Magazin der IHK zu Schwerin 05 | 06 | 2026 UND IMMER IST DA EIN WEG... Sabine Diehl Geschäftsführerin, Diehl & Pogodda GmbH Energiewende forcieren 24 Energieforum 26 EU-Zollreform 39 WIKO Wirtschaftskompass Westmecklenburg
Wissen, ob der Nahverkehr pünktlich ist. Schon von zu Hause aus. Gastronomie Vereine & Unternehmen 360-Grad-Panoramen Audio-Rundgänge Sehenswürdigkeiten SCHWERINTOGO.de
Bilder: Deutschlands Zukunft braucht Mut und Verlässlichkeit. Unser Land steht an einem entscheidenden Punkt. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen wachsen: steigende Energiepreise, internationale Konkurrenz, Fachkräftemangel und eine zunehmend digitale Welt verändern unseren Alltag schneller als viele politische Prozesse reagieren können. Gerade deshalb müssen drei Begriffe wieder stärker zusammen gedacht werden: fördern, gründen, sichern. Sie bilden das Fundament für ein modernes, wettbewerbsfähiges und zugleich soziales Land. Fördern bedeutet weit mehr als staatliche Zuschüsse zu verteilen. Es geht darum, Potenziale zu erkennen und Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Ideen umzusetzen. Bildung spielt dabei die zentrale Rolle. Wer Schulen vernachlässigt, Universitäten kaputtspart und Weiterbildung als Nebensache behandelt, schwächt langfristig die Innovationskraft eines Landes. Förderung beginnt nicht erst bei der Unternehmensgründung, sondern bereits im Klassenzimmer. Kinder und Jugendliche brauchen digitale Kompetenzen, Kreativität und wirtschaftliches Verständnis, um später selbst Verantwortung übernehmen zu können. Doch Förderung allein reicht nicht aus. Deutschland muss wieder ein Land werden, in dem Gründen einfacher ist als Verwalten. Viele junge Unternehmerinnen und Unternehmer scheitern nicht an Ideen, sondern an Bürokratie, komplizierten Genehmigungen oder fehlendem Kapital. Während andere Länder Start-ups gezielt anziehen, verlieren wir uns häufig in Formularen und Zuständigkeiten. Wer Innovation ernst meint, muss Gründungen beschleunigen, Investitionen erleichtern und Risiken akzeptieren. Nicht jede Idee wird erfolgreich sein – aber ohne den Mut zum Scheitern entsteht auch kein Fortschritt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen zeigen seit Jahrzehnten, wie stark wirtschaftliche Dynamik sein kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen dürfen. Sie schaffen Arbeitsplätze, entwickeln Technologien und stabilisieren ganze Regionen. Deshalb ist eine moderne Gründungskultur keine Modeerscheinung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Gleichzeitig darf wirtschaftlicher Wandel nicht zu sozialer Unsicherheit führen. Deshalb gehört zum Fördern und Gründen immer auch das Sichern. Menschen müssen darauf vertrauen können, dass Leistung anerkannt wird und soziale Sicherheit bestehen bleibt. Wer Angst vor dem sozialen Absturz hat, wird kaum bereit sein, Risiken einzugehen oder Neues zu wagen. Ein funktionierender Sozialstaat ist deshalb kein Gegensatz zur wirtschaftlichen Freiheit, sondern ihre Voraussetzung. Sichern bedeutet aber auch, Infrastruktur zu modernisieren, Energieversorgung verlässlich zu gestalten und demokratische Stabilität zu schützen. Unternehmen investieren nur dort, wo Planbarkeit herrscht. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich nur dort, wo sie Vertrauen in Staat und Gesellschaft haben. Fördern, gründen, sichern – diese drei Begriffe dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Sie gehören zusammen. Ein Land, das Talente fördert, Innovation ermöglicht und zugleich soziale Sicherheit garantiert, schafft die Grundlage für nachhaltigen Wohlstand. Deutschland hat das Potenzial dazu. Doch dafür braucht es weniger Stillstand, weniger Misstrauen gegenüber Veränderung und mehr Mut zur Zukunft. Lisa Haus Hauptgeschäftsführerin Rubrik 1 Fördern, gründen, sichern Bild: info@paperheroes.de IHK Direkt 0385 5103 111 Der schnelle Weg zur IHK. Ein Land, das Talente fördert, Innovation ermöglicht und zugleich soziale Sicherheit garantiert, schafft die Grundlage für nachhaltigen Wohlstand. Editorial Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
STANDORTPOLITIK 09 Gesundheitspolitischer Dialog 2026 09 IHK-Tourismusausschuss 10 Einen Lieblingsort gefunden 12 Norddeutsche Sicherheitskonferenz 12 Öffnungszeitenverordnung MV gilt weiter 13 Wachstumsmarkt Campingtourismus 14 Landesjugendmeisterschaft 2026 15 IHK-Regionalausschuss TITELTHEMA 16 Und immer ist da ein Weg… 18 Datenschutz für Gründer 19 Die IHK-Unternehmenswerkstatt 19 Landesförderung für Gründungen und Nachfolgen 20 Fünf Fragen an… 21 Strukturiert und vertraulich 22 Nachfolger suchen Unternehmen 23 Fünf Fragen an… EXISTENZGRÜNDUNG & UNTERNEHMENSFÖRDERUNG 24 Energiewende forcieren 26 Energieforum 28 Das Kernenergie-Paradoxon AUS- & WEITERBILDUNG 30 Ausbildungsbetrieb werden 31 Mindestausbildungsvergütung 31 Start in der Berufsschule 32 Freistellung für Abschlussprüfungen 32 Achtung bei regulärem Ende 33 Weiterbildungsdatenbank MV 34 Weiterbildung als Wettbewerbsfaktor INTERNATIONAL 36 Hannover Messe 2026 38 Unsicherheit bremst Investitionen 39 EU-Zollreform RECHT & STEUERN 40 Schnellere Vergabeverfahren 41 Neue Regeln für Verbraucherkredite 42 Amtliche Bekanntmachungen 30 36 HANNOVER MESSE 2026 Vom 20. bis 24. April präsentierten sich zehn Unternehmen aus Westmecklenburg auf der weltweit bedeutsamen Industriemesse. AUSBILDUNGSBETRIEB WERDEN Ausbilden darf nur, wer persönlich und fachlich dazu geeignet ist. Inhalt 2 Inhalt Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
10 EINEN LIEBLINGSORT GEFUNDEN Der Traum vom Schloss ging mit Basthorst in Erfüllung. Statt Lavendel erfreut sich Marjon Wolthuis an leuchtend gelben Raps-Feldern, die in der näheren Umgebung gerade auch bis zum Horizont reichen. SCHNELLERE VERGABEVERFAHREN Öffentliche Aufträge sollen künftig einfacher, schneller und digitaler vergeben werden können. Der Deutsche Bundestag hat am 23. April 2026 das Vergabebeschleunigungsgesetz beschlossen. Ziel ist es, öffentliche Investitionen schneller auf den Weg zu bringen und Vergabeverfahren zu entlasten. WACHSTUMSMARKT CAMPINGTOURISMUS Die Änderung der Waldabstandsverordnung ermöglicht künftig bauliche Anpassungen auf bestehenden Camping- und Wochenendplätzen, auch wenn der gesetzliche Waldabstand unterschritten wird. 13 40 Inhalt 3 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Über 120 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Westmecklenburg kamen zum IHK-Frühjahrstreff 2026 bei der der Happy Texx GmbH in Grevesmühlen zusammen. IHK-Vizepräsident Ronny Freitag und Lisa Haus, Hauptgeschäftsführerin, begrüßten die Gäste herzlich und gaben kurze Einschätzungen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen. Der Landrat des Landkreises Nordwestmecklenburg, Tino Schomann sowie der Bürgermeister der Stadt Grevesmühlen, Lars Prahler, dankten in ihren kurzen Redebeiträgen für die Einladung und verwiesen auf die Erfolge und Herausforderungen der Verwaltung der Stadt und des Landkreises. Die beiden Geschäftsführerinnen Gabriele Muchow und Christin Tramm boten den Gästen mit ihrem Mitarbeiterteam ein abwechslungsreiches Programm mit Modenschau, Mitmach-Stationen, und Textildruck-Aktionen während des Betriebsrundganges. Das familiär geführte Unternehmen, das sich auf den Textildruck, die textile Stickerei und Werbeartikel spezialisiert hat, überzeugte mit einer freundlichen und kreativen Atmosphäre. Viele Gelegenheiten zum Netzwerken boten sich während des gesamten Abends für die Gäste bei einem Glas Wein oder Bier. Der nächste IHK-Treff findet am 9. September in Boizenburg statt. Anmeldungen sind über das Veranstaltungsportal der IHK zu Schwerin möglich: www.ihk.de/schwerin. HAPPY TEXX GMBH GREVESMÜHLEN IHK-Frühjahrstreff Bilder: IHK/info@paperheroes.de 4 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Schwerin lebt von seinen Familien und von den Menschen, Ideen und Angeboten, die ihren Alltag besser machen. Genau dieses Engagement möchte der Wettbewerb „Familienfreundliches Schwerin“ sichtbar machen und würdigen. Gesucht werden Vorbilder in drei Kategorien: das familienfreundlichste Unternehmen, die familienfreundlichste Einrichtung sowie die familienfreundlichsten Schweriner. Ob flexible Arbeitszeiten, kreative Betreuungsangebote, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern oder persönlicher Einsatz im Alltag – gefragt sind all jene, die Schwerin ein Stück lebenswerter für Familien machen. Jede und Jeder kann Vorschläge einreichen: Vielleicht kennen Sie ein Unternehmen, das seine Mitarbeitenden besonders unterstützt? Eine Einrichtung, die Familien herzlich aufnimmt? Oder einen Menschen, der sich mit außergewöhnlichem Engagement für Familien einsetzt? Nutzen Sie die Gelegenheit, Danke zu sagen und gute Beispiele ins Rampenlicht zu rücken. Gemeinsam zeigen wir, wie familienfreundlich Schwerin ist und noch werden kann. Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin ist Gründungsmitglied des Bündnisses „Familienfreundliches Schwerin“ und trägt die Patenschaft für das familienfreundlichste Unternehmen. JETZT MITMACHEN UND VORSCHLÄGE EINREICHEN! FAMILIENFREUNDLICHES UNTERNEHMEN Sie bieten flexible Arbeitszeiten, unterstützen Eltern oder schaffen familienbewusste Arbeitsbedingungen? Dann bewerben Sie sich und machen Ihr Engagement sichtbar. FAMILIENFREUNDLICHE EINRICHTUNG Ob Kita, Schule, Verein oder Institution – wenn Familien bei Ihnen im Mittelpunkt stehen, freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. FAMILIENFREUNDLICHES SCHWERINER/IN Sie kennen jemanden, der in Schwerin familienfreundlich herausragend engagiert ist? Dann schlagen Sie die Person gern vor. Mit der Übernahme des Vorsitzes der ABST MV e. V. beginnt ein neues Kapitel: In dieser Funktion folgt die neue Vorsitzende Dr. Dorothee Wetzig auf Klaus Uwe Scheifler, der die Entwicklung des Vereins über beeindruckende drei Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Steffen Rötz soll die erfolgreiche Arbeit der Auftragsberatungsstelle fortgeführt und weiterentwickelt werden. Unterstützung und Vertrauen kommen dafür von den fünf Wirtschaftskammern des Landes. Die Auftragsberatungsstelle unterstützt als neutrale Servicestelle Unternehmen und öffentliche Auftraggeber dabei, sich sicher und effizient im Vergabeprozess auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene zurechtzufinden. Geschäftsführer Lars Wiedemann und sein vierköpfiges Team erleichtern Unternehmen den Zugang zu öffentlichen Märkten und beraten Auftraggeber bei Ausschreibungen– ein wichtiger Beitrag für Transparenz und Wettbewerb in der öffentlichen Vergabe. AUFRUF ZUM WETTBEWERB Familienfreundliches Schwerin ABST MV mit neuem Vorsitz Bilder: Canva; IHK Dr. Dorothee Wetzig freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der ABST MV e. V., Lars Wiedemann (Mitte) und dem stellvertretenden Vorsitzenden Steffen Rötz. Wirtschaftsregion Westmecklenburg 5 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Plakate, Etiketten, Verpackungen, Displays, Stretchboards und Maschinen, die das alles ermöglichen: Die Ellerhold-Gruppe präsentiert sich als innovatives Unternehmen mit einer großen Begeisterung für Technik, welche bei Bedarf kurzerhand selbst entwickelt und dann hergestellt wird. „Diese Art von Pioniergeist geht auf den Gründer unserer Firmengruppe, Frank Ellerhold, zurück. Auch heute, da längst die Söhne die Geschäfte führen, sind Ideen für technische Weiterentwicklungen gern gesehen“, sagt Marco Bergmann, Geschäftsführer des erfolgreichen Druckunternehmens am Standort Wismar. Genauer gesagt in Dorf Mecklenburg findet sich der mecklenburgische Firmensitz. 70 Mitarbeitende, darunter 14 Auszubildende, fertigen in fünf riesigen Hallen Druckaufträge ab dem Format DIN A1 größer werdend. Reklame, Wahlkampf, Infos, Image – das Portfolio lässt keine Wünsche offen. „Trotz zunehmender Digitalisierung sind Plakate nicht wegzudenken. Wir erleben sie als schöne Hingucker, die Beruhigung ausstrahlen und mit einem guten Motiv fesseln. Das ist etwas völlig anderes als schnelle Botschaften, die über Bildschirme flimmern…“ Marco Bergmann blickt durchaus optimistisch in die Zukunft. „Es läuft gerade sehr gut.“ Das hat augenscheinlich mit der eigenen Innovationskraft zu tun. „Als Vorreiter vieler Neuerungen im Plakatdruck setzt das Unternehmen auf eine besondere Kultur. Als sich beispielsweise zeigte, dass Videopräsentationen zunehmend Einfluss auf das Plakatgeschäft nehmen, haben wir kleine Auflagen im Digitaldruck entwickelt. Das wurde bereits 2014 in der Kartonage umgesetzt.“ Wenig später machte der Standort vor den Toren Wismars den nächsten Sprung. „Früher wurden die sogenannten Mega-Lights, also die ganz großen Werbeträger im öffentlichen Raum, im Offsetverfahren in vier Teilen gedruckt.“ Diese mussten laminiert und zusammengeklebt werden. Das geht doch besser, sagten sich die Tüftler von Ellerhold. Ein Maschinenbauunternehmen wurde in den Firmenverbund integriert, das so gebündelte Know-how führte zum gewünschten Erfolg und einer großen Vereinfachung: „Seither drucken wir Vorder- und Rückseite gleichzeitig, können Folien aufbringen und Clippbänder einziehen. Alle zehn Minuten kommt ein fertiges Mega-Light aus der selbst konstruierten Maschine.“ Marco Bergmann ist die Freude anzusehen, auf diese Weise schneller und günstiger zu produzieren. „Zumal die Produkte deutlich besser aussehen - so ganz ohne Klebestreifen und Stabilisierungskreuze…“ Vier Werke der Ellerhold-Gruppe nutzen dieses Verfahren in Deutschland – Wismar ist eines davon. Sie alle konzentrieren sich auf die jeweils regionalen Anfragen, um Transportwege kurz zu halten. 95 Prozent der Bedarfe werden so abgedeckt – vom BranchenPrimus, der mit selbstentwickelter Datenbank über die gesamte Firmengruppe Aufträge steuert und europaweit in diesem Segment über die größten Kapazitäten verfügt. Eine komplett neue Art des Plakats geht auch auf das Unternehmen zurück: Ellerhold erfand das sogenannte Stretchboard. Anstelle von Plakatteilen, die bei Wind und Wetter durch die Luft fliegen, weil sich der Kleber gelöst hat, kommt ein einteiliger Druck mit umlaufendem Lochband in einen Rahmen. Kleine Pins nehmen das Ganze auf. Spannung verleiht der Darstellung eine besondere Optik. „Die Qualität ist hervorragend, es gibt keinerlei Falten. So halten die Plakate länger. Nachhaltigkeit muss heute einfach eine Rolle spielen“, sagt Marco Bergmann. Man ahnt es schon: Die neuartigen Rahmen und Säulen tragen ebenfalls das Etikett „Made by Ellerhold“. Apropos Etikett: Diese Druckerzeugnisse oder Displays aus Wellkarton, die individuelle Ideen zur Warenpräsentation oder Werbung ermöglichen, gehören als zweites Standbein mit zum Angebot der Druck-Experten in Dorf Mecklenburg. „Das macht uns weniger abhängig. Wir können wirtschaftliche Veränderungen leichter meistern“, weiß Geschäftsführer Bergmann aus der Erfahrung der zurückliegenden Jahre. Ein gutes Team ist die dritte Säule des Erfolgs. Interessierte finden bei Ellerhold attraktive berufliche Herausforderungen als Medientechnologen im Digitaldruck, als Mediengestalter in der Datenvorstufe, als Kaufleute und in der Logistik. Barbara Arndt ELLERHOLD WISMAR GMBH SETZT AUF INNOVATION, VIELFALT UND EIN STARKES TEAM Brillante Mega-Drucke Plakate im Mega-Format werden einteilig in Dorf Mecklenburg gedruckt. Geschäftsführer Marco Bergmann leitet seit 12 Jahren den EllerholdStandort im Mecklenburg. Bilder: Barbara Arndt 6 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bilder: InnoPort Steigende Kosten, Fachkräftemangel, wachsender Wettbewerbsdruck — und mittendrin eine Technologie, die überall als Lösung angepriesen wird, aber für viele Betriebe schwer greifbar bleibt. Was bedeutet Künstliche Intelligenz konkret für einen Handwerksbetrieb in Wismar? Welchen Nutzen hat sie für ein mittelständisches Produktionsunternehmen? Und wie trifft man Investitionsentscheidungen, wenn sich Technologien so schnell verändern? Genau hier setzt die regionale KI-Innovationskonferenz an, zu der der InnovationPort Wismar gemeinsam mit der IHK zu Schwerin und der Hochschule Wismar am 13. Oktober 2026 einlädt. ORIENTIERUNG STATT VERSPRECHEN Die Veranstaltung versteht sich ausdrücklich nicht als Fachkongress für Expertinnen und Experten — und auch nicht als Plattform für Toolanbieter. Sie richtet sich an Führungskräfte und Fachleute aus Produktion, Handwerk, Logistik und Verwaltung, die spüren, dass das Thema relevant wird, aber noch keine klare Antwort haben. Vorwissen ist nicht erforderlich. Im Mittelpunkt steht eine einzige Frage: Wo ist KI für uns wirklich nützlich — und wo nicht? EIN TAG, DREI SCHWERPUNKTE Der Tag gliedert sich in drei Blöcke: Der Vormittag schafft ein gemeinsames Grundverständnis — was KI tatsächlich kann und was nicht, was rechtlich gilt und wie fundierte Investitionsentscheidungen getroffen werden können. Die Mittagspause bietet Raum für Vernetzung mit Betrieben, die vor denselben Fragen stehen. Am Nachmittag stehen Praxisbeispiele aus der Region im Vordergrund: Unternehmen berichten offen über ihre Erfahrungen mit KI — Erfolge, Rückschläge und Lernkurven inbegriffen. CALL FOR PAPERS: IHRE ERFAHRUNG ZÄHLT Die Konferenz lebt von echten Einblicken. Unternehmen und Institutionen, die KI bereits einsetzen, sind herzlich eingeladen, einen Praxisbericht oder Fachvortrag einzureichen. Gesucht werden ehrliche Berichte: Was hat funktioniert? Was nicht? Was würden Sie heute anders machen? Die Sommer werden zunehmend heißer, daher hat das Gesundheitsamt im Landkreis Nordwestmecklenburg eine interaktive Karte entwickelt, auf der „kühle Orte“ dargestellt werden. Die Karte wird fortlaufend erweitert. Die Registrierung ist freiwillig und kostenfrei. Mitmachen können alle Einrichtungen (z. B. Cafés, Geschäfte oder Einkaufszentren), mit festen Öffnungszeiten, die einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten möchten. Dies kann in Form eines kühlen Innenraums (max. 25 Grad Celsius), eines schattigen Außenbereichs oder eines Trinkwasserspenders sein. Wer sich auf der Internetseite zum Projekt registriert erhält einen Sticker, der gut sichtbar an der Eingangstür platziert werden kann. HITZESCHUTZ IM LANDKREIS NORDWESTMECKLENBURG Präventionsprojekt „Cool bleiben!“ TERMIN & KOSTENFREIE ANMELDUNG 13. Oktober 2026 10:00 – 16:00 Uhr Ort: InnovationPort Wismar, Stockholmer Straße 16, 23966 Wismar Anmeldung: innovation-port.com/ event/regionale-ki- innovationskonferenz Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Plätze sind begrenzt, eine frühzeitige Anmeldung wird empfohlen. PRAXISBERICHT ODER FACHVORTRAG Einreichungen bis 30. Juni 2026 per E-Mail an: makeitpossible@ innovation-port.com Eine kurze Beschreibung des geplanten Beitrags (Titel, Format, ca. 5–10 Sätze) genügt. Rückfragen zum Projekt beantwortet Svenja Friedrich telefonisch unter 03841 3040 5368 oder per Mail gesund@ nordwestmecklenburg.de. KI-KONFERENZ WISMAR Orientierung statt Hype Wirtschaftsregion Westmecklenburg 7 IHK ZU SCHWERIN Stefanie Richter 0385 5103-201 s.richter@schwerin.ihk.de Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bilder: Tino Bittner; IHK/info@paperheroes.de Mit dem Fassadenprojekt „AllerHand“ entwickelt der Schweriner Künstler Tino Bittner seit 2024 eine Serie von großformatigen Wandarbeiten im öffentlichen Raum. Ausgangspunkt sind Motive aus der Sammlung Alte Meister des Staatlichen Museums Schwerin, die er aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang löst und in eine eigene, reduzierte Bildsprache übersetzt. Die Arbeiten entstehen im Umfeld der Wiedereröffnung des Museums und im Kontext der UNESCOWelterbestadt Schwerin. Historische Bildmotive werden dabei nicht reproduziert, sondern ortsbezogen neu interpretiert und mit der heutigen Nutzung der Stadt verknüpft. Für die Serie wurde Tino Bittner 2025 mit dem Kunst- und Kulturpreis der Sparkassenstiftung Mecklenburg-Schwerin ausgezeichnet. Die nächste Wand widmet sich einem Motiv des niederländischen Malers Godefridus Schalcken: Zwei Kinder, die mit einer Schweinsblase spielen – eine frühe Form des Luftballons. Am Standort neben dem ehemaligen Herzoglichen Waisenhaus, heute eine Kita und ein Hort, greift die Arbeit das Thema des spielerischen Forschens auf und verbindet es mit der aktuellen Nutzung des Ortes. Erstmals soll die Realisierung dieser Wand gemeinschaftlich erfolgen: Alle Hände für AllerHand. Eine Crowdfunding-Kampagne bündelt Beiträge aus Stadtgesellschaft, Wirtschaft und Handwerk und startet am 1. Juni. Unternehmen können sich bereits im Vorfeld beteiligen und so aktiv zur Umsetzung beitragen. Erste Partner haben ihre Unterstützung zugesagt. Neben der Sichtbarkeit im Projektumfeld eröffnet sich für beteiligte Unternehmen die Möglichkeit, Teil eines wachsenden Projekts im öffentlichen Raum zu werden und Einblicke in dessen Entwicklung zu erhalten – etwa durch geführte Rundgänge zu den bestehenden Fassadenarbeiten. PARTNER AUS DER WIRTSCHAFT GESUCHT AllerHand – Kunstprojekt Interessierte Unternehmen sind eingeladen, sich frühzeitig einzubringen und die nächste Umsetzung mitzutragen. geplante Wand an der KiTa „Villa Traumland“, Bornhövenstraße 19 (Fotomontage) TINO BITTNER post@tinobittner.de www.wall-you-need.art/ projekte/allerhand 8 Wirtschaftsregion Westmecklenburg Dr. Dorothee Wetzig verantwortet seit dem 1. Mai 2026 den Geschäftsbereich Existenzgründung, Unternehmensförderung, Innovation und Umwelt in der IHK zu Schwerin. Dort war sie seit gut einem Jahr bereits als stellvertretende Geschäftsbereichleiterin tätig. Die promovierte Volkswirtin studierte in Konstanz, Tübingen und Lund. Bereits seit 2008 ist sie bei der IHK zu Schwerin in verschiedenen Positionen beschäftigt und leitete unter anderem den Geschäftsbereich Standortpolitik, International. Dr. Dorothee Wetzig tritt die Nachfolge von Klaus Uwe Scheifler an, der über drei Jahrzehnte die Arbeit des Geschäftsbereichs der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin prägte und sich nun in den Ruhestand verabschiedet. Führungswechsel im IHK-Geschäftsbereich Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bild: IHK Im Industriepark Schwerin besuchte der IHK-Ausschuss für Gesundheitswirtschaft die TecMed Deutschland GmbH. Das junge Unternehmen baut derzeit einen modernen Produktionsstandort für Komponenten innovativer Insulinpumpen auf und gewährte Einblicke in Unternehmensentwicklung, Fachkräftebedarf und Standortaufbau. Im anschließenden Austausch mit der Bundestagsabgeordneten Simone Borchardt sowie der Landtagsabgeordneten Christine Klingohr standen zentrale gesundheitspolitische Themen im Fokus. Diskutiert wurden insbesondere die geänderte Krankenhausreform, die möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Beiträge, die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung, die Pflegereform sowie aktuelle Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung im Gesundheitswesen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Fragen der Gesundheitsprävention und der zukünftigen Ausgestaltung von Versorgungsstrukturen. Dabei wurde deutlich, dass sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Reformbedarf gesehen wird, insbesondere mit Blick auf Effizienz, Finanzierung und demografische Entwicklungen. Die Unternehmensbesichtigung und der fachliche Austausch unterstrichen die Bedeutung eines engen Dialogs zwischen Wirtschaft und Politik, um die Rahmenbedingungen für die Gesundheitswirtschaft in der Region nachhaltig zu verbessern. Am 27. April 2026 traf sich der IHK-Tourismusausschuss zu seiner Frühjahrssitzung im Kloster Zarrentin. Die Mitglieder des Ausschusses erhielten durch Natalie Niehus und Anke Hollerbach Einblicke in die touristischen Entwicklungen Zarrentins und des Biosphärenreservats Schaalsee. Sabine Winkler, Fachdienstleiterin beim Landkreis Ludwigslust-Parchim, berichtete zudem über die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor sowie das geplante Tourismus- und Freizeitentwicklungskonzept der Metropolregion Hamburg. Darüber hinaus diskutierten die Ausschussmitglieder aktuelle Themen. Hierzu zählten u. a. die derzeit gültigen Regeln bei der erweiterten Sonn- und Feiertagsöffnung in touristischen Orten Mecklenburg-Vorpommern, die neue EUPauschalreiserichtlinie und der Start der MV Tourismus GmbH als zentrales Instrument der überregionalen Vermarktung der Destination Mecklenburg-Vorpommern. Im Anschluss nutzte der Ausschuss die Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen des Seehotels Zarrentin zu werfen. Direktorin Claudia Gipp führte durch das Gebäude und erläuterte das Konzept des Hauses für Übernachtungsgäste, Feiern und Tagungen. Die IHK zu Schwerin dankt der Stadt Zarrentin und dem Seehotel Zarrentin für die Gastfreundlichkeit sowie den Mitgliedern des Tourismusausschusses für eine engagierte Sitzung. AUSSCHUSSARBEIT Gesundheitspolitischer Dialog 2026 SCHAALSEEREGION IHK-Tourismusausschuss IHK ZU SCHWERIN Stefanie Richter 0385 5103-201 s.richter@schwerin.ihk.de IHK ZU SCHWERIN Dr. Wolf-Rüdiger Knoll 0385 5103-208 knoll@schwerin.ihk.de Standortpolitik 9 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bilder: Barbara Arndt Seit 23 Jahren ist Marjon Wolthuis Gastgeberin auf Schloss Basthorst. Inzwischen als Hoteldirektorin. Sie liebt in dem anmutigen Ambiente einen Platz besonders: den in der Veranda mit Blick durch den Schlossgarten hin zum Glambecksee. Tatsächlich war es die fast unberührte Natur, die einen erheblichen Teil der Entscheidung ausgemacht hat, hier in der Hotellerie Fuß zu fassen. „Ich wollte schon immer in diese Branche. Als kleines Mädchen habe ich von einem Schloss in Frankreich geträumt, mit Lavendel-Feldern soweit das Auge reicht“, sagt die gebürtige Niederländerin. Der Traum vom Schloss ging mit Basthorst in Erfüllung. Statt Lavendel erfreut sich Marjon Wolthuis an leuchtend gelben RapsFeldern, die in der näheren Umgebung gerade auch bis zum Horizont reichen. Überhaupt spielt Natur eine große Rolle für die 49-Jährige, die einen verantwortungsvollen Job und eine große Familie mit vier Kindern auf die Reihe kriegt. Yoga im Garten hilft bei der Entspannung, aber auch ein klares Mindset: Die Hoteldirektorin sucht Hilfe, wenn sie diese braucht. Sie kann Aufgaben delegieren und gibt auch gern Erfahrungen weiter im Rahmen großer Netzwerke, in denen sich Unternehmerinnen darin unterstützen, starke Frauen zu sein. Als Marjon Wolthuis im Februar 2002 mit ihrem damaligen Partner das erste Mal nach Basthorst kam, ahnte sie nicht, was sie am Morgen beim Aufziehen der Gardinen erwarten würde. „Es war ein echter Wow-Effekt, absolut großartig. Der Businessplan war schnell gemacht, weil viel Potenzial zu sehen war. WINSTONgolf entstand gerade. Wellness und Co. konnten später dazukommen“, erinnert sie sich. Frankreich oder Mecklenburg? Diese Frage stand nicht mehr im Raum. Schritt für Schritt stellte sich Marjon Wolthuis den Herausforderungen, die Geschichte des 200-jährigen denkmalgeschützten Hauses fortzuschreiben und gleichzeitig den Gästen stets etwas Besonderes zu geben. „Das Besondere kann man hier durchaus finden, am Ende der Straße, wo nichts mehr kommt außer Ruhe und Entspannung, Wellness und Genuss und natürlich die unverwechselbar schöne Natur.“ Die Gastgeberin pflegt einen hohen Anspruch. Alles muss stimmig sein. Und das erweist sich zuweilen als gar nicht so einfach. „Gäste kommen mit immer höheren Ansprüchen. Sie wünschen sich stets den neuesten Stand bei allem, was sie umgibt.“ Deshalb bekommen 15 der rund 100 Gästezimmer pro Jahr neuen Schick. Die Mitarbeitenden erhalten nicht nur Wertschätzung für ihre so wichtige Arbeit. Es gibt besondere Arbeitszeiten für Mütter oder ein Wohnheim für Auszubildende. Seit einiger Zeit gehören auch Sprachkurse dazu, denn längst zählen Menschen aus Ukraine, Polen, Litauen und Rumänien zum Team. „Der größte Teil der 65 Stammkräfte kommt aber aus der Region“, sagt die Hoteldirektorin, die ihr Re- cruitingteam auf alle regionalen Berufsmessen schickt, sich selbst in Arbeitskreisen engagiert und offen ist für die Belange aller hier Tätigen. Vielleicht ist gerade das auch der Schlüssel zum Erfolg, dass ein großer Pool aus Selbstständigen und Aushilfen, die allesamt mal auf Schloss Basthorst mitgewirkt haben, immer zur Stelle ist, wenn helfende Hände gebraucht werden. „Es ist toll, auf diese Menschen zurückgreifen zu können. Ein stabiles Führungskräfte-Team erweist sich für Mitarbeitende und Stammgäste als gute Basis. Das gibt Sicherheit, ich selbst kann gut darauf aufbauen.“ Aufbauen möchte Marjon Wolthuis gern noch mehr. Sie verfolgt kontinuierlich Pläne, das Fundament des Hauses – nämlich Produkt und Dienstleistungen – qualitativ noch besser zu machen. Dazu gehört, noch mehr auf Wünsche der Gäste einzugehen, Komfort als Erlebnis zu gestalten. „Wir haben ein sehr gutes Produkt, aber das i-Tüpfelchen darf immer noch ein bisschen dicker werden. Immerhin geht es um die wertvollen Momente, die man sich für sich selbst nimmt. Es geht um das Genießen. Genau das ist der Luxus unserer Zeit.“ Barbara Arndt STARKE FRAUEN Einen Lieblingsort gefunden 10 Standortpolitik Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bild: IHK Stilvolle Schönheit mit Charme und Charakter: Die Zuwegung zum Schloss Basthorst. Standortpolitik 11 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Am 15. April 2026 diskutierten in der Handelskammer Bremen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bundeswehr über die sicherheitspolitische Rolle Norddeutschlands. Im Mittelpunkt der Norddeutschen Sicherheitskonferenz der IHK Nord standen resiliente Lieferketten, kritische Infrastruktur sowie leistungsfähige Verkehrswege als Grundlage für Versorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit. Für die IHK zu Schwerin nahm Sebastian Mundt, CoVorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, am Panel „Military Mobility und Dual Use: Leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur im Norden als Sicherheitsfaktor in der Zeitenwende“ teil. Er brachte dabei die Sicht der regionalen Wirtschaft in die Debatte ein. Mundt forderte, die Wirtschaft frühzeitig und enger in sicherheitsrelevante Planungen einzubinden. Neben Straßen, Schienen und Häfen müsse frühzeitig geklärt sein, welche Transportkapazitäten im Ernstfall tatsächlich zur Verfügung stehen. Dazu zählen etwa verfügbare Fahrzeuge, Fahrerinnen und Fahrer sowie logistische Ressourcen. Denkbar seien hierfür auch digitale Logistikdatenbanken oder Helferregister. „Wir müssen vor die Lage kommen. Sicherheit braucht klare Planungen, verlässliche Strukturen und einen engen Dialog mit der Wirtschaft. Nur wenn bekannt ist, welche Kapazitäten im Ernstfall verfügbar sind, können wir handlungsfähig bleiben“, sagte Sebastian Mundt, Co-Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Verkehr, Logistik und Infrastruktur. Die IHK Nord fordert in ihrem Positionspapier „Norddeutschland – Schlüsselregion für Sicherheit und Versorgung“ unter anderem schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, gezielte Investitionen in strategische Verkehrsachsen und eine stärkere Verzahnung von Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Das vollständige Positionspapier finden Sie hier: IHK ZU SCHWERIN Hannes Schubert 0385 5103-209 schubert@schwerin.ihk.de Das Oberverwaltungsgericht Greifswald (OVG) hat am 12. März 2026 die Öffnungszeitenverordnung Mecklenburg-Vorpommern – die sogenannte Bäderregelung – für unwirksam erklärt. Mit der Verordnung wird Geschäften in touristisch geprägten Orten erlaubt, an zahlreichen Sonn- und Feiertagen im Jahr zu öffnen. Nach Auffassung des Gerichts überschreitet der mit der geänderten Verordnung neu definierte Umfang die verfassungsrechtlich zulässigen Grenzen. Unter anderem fällt seit März 2026 das gesamte Schweriner Stadtgebiet in den Geltungsbereich der Öffnungszeitenverordnung. Auf Grund der rechtlichen Unsicherheit machen hiervon bisher jedoch nur wenige Händler in Schwerin Gebrauch. Geklagt hatte die Gewerkschaft ver.di gegen die Verordnung. WICHTIG FÜR DEN HANDEL Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Zunächst muss die ausführliche Urteilsbegründung der Landesregierung zugestellt werden. Ab da beginnt eine Rechtsmittelfrist von einem Monat. Frühestens nach Ablauf dieses Monats würde das Urteil rechtskräftig werden. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Landesregierung die Möglichkeit erhält, die Verordnung kurzfristig mit den Hinweisen des Gerichts nachzubessern, um weiterhin erweiterte Öffnungsmöglichkeiten in touristisch geprägten Orten in Mecklenburg-Vorpommern zu erlauben. Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern (IHKs in MV) erarbeiten gemeinsam mit dem Handelsverband Vorschläge für solche Anpassungen. ERWEITERTE SONNTAG- UND FEIERTAGSÖFFNUNG UNTER VORBEHALT Öffnungszeitenverordnung MV gilt weiter Bild: Jörg Sarbach IHK ZU SCHWERIN Stefanie Richter 0385 5103-201 s.richter@schwerin.ihk.de SICHERHEIT BRAUCHT BELASTBARE INFRASTRUKTUR Norddeutsche Sicherheitskonferenz 12 Standortpolitik Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland traf sich am 15. April 2026 im Schweriner Schloss. Zu Gast war u. a. der Geschäftsführer der MV-Tourismus GmbH und Landestourismusbeauftragte, Peter Kranz. Im Fokus des öffentlichen Teils der Sitzung standen die standortpolitischen Rahmenbedingungen für die wachsende Campingwirtschaft in MV. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die zum 1. April 2026 geänderte Waldabstandsverordnung. Denn viele Campingplätze im Land liegen in unmittelbarer Nähe zu Waldflächen. Die neue Regelung erleichtert notwendige Anpassungen, ohne den Schutz des Waldes zu vernachlässigen. Die Änderung der Waldabstandsverordnung ermöglicht künftig bauliche Anpassungen auf bestehenden Camping- und Wochenendplätzen, auch wenn der gesetzliche Waldabstand unterschritten wird. Das heißt, der gesetzliche Waldabstand von 30 Metern bleibt grundsätzlich bestehen. Neu ist, dass bei bestehenden Anlagen Ausnahmen zugelassen werden können, damit notwendige Modernisierungen auch innerhalb des Abstands möglich werden. Damit können unter Bestandsschutz stehende Anlagen an heutige Qualitätsanforderungen angepasst werden. Dazu gehören beispielsweise moderne Sanitäranlagen, barrierefreie Infrastruktur, energieeffiziente Gebäude oder zeitgemäße Serviceeinrichtungen. Wenn eine Sanierung bestehender Anlagen wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, können künftig auch Ersatzneubauten am gleichen Standort zugelassen werden. In Einzelfällen sind zudem nicht wesentliche Erweiterungen oder Verlagerungen innerhalb des bestehenden Platzgeländes möglich. Allerdings gilt weiterhin: Die Regelungen betreffen ausschließlich den Waldabstand bestehender Anlagen. Alle Vorhaben müssen weiterhin den bau- und naturschutzrechtlichen Vorgaben entsprechen. Zudem bleiben die Verkehrssicherungspflichten und Schutzanforderungen für den Wald unverändert bestehen. NEUE WALDABSTANDS-VERORDNUNG BEGRÜSST Wachstumsmarkt Campingtourismus Campingtourismus ist ein Wachstumsmarkt in MV. Die Gäste schätzen naturnahe Plätze an Seen, Küsten und in unseren Wäldern. Deshalb freuen wir uns, dass die Argumente der Branche gehört wurden und es Betreibern ermöglicht wird, ihre Anlagen im Einklang mit der natürlichen Umgebung zu modernisieren. Nathalie van Meeteren, Vorstandsmitglied im BVCD/ MV und Mitglied im IHK-Tourismusausschuss. Die Campingbranche in MV steht vor der wichtigen Aufgabe, die Qualitätsentwicklung konsequent weiter voranzutreiben, um im nationalen wie auch im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Dafür sind verlässliche und zugleich zukunftsorientierte rechtliche Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig möchten wir die Rolle der IHK als starken Partner an unserer Seite hervorheben. Die enge Zusammenarbeit hat maßgeblich dazu beigetragen, den Ausbildungsberuf „Kaufleute für Tourismus und Freizeit“ zu entwickeln und damit wichtige Impulse für die Fachkräftesicherung in unserer Branche zu setzen. Diese Partnerschaft ist für uns ein entscheidender Baustein, um die Zukunft des Campingtourismus nachhaltig und qualitativ hochwertig zu gestalten. Knuth Reuter, 1. Vorsitzender des BVCD/MV und Inhaber des Ferienpark Seehof bei Schwerin Bilder: IHK; Haveltourist GmbH & Co. KG Standortpolitik 13 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Am 14. und 15. April 2026 traten die besten Auszubildenden der gastgewerblichen Berufe aus MecklenburgVorpommern im Schlossgut Gross Schwansee zur 31. Landesjugendmeisterschaft an – ein Höhepunkt der Nachwuchsförderung im Gastgewerbe. Der traditionsreiche Wettbewerb, der gemeinsam vom DEHOGA Mecklenburg-Vorpommern sowie den drei Industrie- und Handelskammern des Landes ausgerichtet wird, gilt als herausragendes Sprungbrett für die Fachkräfte von morgen. Insgesamt 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in den Disziplinen Koch/Köchin, Fachmann/Fachfrau für Restaurants & Veranstaltungsgastronomie sowie Hotelfachmann/-frau unter anspruchsvollen Bedingungen ihr Können unter Beweis gestellt. Vom Kreieren eines Vier-Gänge-Menüs über professionellen Service bis hin zu komplexen Aufgaben im Hotelbetrieb – die Nachwuchstalente haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Ausbildung im Gastgewerbe auf höchstem Niveau erfolgt. Bewertet wurden die Leistungen von einer fachkundigen Jury aus ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern der IHK. Janet Schroeder, Gastgeberin und 1. Vizepräsidentin des DEHOGA MV, ergänzt: "Mir ging ein Herz auf. Ich ziehe den Hut davor, mit welchem Engagement die jungen Talente die Herausforderungen bewältigt haben. Die Landesjugendmeisterschaft hat einmal mehr gezeigt, wie viel Potenzial in der nächsten Generation unserer Branche steckt." SPRUNGBRETT AUF DIE NATIONALE BÜHNE Die gekürten Landessiegerinnen und -sieger qualifizieren sich für die Deutsche Jugendmeisterschaft im Oktober in Mainz und vertreten Mecklenburg-Vorpommern auf Bundesebene. Dort werden sie sich mit den besten Nachwuchskräften aus ganz Deutschland messen. KOCH/KÖCHIN 1. Platz: Tristan Schäfer (Weinhaus Uhle) 2. Platz: Bohdan Boiko (Romantik Hotel Namenlos & Fischerwiege) 3. Platz: Leni Tews (Volkssolidarität Nordost e. V. Anklam) FACHMANN/-FRAU FÜR RESTAURANTS & VERANSTALTUNGSGASTRONOMIE 1. Platz: Patrick Decker (Fleesensee Schlosshotel GmbH) 2. Platz: Alwin Reji (Dornier Immobilien Holding GmbH & Co. KG) 3. Platz: Marlene Kolloge (Natürlich Büttners) HOTELFACHMANN/-FRAU 1. Platz: Carlotta Helene Brandt (Fleesensee Betriebsgesellschaft mbH) 2. Platz: Ananthu Thilak (Dornier Immobilien Holding GmbH & Co. KG) 3. Platz: Ylva-Emely Langhans (Hotel Amsee GmbH) GASTGEWERBE-NACHWUCHS IN MV Landesjugendmeisterschaft 2026 IHK ZU SCHWERIN Petra Schemath 0385 5103-413 schemath@schwerin.ihk.de Bilder: DEHOGA MV; AdobeStock So sehen Sieger aus (v.l.): Tristan Schäfer (Weinhaus Uhle), Carlotta Helene Brandt (Fleesensee Betriebsgesellschaft mbH), Patrick Decker (Fleesensee Schlosshotel GmbH). 14 Standortpolitik Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bild: IHK Beim Treffen des IHK-Regionalausschusses Ludwigslust-Parchim in Grabow Ende April 2026 standen nicht nur wirtschaftliche Sorgen, sondern auch personelle Weichenstellungen im Mittelpunkt. Nach längerer Vakanz übernimmt künftig Christian Rosenkranz den Vorsitz des IHK-Gremiums. Der erfahrene Unternehmer hatte die Aufgabe bereits kommissarisch ausgefüllt und soll nun als Mitglied der IHK-Vollversammlung die regionale Wirtschaft noch stärker vertreten. Inhaltlich zeichnete Bürgermeisterin Kathleen Bartels ein gemischtes Bild der Lage vor Ort: Grabow bleibt geprägt von Handwerk, Handel und Kleingewerbe – mit der Grabower Süsswaren GmbH als bekanntestem Aushängeschild. Gleichzeitig kämpft die Innenstadt mit zunehmendem Leerstand. Neue Nutzungskonzepte für ehemalige Ladenflächen, etwa Wohnen im Zentrum, wurden diskutiert, stoßen jedoch nicht überall auf den nötigen politischen Gestaltungswillen. Besonders brisant bleibt die Entwicklung eines geplanten Gewerbegebiets nahe der A 14. Eine anhängige Naturschutzklage verzögert das Projekt seit Jahren. Sollte die Genehmigung in zweieinhalb Jahren auslaufen, droht ein kompletter Neustart der Planungen. Angesichts der erwarteten Impulse durch die Fehmarnbelt-Querung wächst im IHK-Regionalausschuss LUP und der Kommunalpolitik die Sorge, dass wirtschaftliche Chancen ungenutzt verstreichen. Auch übergeordnete Themen prägen die Stimmung: Unternehmen klagen über weiterhin steigende Bürokratie und regulatorische Belastungen – stattdessen Abbau – sowie Wettbewerbsnachteile durch Mindestlohndebatten bei Saisonkräften. Der Appell an die IHK zu Schwerin ist deutlich: Die Interessen der regionalen Wirtschaft sollen noch offensiver vertreten werden. Mit neuem Vorsitz und alten Baustellen steht der Ausschuss vor einer klaren Aufgabe: konkrete Lösungen voranbringen, bevor wichtige Entwicklungschancen verloren gehen. NEUER VORSITZ, ALTE HERAUSFORDERUNGEN IHK-Regionalausschuss Weitere Informationen und Projekte unter: www.bartram-bau.de Tel. 04871 778-0•info@bartram-bau.de >Entwurf und Planung > Alles aus einer Hand >Eigenes Fertigteilwerk >Festpreis >Fixtermin > 70 Jahre Erfahrung DAS INDIVIDUELLE BAU-SYSTEM ERFOLGREICHE PROJEKTE IM INDUSTRIE- UND GEWERBEBAU ÜBER 3.000 IHRE VISION UNSER PROJEKT Der IHK-Regionalausschuss LUP traf sich in Grabow, regionale Wirtschaftsthemen standen dabei im Mittelpunkt. IHK ZU SCHWERIN Henner Willnow 0385 5103-312 willnow@schwerin.ihk.de Standortpolitik 15 Anzeigen im WIKO Telefon: 0385 760 520 Fax: 0385 760 52 60 anzeigen@maxpress.de www.maxpress.de Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
DIEHL & POGODDA GMBH UNTERSTÜTZT MENSCHEN IN SCHWIERIGEN LEBENSLAGEN Und immer ist da ein Weg… Geschäftsführerin Sabine Diehl, Diehl & Pogodda GmbH 16 Titelthema Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Mehr und mehr Frauen und Männer haben Probleme, ihren Alltag zu gestalten. Oft stehen sie allein da und kommen gar nicht mehr zurecht. Sabine Diehl kennt sogenannte multikomplexe Unterstützungsbedarfe nur zu gut: Zusammen mit Geschäftspartner Michael Pogodda hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, mit ihrem Team Hilfe zu leisten und Begleitung zu ermöglichen. In verschiedenen Leistungsangeboten, unter anderem einer Tagesgruppe. „Unsere Leistungen ziehen sich durch alle Schichten der Gesellschaft und umfassen alle Altersgruppen“, sagt die Chefin von 25 Mitarbeitenden. Es geht immer darum, volljährige Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen sowie körperlicher oder seelischer Beeinträchtigung zu befähigen, den Alltag zu bewältigen. Schritt für Schritt. Es geht um den Erhalt von Unabhängigkeit. Es geht immer auch um das Gefühl, jemand zu sein, der etwas kann, der Kompetenzen entwickelt und Isolation überwindet. „Für uns bedeutet das, neue Wege zu beschreiten. Mit den Menschen, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, aber vor allem auch mit uns selbst.“ HERAUSFORDERUNGEN SIND DAS, WAS SPASS MACHT Sabine Diehl meint das ganz ernst. Für sie gibt es keine Probleme, sondern nur Aufgaben, die es zu lösen gilt. „Das möchte ich bis an mein Lebensende tun. Davon kann es einfach nicht genug geben“, sagt sie und freut sich auf die nächsten Herausforderungen. Die hat die 49-Jährige immer gesucht. Die gelernte Rechtsanwaltsangestellte aus Laage studierte Soziale Arbeit in Neubrandenburg. Sie vervollständigte ihre Fähigkeiten in der praktischen Arbeit bei zwei Trägern und entschied sich dann für die Selbstständigkeit. Als gerichtlich bestellte Betreuerin gelang es ihr, beide Berufe zu vereinen, vor allem aber ihrem Anspruch gerecht zu werden, Menschen zu helfen. Solchen, die aus verschiedenen Gründen nicht gesehen werden, von denen sich Angehörige abwenden, die ihre Rechte nicht eigenständig wahrnehmen können. Sie wirbelte für rund 50 Frauen und Männer oft im Hintergrund, stellte unzählige Anträge und agierte als Ratgeberin. „Ich musste da irgendwann raus, selbst ins Handeln kommen und wollte schließlich ein Unternehmen in der Eingliederungshilfe gründen.“ EINE GRÜNDUNG WILL WOHL ÜBERLEGT SEIN Doch wie das manchmal so ist: Zum Loslegen fehlte ein Partner. Es folgte eine Phase im Angestelltenverhältnis mit wachsendem Handlungsdruck, um endlich die eigenen Ideen umzusetzen. „Warten und Geduld haben, bis ein perfektes Match gelingt – das gehört dazu. Eine solide Vorbereitung der Unternehmensgründung sowieso“, blickt Sabine Diehl zurück. Sie hat ganz lange ihre Vision in sich getragen - das habe sie stark gemacht. „Das enge Miteinander im Unternehmen basiert auf großem Vertrauen.“ Ihr jetziger Geschäftspartner brachte die gleiche Vision mit. Seit 2022 ergänzen sich Michael Pogodda und Sabine Diehl einfach sehr, sehr gut. „Er ist betriebswirtschaftlich unterwegs, ich kümmere mich um praktische Dinge und Personal. Wir schmieden gemeinsam Pläne, checken die Plausibilität. Und dann legen wir los… Wir wachsen als Unternehmen und – sehr spannend – als Persönlichkeiten!“ Und das mit dem besten Team der Welt, in dem es kaum Fluktuation und gefühlt keine Hierarchien gibt, welches beim IHK-Firmenlauf zusammenkommt oder beim Grillen. WERTE HELFEN, DAS UNTERNEHMEN ZU ENTWICKELN „Für das, was wir tun, stehen wir nicht nur mit unserem Namen. Wir stehen als Person dahinter.“ Sabine Diehl fordert das Engagement für den Sozialstaat ein. Der Kostendruck ist spürbar, die Sozialleistungen laufen nahezu aus dem Ruder. Vor Einsparungen hat sie keine Angst. „Wir sind für Leistungsberechtigte tätig. Die Leute müssen versorgt werden. Wenn wir das nicht tun, macht es keiner – mit ungeahnten Konsequenzen: Die Folgekosten fallen gravierender aus. Auch an dieser Stelle übernehmen wir Verantwortung.“ Das zahlt sich aus. Ebenso wie vollstes Vertrauen für die eigenen 25 Fachkräfte, die selbstständig in den Leistungsangeboten arbeiten. Jeder wird ernst genommen, die Tür steht immer offen. „Hinweise, die uns weiterbringen, sind willkommen.“ Dieser Führungsstil funktioniert. Nach der Gründung 2022 mit Assistenzleistungen in Eingliederungshilfe kam 2023 die Tagesgruppe für Menschen mit Alkoholerkrankung dazu. Zwei Jahre später nahm das Unternehmen die Alltagsbegleitung nach SGB XI auf, weil Bedarfe nicht mehr zu übersehen waren. Aktuell steht der Ankauf des Firmensitzes bevor, an dem teilweise neu gebaut und eine Tagespflege errichtet werden soll. Im Nachbarort Warin entstehen vier Apartments, in die Leistungsberechtigte einziehen können. „Stillstand ist keine Option!“ sagt Sabine Diehl voller Energie und hat garantiert die nächsten Ideen im Kopf. Barbara Arndt Bild: IHK/info@paperheroes.de Titelthema 17 Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
Bild: QDIS In der Gründungsphase läuft alles parallel. Finanzierung sichern, erste Kunden gewinnen, Angebote schreiben, Personal finden, Prozesse aufbauen. Datenschutz landet dabei schnell auf der Liste der Themen, die man später angehen will. Das ist verständlich, aber riskant. Denn ausgerechnet in der Anfangszeit werden die Weichen gestellt, die später über Aufwand, Haftungsrisiken und Vertrauen entscheiden. IRRTUM 1: „DAFÜR SIND WIR NOCH ZU KLEIN.“ Die DSGVO gilt nicht erst ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl, nicht ab dem ersten Großkunden und auch nicht erst dann, wenn eine Behörde anfragt. Sie gilt ab dem Moment, in dem personenbezogene Daten verarbeitet werden. Das beginnt früher, als viele denken. Es fängt bereits bei Kontaktformularen, E-Mail-Adressen, Rechnungen, Bewerbungen, Angeboten, Terminkalendern oder Arbeitsverträgen an. Wer Daten verarbeitet, muss dafür eine Rechtsgrundlage haben, Betroffene informieren, Daten angemessen schützen und interne Abläufe so organisieren, dass Anfragen, Korrekturen oder Löschungen überhaupt bearbeitet werden können. Die Unternehmensgröße schützt vor diesen Pflichten nicht. Im Gegenteil, gerade kleine Unternehmen sind oft besonders anfällig, weil sie noch keine tragfähigen Strukturen aufgebaut haben. IRRTUM 2: „EINE DATENSCHUTZERKLÄRUNG AUF DER WEBSITE REICHT.“ Die Datenschutzerklärung ist sichtbar, aber sie ist nur die Oberfläche. Dahinter muss ein Unternehmen datenschutzrechtlich belastbar organisiert sein. Dazu gehören unter anderem ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, passende Verträge mit Dienstleistern, technisch und organisatorisch dokumentierte Schutzmaßnahmen, klare Zuständigkeiten im Unternehmen sowie funktionierende Prozesse für Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschanfragen. Hinzu kommt die Website selbst. Wer Analyse-Tools, Karten, Videos, externe Schriftarten, Terminbuchungssysteme oder CookieDienste einbindet, verarbeitet häufig mehr Daten, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Dann reicht ein hübsches Hinweisbanner gerade nicht aus. Es braucht eine saubere Prüfung, was tatsächlich eingesetzt wird, auf welcher Rechtsgrundlage das geschieht und ob die Einbindung so gestaltet ist, dass unnötige Risiken vermieden werden. Wer diese Grundlagen nicht früh schafft, arbeitet später unter Druck nach. Dann wird Datenschutz nicht gestaltet, sondern hektisch repariert. Das kostet Zeit, Geld und im Zweifel Nerven gegenüber Kunden, Beschäftigten und Geschäftspartnern. IRRTUM 3: „DAS PRÜFT DOCH NIEMAND.“ Doch, und zwar häufiger als viele Gründer annehmen. Nicht nur Aufsichtsbehörden stellen Fragen. Auch Auftraggeber, größere Geschäftspartner, Investoren, Plattformbetreiber und potenzielle Kunden prüfen heute deutlich genauer, wie professionell ein Unternehmen mit personenbezogenen Daten umgeht. Datenschutzfragebögen, Vertragsanlagen, Sicherheitsabfragen und Nachweise sind in vielen Branchen längst Teil des Tagesgeschäfts. Spätestens wenn ein Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO eingeht, ein Dienstleistervertrag geprüft werden soll oder ein Kunde Angaben zu technischen und organisatorischen Maßnahmen verlangt, zeigt sich, ob ein Unternehmen seine Datenflüsse im Griff hat. Wer dann nicht sagen kann, welche Daten wo verarbeitet werden, wer Zugriff hat, wie lange gespeichert wird und auf welcher Grundlage das geschieht, gerät schnell in Erklärungsnot. DATENSCHUTZBERATUNG KANN FÖRDERFÄHIG SEIN Wenig bekannt ist, dass auch Datenschutzberatung unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig sein kann. Das BAFA fördert Unternehmensberatungen für KMU zu wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung. Darunter können je nach Einzelfall auch Beratungen fallen, die den datenschutzrechtlich sauberen Aufbau betrieblicher Strukturen unterstützen. Die aktuelle BAFA-Förderrichtlinie gilt für Anträge bis zum 31. Dezember 2026. Innerhalb dieser Laufzeit sind mehrere Beratungen möglich. In Mecklenburg-Vorpommern sind Zuschüsse von 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten vorgesehen, maximal 2.800 Euro. Datenschutz ist für Gründer kein Thema für später. Wer von Anfang an Zuständigkeiten klärt, Prozesse sauber aufsetzt und die wesentlichen Pflichten dokumentiert, reduziert Risiken, spart später erheblichen Aufwand und schafft Vertrauen. Genau das ist in der Gründungsphase kein Bürokratieproblem, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. IHRE CHECKLISTE – DAS MINIMUM AB TAG 1 Datenschutzerklärung für Website – aktuell und vollständig Cookie-Consent-Management eingerichtet Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten angelegt Auftragsverarbeitungsverträge mit allen Dienstleistern Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen dokumentiert Prozess für Betroffenenanfragen definiert Mitarbeitende geschult und auf Vertraulichkeit verpflichtet DSB-Bestellpflicht geprüft BAFA-Förderung beantragt DREI TEURE IRRTÜMER Datenschutz für Gründer Datenschutz ist kein Thema für „später“. Später ist jetzt! QDIS – DATENSCHUTZBERATUNG KUNZ MARCO KUNZ 03861 3029061 kontakt@qdis-dsb.de 18 Titelthema Wirtschaftskompass 05 | 06 | 2026
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