freizeit- und Sportangebote sind langfristig zu sichern und auch im ländlichen Raum attraktiv weiterzuentwickeln. Eine aktive digitale Kommunikation stärkt die Sichtbarkeit für junge Menschen. Flexible Mobilitätsangebote müssen Ausbildung, Studium und Freizeit zuverlässig verbinden. Sicherheitsauflagen für Veranstaltungen sind verhältnismäßig auszugestalten, um privates Engagement nicht zu behindern und Innenstädte zu beleben. 11 12 13
13 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Lebendige Innenstädte und Ortszentren sichern Stadt und Land stärker vernetzen Innenstädte und Ortszentren sind multifunktionale Räume für Handel, Dienstleistungen, Wohnen, Kultur, Bildung und Freizeit und gezielt weiterzuentwickeln. Die Erreichbarkeit für Fuß-, Rad-, ÖPNV-, Auto- und Lieferverkehre ist ausgewogen sicherzustellen. Großflächiger Einzelhandel außerhalb der Zentren ist kritisch zu prüfen. Landesinitiativen, Belebungsbudgets, Dialogformate, Wettbewerbe und professionelles Ansiedlungsmanagement sind konsequent fortzuführen. Westmecklenburg ist als zusammenhängender Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zu entwickeln. Kommunale Grenzen dürfen Kooperation nicht behindern. Städte und ländliche Räume sollen bei zentralen Zukunftsthemen – von Bildung und Fachkräftesicherung über Wohnen und Mobilität bis hin zu Kultur und Freizeit – gemeinsam handeln. Die Zusammenarbeit mit der Metropolregion Hamburg ist auszubauen, um Synergien zu nutzen und die Attraktivität der gesamten Region nachhaltig zu stärken. 15 16 Westmecklenburg überregional als Lebens- und Arbeitsregion positionieren Westmecklenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind als attraktive Regionen für Fachkräfte, Start-ups, Investoren, Auszubildende, Studierende und Forschende zu positionieren. Erfolgreiche Initiativen wie westmecklenburg.de und Kampagnen von „Invest in MV“ sind langfristig zu sichern, finanziell auszustatten und strategisch aufeinander abzustimmen. Eine integrierte Marketingstrategie soll die Wahrnehmung der Region nach außen und innen nachhaltig stärken. 14
14 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 KAPITEL III für eine konsequent qualitätsorientierte Bildungs- und Weiterbildungspolitik als Bestandteil der Fachkräftesicherung
15 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Eigenverantwortung, Leistung und Chancengleichheit stärken Bildungspolitik konsequent qualitäts- und kompetenzorientiert ausrichten Allgemeinbildende Schulen praxis- und berufsorientiert weiterentwickeln Berufsschulen als Kern der dualen Ausbildung stärken Bildungserfolg setzt Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Offenheit für lebenslanges Lernen voraus. Politik und Verwaltung müssen verlässliche Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige Bildung in allen Lebensphasen schaffen. Chancengleichheit ist dabei eine zentrale Voraussetzung für Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eltern sind stärker in ihrer Mitverantwortung für Bildungs- und Ausbildungserfolge einzubinden. Bildung muss von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung flächendeckend qualitativ hochwertig und gut erreichbar sein. Zentrale Kompetenzen sind Sprach- und Mathematikkenntnisse, naturwissenschaftliche Grundlagen, Medien- und Digitalkompetenz sowie analytisches, kreatives und selbstständiges Denken. Interkulturelle und methodische Fähigkeiten sind als Schlüsselqualifikationen systematisch zu stärken. Allgemeinbildende Schulen legen die Grundlage für Ausbildungsfähigkeit und Berufswahlkompetenz. Sie benötigen eine verlässliche personelle und finanzielle Ausstattung sowie moderne Lehr- und Lernmethoden. Praxis- und Wirtschaftsbezug, Berufs- und Studienorientierung sowie verbindliche Schulpraktika sind frühzeitig, systematisch und gemeinsam mit der Wirtschaft auszubauen. Berufsschulen sind ein zentraler Pfeiler der Fachkräftesicherung und müssen qualitativ, personell und technisch zukunftsfähig aufgestellt werden. Digitale und hybride Lernformate sind konsequent auszubauen. Lehrkräfte sind entsprechend auszustatten und fortzubilden. Leistungsorientierung, Talentförderung und gezielte Unterstützung leistungsschwächerer Auszubildender sind sicherzustellen. Ein abgestimmtes Block- und Teilzeitmodell sowie die Synchronisierung der Berufsschulzyklen ermöglichen hybride Unterrichtsformen, verbessern die Planbarkeit und harmonisieren den Ausbildungsablauf. Ähnliche Ausbildungsinhalte sollte berufsübergreifend vermittelt werden, um Synergien zu nutzen und Unterrichtsqualität zu steigern. 17 18 19 20 Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen systematisch ausbauen Enge und dauerhafte Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Fachkräftesicherung. Sie ermöglichen frühzeitige Einblicke in regionale Berufs- und Ausbildungsperspektiven. Die Partnerschaften sind strukturell zu stärken und durch gemeinsame Projekte, Wettbewerbe und digitale Innovationsformate praxisnah weiterzuentwickeln. 21
16 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Ausbildungsmarketing bündeln und modernisieren Einheitliches, zukunftsfähiges Bildungssystem bundesweit etablieren Zugang zur dualen Ausbildung landesweit sichern Vertiefendes Forderungspapier: Durchlässige und flexible Bildungswege sichern Junge Menschen sind zielgruppengerecht und medienadäquat über Ausbildungs- und Karrierechancen in der Region zu informieren. Gemeinsame Marketinginitiativen von Land, Wirtschaft und IHK sind fortzuführen und weiterzuentwickeln. Die IHK-Lehrstellenbörse und regionale Schulkooperationen sind gezielt auszubauen, um Fachkräftepotenziale in der Region zu halten und Rückkehrer systematisch anzusprechen. Bildungschancen dürfen nicht vom Wohnort oder der (Hoch-)Schulform abhängen. Bund und Länder müssen ein einheitliches, durchlässiges Bildungssystem mit vergleichbaren Qualitätsstandards, Lerninhalten und Leistungsmaßstäben sicherstellen. Abgestimmte Übergangsregelungen, verbindliche digitale Kompetenzen und praxisorientiertes Lernen stärken Mobilität, Anerkennung von Qualifikationen und langfristig die Fachkräftesicherung in allen Regionen. Berufe, die in Berufsfachschulen ausgebildet werden, sollten auch als duale Ausbildungen ermöglicht werden, damit Unternehmen ihren Fachkräftebedarf aus eigener Kraft sichern können. Dies gilt insbesondere für Gesundheitsberufe. Das Land sollte Modellprojekte zur Einführung dualer Ausbildung in diesen Bereichen gezielt unterstützen. Die Attraktivität und Erreichbarkeit der dualen Ausbildung muss im gesamten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern gewährleistet sein. Lange Anfahrtswege dürfen kein Hindernis für Ausbildungserfolg sein. Deshalb sind flexible Schulwechsel zu ermöglichen, wenn eine näher gelegene Berufsschule den Wohn- oder Ausbildungsort besser erreicht. Maßgeblich sollte die tatsächliche Entfernung sein. Ein verlässliches, bedarfsgerechtes System für Schülertransporte ist ebenso sicherzustellen wie ausreichende, bezahlbare Unterkunftsmöglichkeiten für Auszubildende. Bestehende Schülerwohnheime sind zu erhalten und durch innovative, temporäre Wohnformen zu ergänzen, um den Zugang zur Berufsschule flächendeckend zu sichern. » Positionen der IHK zu Schwerin zur Fach- und Arbeitskräftesicherung » Gemeinsame Erklärung der Berufsbildungsausschüsse der IHKs in MV zur Sicherung und Modernisierung der Berufsschulstandorte in Mecklenburg-Vorpommern Übergänge zwischen Schularten, beruflicher und akademischer Bildung sind ohne unnötige Hürden zu gestalten. Anrechnungsverfahren sind auszubauen, Weiterqualifizierungen gezielt zu fördern und praxisnahe Verbundstudiengänge sowie berufsbegleitende Angebote zu stärken. Bildungswege müssen auch bei zusätzlichen Anforderungen – etwa durch gesellschaftliche Pflichtdienste – flexibel und attraktiv bleiben. 22 24 25 23
17 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I
18 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Rahmenbedingungen für flexibles und modernes Arbeiten schaffen Flexibles, orts- und zeitunabhängiges Arbeiten ist ein zentraler Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sowie für die Attraktivität des Standorts. Voraussetzung sind eine leistungsfähige digitale Infrastruktur und ein arbeitsrechtlicher Rahmen, der betriebliche und individuelle Lösungen ermöglicht. Arbeitszeitregelungen sind praxisnah auszugestalten und auf das notwendige Maß zu begrenzen, insbesondere in saisonalen, dienstleistungs- und kundenorientierten Branchen. 26 KAPITEL IV für eine Fortentwicklung der gesamten Region als attraktiver Arbeits- und Lebensmittelpunkt
19 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Öffentliche Fachkräfteförderung bündeln und strategisch steuern Fachkräfte- und Standortmarketing strategisch ausbauen Betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention stärken Attraktive Alltagsinfrastruktur für Fachkräfte sicherstellen Fachkräfte gezielt willkommen heißen und integrieren Die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften erfordert koordinierte Maßnahmen auf Landes- und regionaler Ebene. Marketingkampagnen, Rückkehrer- und Pendlerformate sowie nationale und internationale Akquiseaktivitäten sind bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und dauerhaft zu finanzieren. Doppelstrukturen sind zu vermeiden. Eine klare fachliche und organisatorische Federführung ist sicherzustellen. Die Wirtschaft ist als Partner frühzeitig einzubinden. Erfolgreiche unternehmerische Beispiele und Karriereperspektiven aus Mecklenburg-Vorpommern sind national und international sichtbar zu machen. Ein abgestimmtes Vorgehen regionaler, landesweiter und nationaler Akteure erhöht Reichweite und Wirksamkeit. Ziel ist die nachhaltige Positionierung des Landes als attraktiver Standort zum Leben, Arbeiten und Studieren. Die Gesundheit der Beschäftigten ist ein wesentlicher Faktor der Fachkräftesicherung. Prävention, sektorenübergreifende Gesundheitsangebote und innovative Maßnahmen sind gemeinsam mit der Wirtschaft auszubauen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Kleinstbetriebe benötigen passgenaue Unterstützung. Der Zugang zu Angeboten ist unbürokratisch zu gestalten. Bestehende Maßnahmen sind zu koordinieren und regelmäßig zu evaluieren, um ihre Wirksamkeit nachhaltig zu erhöhen Fachkräfte benötigen verlässliche Rahmenbedingungen im Alltag. Dazu gehören eine leistungsfähige Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, bedarfsgerechte Betreuungsangebote für Kinder und Pflegebedürftige, gut erreichbare Nahversorgung und Naherholung sowie eine qualitativ hochwertige, flächendeckende Gesundheitsversorgung. Angebote des öffentlichen Nahverkehrs sind mit Arbeits- und Betreuungszeiten besser zu verzahnen, um die Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben in allen Familienformen zu erleichtern. Mecklenburg-Vorpommern muss qualifizierte Fachkräfte aktiv gewinnen, begleiten und langfristig binden. Ausländerbehörden und Anerkennungsstellen sind zu verlässlichen Partnern der Unternehmen weiterzuentwickeln und müssen einheitliche, zügige Verfahren nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sicherstellen. Eine gelebte Willkommenskultur für Fachkräfte und ihre Familien ist als Standortfaktor zu stärken. Unterstützende Strukturen wie Welcome-Center tragen wesentlich zur Integration und Orientierung bei. 27 29 31 30 28 Vertiefendes Forderungspapier: » Industriepolitischen Positionen „Industrieland Mecklenburg-Vorpommern 2030” » Positionen der IHK zu Schwerin zur Fach- und Arbeitskräftesicherung
20 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 für einen Klima- und Umweltschutz mit der Wirtschaft und einer stabilen, wettbewerbsfähigen Energieversorgung KAPITEL V
21 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz partnerschaftlich gestalten Smarte, resiliente und investitionsfreundliche Energieinfrastruktur sichern Erneuerbare Energien und Sektorenkopplung konsequent weiterentwickeln Wasserstoffwirtschaft und sektorübergreifende Nutzung erneuerbarer Energien ausbauen Forschung und technischen Fortschritt technologieoffen vorantreiben Klima- und Umweltschutz sowie nachhaltige Ressourcennutzung müssen gemeinsam mit der Wirtschaft umgesetzt werden. Transformation gelingt nur technologieoffen, praxisnah und marktwirtschaftlich tragfähig. Ressourcenschonende Wirtschaftsweisen sind gezielt als Innovations- und Wettbewerbschance zu nutzen und mit regionaler Wertschöpfung zu verbinden. Eine leistungsfähige, intelligente Energieinfrastruktur ist Voraussetzung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung. Netzausbau, Speichertechnologien, intelligente Steuerungssysteme und Sektorenkopplung sind konsequent voranzubringen. Der regulatorische Rahmen muss Investitionen ermöglichen, insbesondere durch eine angemessene Eigenkapitalverzinsung. Versorgungssicherheit bleibt dabei oberstes Leitprinzip. Der Ausbau erneuerbarer Energien an Land und auf See ist verlässlich fortzusetzen. Interessen von Kommunen, Bürgern, Wirtschaft sind durch praktikable Ausgleichsmodelle zu berücksichtigen. Nutzungskonflikte sind frühzeitig durch verbindliche Raumpläne aufzulösen, um Akzeptanz zu sichern und wirtschaftliche, ökologische sowie touristische Interessen in Einklang zu bringen. Rechtssichere Rahmenbedingungen müssen Planungs- und Investitionssicherheit gewährleisten. Die Kombination mit dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung stärkt Effizienz und Versorgungssicherheit. Mecklenburg-Vorpommern soll eine führende Rolle bei der Entwicklung einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft einnehmen. Erzeugung, Speicherung, Transport und Anwendung von Wasserstoff sowie darauf aufbauende industrielle Wertschöpfung sind gezielt im Land zu verankern. Erneuerbare Energien sind verstärkt direkt vor Ort für Power-to-X-Anwendungen zu nutzen, um Sektorenkopplung, Versorgungssicherheit und Effizienz zu stärken. Der Markthoch- lauf ist durch Pilotprojekte, technologieoffene und ressourcenschonende Infrastrukturen sowie eine Kombination aus zentralen und dezentralen Lösungen zu unterstützen. Übergangstechnologien können befristet einbezogen werden. Technischer Fortschritt ist ein zentraler Hebel für eine wirksame und wirtschaftlich tragfähige Klima- und Umweltpolitik. Forschung und Entwicklung sind gezielt auszubauen und technologieoffen zu fördern. Regionale Forschungs- und Entwicklungsprojekte – insbesondere in den Bereichen Energie, Umwelttechnik und intelligente Systeme – stärken Innovationskraft, Beschäftigung und Wertschöpfung im Land. 32 34 36 35 33
22 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Wettbewerbsfähige Strompreise als Standortfaktor anstreben Resiliente und ressourceneffiziente Räume entwickeln Netzausbaukosten bundesweit fair verteilen International wettbewerbsfähige Strompreise sind Voraussetzung für Investitionen und industrielle Wertschöpfung. Die Stromsteuer ist auf das europäische Mindestniveau abzusenken. Zusätzliche Belastungen, insbesondere beim Eigenverbrauch, sind abzubauen. Lokal überschüssiger Strom ist konsequent zu nutzen und in speicherfähige Energieformen umzuwandeln, um den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen. Anpassungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind zentrale Voraussetzungen für eine zukunftsfähige wirtschaftliche Entwicklung. Umwelt- und Klimaschutz sind dabei konsequent mit wirtschaftlicher Nutzung zu verbinden, um Synergien zu heben und regionale Wertschöpfung zu stärken. Ländliche wie urbane Räume sind durch einen nachhaltigen Umgang mit Landschaften, Böden, Wasser und Biodiversität gezielt zu stärken. Innovationen, Start-ups, Netzwerke und Pilotprojekte zur Kreislaufwirtschaft sind auszubauen, regionale Recycling- und Sekundärrohstoffmärkte zu entwickeln und durch einheitliche Qualitätsstandards zu stützen. Leitgedanke soll sein, auf verfügbaren Flächen eine konsequente Mehrfachnutzung zu ermöglichen, um sie effizient zu nutzen. Die öffentliche Hand soll diese Entwicklung durch ihre Beschaffungs- und Baupolitik aktiv vorleben. Die Kosten des Netzausbaus dürfen nicht zu regionalen Wettbewerbsnachteilen führen. Sie sind bundesweit gerecht über alle Spannungsebenen zu verteilen. Regionen mit hoher Bedeutung für die Energiewende dürfen wirtschaftlich nicht benachteiligt werden. 37 39 38 Vertiefendes Forderungspapier: » Industriepolitischen Positionen „Industrieland Mecklenburg-Vorpommern 2030”
23 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Verkehrsnetze leistungsfähig, integriert und zukunftsfähig weiterentwickeln Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität. Die überregionale Anbindung an Flughäfen, Häfen, Bundesfernstraßen und den Schienenfernverkehr ist ebenso sicherzustellen wie ein leistungsfähiges regionales Netz auf Straße, Schiene und Wasserstraße. Alle Verkehrsträger sind technologieoffen und entsprechend ihrer verkehrswirtschaftlichen Funktion weiterzuentwickeln. Neue Mobilitätsformen – von E-Mobilität über Wasserstoff, autonomes Fahren und intelligente Verkehrsteuerung bis hin zu Rad- und Abstellinfrastruktur – sind strategisch zu integrieren. Ziel ist die bessere Verknüpfung aller Verkehrsträger sowie die Reduzierung bestehender Engpässe und Nutzungskonflikte. 40 KAPITEL VI für leistungsfähige Verkehrsnetze, innovative Konzepte und verlässliche Angebote
24 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen und digitalisieren Regionalisierungsmittel verkehrsgebunden und wirkungsorientiert einsetzen Planungs- und Genehmigungsverfahren sind ein zentraler Engpass beim Infrastrukturausbau. Verfahren müssen beschleunigt, digitalisiert und personell wie finanziell ausreichend ausgestattet werden. Wirtschaft, Verbände, Öffentlichkeit und Bürgerinitiativen sind frühzeitig einzubinden, um Expertise zu nutzen und Akzeptanz zu schaffen. Vereinfachte Verfahren sind insbesondere bei Ersatz- und Ausbaumaßnahmen konsequent anzuwenden. Regionalisierungsmittel sind konsequent für die Sicherung und Weiterentwicklung einer flächendeckenden, attraktiven Mobilität einzusetzen. Sie müssen dem gesamten öffentlichen Personenverkehr zugutekommen und nutzerorientierte, verlässliche Angebote ermöglichen. 41 42
25 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Technologieoffene Mobilitätsinnovationen gleichberechtigt fördern Digitalisierung als Hebel für effiziente Mobilität nutzen Neue Mobilitätskonzepte und Antriebstechnologien müssen gleiche Marktchancen erhalten. Batterie-, Wasserstoff-, synthetische und weitere alternative Antriebe sind technologieoffen zu fördern. Autonome Mobilität auf Straße und Schiene ist rechtlich, ordnungspolitisch und technisch abzusichern. Modellprojekte, Reallabore und Erprobungsflächen stärken regionale Kompetenzen. Auch Luftmobilität ist als Perspektive für Personen- und Güterverkehre in ländlichen Räumen mitzudenken. Digitale Vernetzung und intelligente Verkehrssteuerung erhöhen Effizienz, Sicherheit und Ressourcenschonung. Verkehrsdaten sind anonymisiert für Forschung und Wirtschaft bereitzustellen, um Innovationen zu ermöglichen. Digitale Mobilitätsplattformen verknüpfen Verkehrsträger, liefern Echtzeitinformationen und tragen zur Reduzierung von Emissionen bei. 43 44 ÖPNV stärken und Tarifverbund Westmecklenburg umsetzen Westmecklenburg ist ein zusammenhängender Wirtschafts- und Lebensraum. Ein Tarifverbund Westmecklenburg – perspektivisch mit landesweiten und angrenzenden Anschlüssen – ist Voraussetzung für attraktive ÖPNV-Angebote als wichtiges Element der Daseinsvorsorge. Kapazitätsausbau, Taktverdichtungen und digitale Vertriebssysteme erhöhen die Nutzerfreundlichkeit. Angebote sind ganzjährig und für alle Zielgruppen auszurichten. Multimodale Knotenpunkte sind auszubauen. Die Verzahnung mit benachbarten Verkehrsverbünden wie HVV und NAH.SH ist langfristig sicherzustellen. 45 Länderübergreifende Verkehrsprojekte mit Nachdruck umsetzen Verlässlichkeit des Bahnverkehrs sicherstellen Die Leistungsfähigkeit der Region hängt wesentlich von länderübergreifenden Verkehrsachsen ab. Das Land muss die Umsetzung der prioritären Projekte – insbesondere A14, A20/A28 sowie die Straßen- und Schienenanbindungen im Zuge der Fehmarnbeltquerung – aktiv vorantreiben. Geschlossene, leistungsfähige Verkehrsachsen sind Voraussetzung für die Stärkung Westmecklenburgs als Wirtschafts-, Logistik- und Transitstandort. Ein leistungsfähiger und verlässlicher Bahnverkehr ist für Wirtschaft und Bevölkerung unverzichtbar. Kurzfristige Streckensperrungen, Angebotsstreichungen, Bauverzögerungen und technische Störungen beeinträchtigen die Standortattraktivität. Die Landesregierung muss gemeinsam mit Bund, Deutscher Bahn und weiteren Akteuren die Grundfunktionalität des Bahnverkehrs schnellstmöglich wiederherstellen und dauerhaft absichern. 47 46 Vertiefendes Forderungspapier: » Verkehrspolitische Positionen der IHKs in Mecklenburg-Vorpommern 2025 – Infrastruktur, Verkehr, Mobilität – verlässlich und planbar gestalten
26 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 KAPITEL VII für technologieoffene Förderungen, praxisnahe Verfahren und exzellente Forschungs- und Kooperationsstrukturen
27 Wirtschaftspolitische Positionen 2026 I Technologischen Wandel aktiv und verantwortungsvoll gestalten Startup-Ökosystem MV gezielt stärken Unternehmergeist und Nachfolge systematisch stärken Zukunftstechnologien technologieoffen und praxisnah fördern Immer kürzere Innovationszyklen erfordern die kontinuierliche Anpassung von Organisations- und Produktionsprozessen sowie die aktive Einbindung der Beschäftigten. Chancen, Risiken und Grenzen neuer Technologien sind transparent darzustellen – auch im öffentlichen Raum. Politik und Verwaltung sollen technologische Entwicklungen sachorientiert begleiten, gemeinsam mit der Wirtschaft praxistaugliche Lösungen entwickeln und den gezielten Einsatz zukunftsorientierter Fördermittel sicherstellen. Ein leistungsfähiges Startup-Ökosystem erfordert Kapital, Talente, Netzwerke, Infrastruktur, verlässliche Rechtsrahmen und eine offene Innovationskultur. Fokuszentren und Leuchttürme mit überregionaler Strahlkraft sind gezielt aufzubauen und durch geeignetes Marketing sichtbarer werden. Startups sollen bei öffentlichen Ausschreibungen gleichberechtigt berücksichtigt werden. Das Land muss Innovation und Unternehmertum offensiv vermarkten, um Gründer, Investoren und Partner zu gewinnen. Netzwerke zwischen Startups, etablierten Unternehmen, Forschung und Kapitalgebern sind systematisch auszubauen. Klare, messbare Ziele zur Erfolgskontrolle von Startup-Maßnahmen sind festzulegen und regelmäßig zu überprüfen. Unternehmerisches Handeln erfordert Mut, Verantwortung und gesellschaftliche Wertschätzung. Praxisnaher Wirtschaftsunterricht, Gründungsbeispiele, geeignete Qualifizierungsangebote sowie die Nutzung bestehender Inkubatorstrukturen sind gezielt auszubauen. Hochschulabsolventinnen und -absolventen müssen bessere Rahmenbedingungen für Ausgründungen und Unternehmensnachfolgen erhalten. Betriebswirtschaftliche Weiterbildung ist als zentrale Grundlage des unternehmerischen Erfolgs zu stärken. Themen wie Künstliche Intelligenz, Daten- und Quantentechnologien, IT-Sicherheit, Robotik, Plattformökonomien und biobasierte Materialien bieten erhebliche Potenziale für die regionale Wirtschaft. Das Land soll internationale Kooperationen – insbesondere im Ostseeraum – ausbauen, bestehende Kompetenzen sichtbar machen und ein leistungsfähiges digitales Innovationsökosystem entwickeln. Transferinstitute, wirtschaftsnahe Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie steuerliche Forschungsförderung sind branchenoffen und KMU-gerecht auszugestalten. Förderprogramme müssen auch innovationsgetriebene Geschäftsmodelle mit unsicherem Ausgang ermöglichen. 48 50 49 51 Regionale Kompetenzen für Schlüsseltechnologien gezielt ausbauen Der Aufbau, Erhalt und Transfer von Wissen sind zentrale Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit. Schwerpunkte liegen auf Digitalisierung, Automatisierung, Datenanalyse, IT-Sicherheit, Life Science und Künstlicher Intelligenz. Die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien ist durch transparente Kommunikation ihres Nutzens für Umwelt, Gesundheit und Daseinsvorsorge zu stärken. Bildungs- und Qualifizierungsangebote sind über alle Altersgruppen hinweg weiterzuentwickeln. 52
28 I Wirtschaftspolitische Positionen 2026 „Triple Helix +“ als Innovationsmotor etablieren Innovations- und Bildungsstandort Westmecklenburg profilieren Glasfaserausbau konsequent beschleunigen Mobilfunkversorgung flächendeckend sicherstellen 5G-Ausbau strategisch und flächendeckend vorantreiben Die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung ist systematisch auszubauen und um Öffentlichkeit, Umwelt und Nachhaltigkeit zu ergänzen. Transferinstitute, Technologieparks und intermediäre Einrichtungen sind als zentrale Austausch- und Entwicklungsräume zu stärken. Vorgründungsphasen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind zu etablieren. Meilensteine sind als Erfolgskriterium anzuerkennen, um auch disruptive Innovationen zu ermöglichen. Durch die Schaffung von Technologie-Startups mit internationaler Strahlkraft (Leuchttürme) sollen weitere Gründer inspiriert, die Aufmerksamkeit von Investoren erhöht und das regionale Startup-Ökosystem auf ein neues Level gehoben werden. Der Hochschul- und Forschungsstandort ist breiter aufzustellen, besser zu vernetzen und national wie international sichtbarer zu machen. Bestehende Einrichtungen sind gezielt auszubauen und strategisch zu ergänzen. Besonders in Ludwigslust-Parchim und Schwerin müssen die Hochschulangebote und eine entsprechende soziale Infrastruktur mit auf Unternehmensthemen fokussierte Schwerpunkten sichtbar werden. Schwerpunkte liegen unter anderem in Holz- und Ernährungswirtschaft, Energie, Mobilität, Logistik, Robotik/Automatisierung sowie Gesundheitswirtschaft und Life Science. Eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur ist Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Wohnen und Arbeiten, Landwirtschaft und Tourismus. Bestehende Ausbaugebiete sind zügig anzuschließen, insbesondere an Gewerbe- und Industriestandorten. Ausbauprozesse sind zu beschleunigen und Kommunen sowie Unternehmen umfassend zu unterstützen. Funklöcher und Lücken im LTE-Netz sind schnellstmöglich zu schließen. Der eigenwirtschaftliche Ausbau der Netzbetreiber ist wirksam mit der Infrastrukturgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern zu verzahnen. Geplante Mobilfunkstandorte sind zügig umzusetzen. Die Auswirkungen der 2G-Abschaltung auf ländliche Räume sind eng zu begleiten. 5G ist als Grundlage moderner digitaler Anwendungen landesweit zügig auszubauen. Frequenzvergaben müssen die prioritäre Erschließung ländlicher Räume sicherstellen. Mecklenburg-Vorpommern soll eine abgestimmte 5G-Strategie entwickeln und deren Umsetzung aktiv steuern. 53 54 55 56 57 Vertiefendes Forderungspapier: » Industriepolitischen Positionen „Industrieland Mecklenburg-Vorpommern 2030” » 5G - Digitale Infrastruktur als Innovationstreiber im ländlichen Raum
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